2,7 Stunden pro Woche 10.09.2014, 12:24 Uhr

Deutsche schrubben in der EU die meisten Überstunden

40,4 Stunden arbeitet der durchschnittliche Deutsche pro Woche – und damit 2,7 Stunden mehr als die vereinbarte Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden. In keinem anderen Land ist diese Differenz so groß, fand jetzt eine Studie heraus. Und: Weniger als 50 Prozent der Überstunden bezahlt der Arbeitgeber. 

Im Vergleich der 18 Euroländer liegt Deutschland an der Spitze der gearbeiteten Überstunden. „In keinem Land der Eurozone gibt es einen so großen Unterschied zwischen der tarifvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit und der tatsächlichen Wochenarbeitszeit wie in Deutschland“, erklärte EU-Sozialkommissar Lazlo Andor gegenüber der Zeitung Die Welt.

Weniger als die Hälfte der Überstunden wird bezahlt

Die letzte Woche vorgestellte Studie des Nürnberger Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) legt dar, dass noch nicht einmal die Hälfte der geleisteten Überstunden vergütet wird. Allein zwischen April und Juni kamen schon 262 Millionen Stunden zusammen, die nicht vergütet wurden, so die IAB-Statistik. Damit wurde erstmals aufgrund von Befragungen der Beschäftigten und der Betriebe die unbezahlte Mehrarbeit dargelegt. 

Durchschnittlich fünf Überstunden pro Monat bekamen die etwa 38 Millionen Beschäftigten im zweiten Quartal mit Geld oder Freizeit ausgeglichen. Jedoch blieben 6,9 Stunden unbezahlt. Weitere Überstunden, die auf den Arbeitszeitkonten liegen, wurden bei der Studie noch nicht einmal berücksichtigt.

Griechen arbeiten 44,1 Stunden pro Woche

Und so sieht es mit den Überstunden im Ausland aus: In Finnland werden die Arbeitszeiten von 38 und 37,5 Wochenarbeitsstunden meist genau eingehalten, in Irland und Malta gibt es nur minimale Abweichungen von 0,5 Stunden. In den Niederlanden leisten Arbeitnehmer schon 2,3 Stunden mehr pro Woche, in Zypern sind es zwei Stunden und in Frankreich 1,8 Stunden.

Dass die Deutschen die meisten Überstunden leisten, bedeutet aber nicht, dass sie am meisten arbeiten: Griechenland kommt auf 44,1 Wochenstunden, Österreich auf 43,1 und Portugal auf 42,7.

Mehrarbeit kann Burn-out verursachen

„Die tarifliche Arbeitszeit muss eingehalten werden“, fordert die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, Beate Müller-Gemmeke. „Eine große Zahl von Überstunden führt unvermeidlich zu Stress und zur Überforderung der Beschäftigten.“ Das sei nicht akzeptabel, denn das mache Menschen krank. Nicht nur die geleistete Mehrarbeit, auch die ständige Erreichbarkeit in der arbeitsfreien Zeit führen zu einer Mehrbelastung. Und so stieg die Zahl der Krankmeldung in den letzten Jahren aufgrund psychischer Erkrankungen.

„Wichtig ist am Ende, dass das Land wettbewerbsfähig ist und dass die Vorgaben der EU-Arbeitszeitrichtlinie eingehalten werden – das ist in Deutschland im allgemeinen der Fall“, ist hingegen Andor überzeugt. „Denn jedes Land hat bei der Arbeitszeit seine Eigenheiten.“ Mehrarbeit sei seiner Meinung auch ein Zeichen eines flexiblen Wirtschaftssystems. Deutsche Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter mehr arbeiten, anstatt Neueinstellungen vorzunehmen. 

Von Petra Funk

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