KARRIERE 04.03.2011, 19:52 Uhr

Didaktisch daddeln kommt in Mode

Serious Games werden für Mitarbeiterschulungen und Managertrainings in Unternehmen immer beliebter. Doch die Lernspiele, die für mehr Erfolg im Beruf und reibungslose Prozesse in der Firma sorgen sollen, sind aufwendig zu entwickeln und umzusetzen. Entwickler suchen daher nach fähigen Fachkräften – doch die sind rar.

In Sachen Steuerungs- und Automatisierungstechnik kennen sich die Ingenieure von Festo aus. Doch wie lassen sich ein gesamtes Unternehmen optimal steuern, Ressourcen sparsam einsetzen und Kosten senken? Keine einfache Aufgabe. Aber ein leichtes Spiel. Denn das können Ingenieure spielerisch am PC erproben.

„Das Thema Serious Games wird wichtiger, da sich nicht alles mit Folien und Vorträgen verständlich machen lässt“, sagt Holger Regber, Kompetenzbereichsleiter Training und Consulting im Bereich Festo Didactic. „Ernsthafte Spiele können auch Türöffner für reale Projekte sein“, sagt der Experte für die industrielle Aus- und Weiterbildung.

In jedem Fall machen sie das Lernen leichter und ersparen so manches zeitraubende Seminar oder die ausgedehnte Lektüre von Fachliteratur. Gerade für die jüngere Generation, die mit Videospielen so selbstverständlich aufgewachsen ist wie Ältere mit „Mensch ärgere Dich nicht!“, mausert sich diese Art des Lernens zu einer festen Größe. „Wir entwickeln für Unternehmen seit 1993 Serious Games, doch erst jetzt zeichnet sich für diese Lernform ein Durchbruch ab, was vermehrte Nachfragen von Industriekunden zeigen“, berichtet Ralph Stock, Geschäftsführer der Potsdamer Serious Games Solutions GmbH. Mittlerweile gibt es kaum ein Dax-Unternehmen, das nicht auf die Dienste der Spieleentwickler zurückgegriffen hat. Vom Assessment-Center über Motivationsspiele bis hin zu Trainings im Kunden- und Projektmanagement reicht das Einsatzgebiet des ernsthaften Daddelns.

Damit folgen deutsche Unternehmen einem Trend, der in Übersee gesetzt worden ist. „In den USA werden Spieletechnologien bereits vermehrt in der Aus- und Weiterbildung eingesetzt“, sagt Ruth Lemmen, Projektmanagerin vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Das US-Pendant des BIU, die Entertainment Software Association (ESA), berichtete bereits 2008 davon, dass 70 % aller Führungskräfte im Mitarbeitertraining auf seriöse Spiele setzen. Vor allem dann, wenn durch Simulationssoftware Produktionsabläufe dargestellt werden können oder durch Rollenspiele am Rechner Kundenbeziehungen verbessert werden sollen. Lemmen: „Auch hierzulande setzen immer mehr Unternehmen Serious Games für ihre Schulungszwecke ein.“

Zu den Vorreitern zählt Siemens. Der Konzern schult unter anderem Werksstudenten mit dem Spiel „learn2work“, bei dem diese eine dem Technologiekonzern nachempfundene Firma selbst führen müssen, um so ein Gespür für die Abläufe und die Organisation des Unternehmens zu bekommen. Vor allem Mitarbeitern in technischen Berufen werden mit solchen Spielen Wirtschaftskenntnisse nähergebracht. Das ist auch das Ziel von „Innov8“, einem Computerspiel von IBM, bei dem unter anderem Ingenieure und Informatiker Geschäftsprozesse verbessern sollen. Als Lenker einer virtuellen Firma müssen sie bestimmte Geschäftsziele erreichen und Mitarbeiter motivieren. So soll ihr Fachwissen um betriebswirtschaftliches Praxiswissen erweitert werden.

Die Anforderungen an ein gutes Serious Game sind hoch: „Grafisch und technologisch muss es sich auf dem Niveau eines Unterhaltungsspiels bewegen, sonst leidet die Motivation der Spieler“, sagt Ralph Stock. Vor allem aber: „Es muss genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten werden und inhaltlich authentisch sein.“ Soll etwa nach einer Unternehmensfusion mit einem Serious Game versucht werden, verschiedene Abteilungen mit unterschiedlichen Kulturen geschmeidiger zusammenzuführen, dann muss das Spiel genau diese Situation widerspiegeln. Vorteil: „Chefs und Mitarbeiter sitzen in einem Boot. Vor dem Computer werden Distanzen abgebaut“, sagt Stock. Mithin entdeckten die Spieler gänzlich neue Seiten an ihren Kollegen.

„Durch die Interaktion bietet sich die Chance, konkrete Situationen zu simulieren, was vor allem bei Trainings erhebliche Vorteile gegenüber klassischen Unterrichts- und Schulungsformen birgt“, sagt Expertin Lemmen. So viel Realitätsnähe samt feingeschliffener Grafik hat ihren Preis, den vor allem kleine und mittlere Unternehmen selten zahlen können und wollen. Doch wer ein einmal individuell entwickeltes Spiel lange im Managementtraining einsetzen könne, für den lohne der Aufwand durchaus, meint Lemmen. Und in der Schulung von Produktionsmitarbeitern ließen sich durch die Simulation von Produktionsabläufen teure Fehlgriffe vermeiden.

Immer ausgefeiltere Serious Games verlangen nach qualifizierten Kräften, an denen es mangelt. Seiteneinsteiger hätten immer seltener eine Chance, weiß Ralph Stock der Königsweg führe über ein Informatikstudium. „Vor allem erfahrende 3D-Designer und Programmierer werden dringend gesucht und teilweise im Ausland angeworben“, berichtet Ruth Lemmen.

Die Verdienstmöglichkeiten liegen laut Lemmen über alle Berufsfelder hinweg im Durchschnitt zwischen 2000 € und 4000 € brutto im Monat. „Verantwortliche Abteilungsleiter können auch deutlich höhere Gehälter erzielen oder werden am wirtschaftlichen Erfolg des Spieles beteiligt“, so Lemmen. CHRIS LÖWER

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