Karriere 14.04.2006, 19:21 Uhr

Der Überflieger  

VDI nachrichten, Brandis, 13. 4. 06, Fr – Der Stralsunder Andreas Seyfert, Vizepräsident der IHK Rostock und Chef von gleich vier Firmen, will immer höher hinaus. So führte der Weg des 48-jährigen Diplomingenieurs vom Kalischacht über Bootsplanken und Hochbauten nach und nach in himmlische Sphären. Und er hat noch Großes vor.

Der Wind bläst steif auf dem Flugplatz, in Spitzen 25 Knoten. Doch Andreas Seyfert aus Stralsund, als Cupverteidiger zum Air Lloyd Cup 2005 nach Halle gekommen, stört das nicht. Im Schwebeflug wirft er zielgenau Sandsäcke in Fässer ab, gruppiert volle Biergläser auf engen Säulen um, schlängelt Wassereimer an einem Tau durch sieben Tore und erwischt mit der Kufe Reifen von einer Stange. Alles von der Luft aus, alles im Fliegen.

Seyfert ist gut drauf. Er gehört seit kurzem zur Nationalmannschaft. Der Wettkampf dient ihm und Co Benno Schultz als Test für die Helikopter-WM Ende August in Frankreich. Und hier klappt es dann auch prächtig. Seit langem mal wieder erklettern die deutschen Drehflügler in der Teamwertung das WM-Treppchen: Sie werden Dritte.

Seyfert freut sich darüber wie ein großer Junge. Wie ein großer Junge, so kam er auch zum Fliegen. Er hatte als Vater und Trikotsponsor die Fußballelf von Sohnemann Michael in die USA begleitet. Und hier lud ihn dann bei einem Barbecue ein Herr zu einem Hubschrauberflug ein. Er sagte begeistert zu, doch als der ihm dann in 3000 Fuß Höhe das Steuer überließ, glaubte er sich im falschen Film: Er hatte noch nie in einem Helikopter gesessen. Doch er wagte es, und seither ließ ihn die Fliegerei nicht mehr los. Für den Helikopterschein brauchte er 2000 ganze zehn Tage: „Das sei deutscher Rekord, sagte man mir.“

Doch ein solch extravagantes Hobby ist nicht billig, zumal man eine jährliche Pflichtstundenzahl benötigt. Das forderte indes Seyferts Geschäftssinn heraus. Seit 1990 hatte er immer wieder neue Firmen gegründet. In seiner ersten, einem Elektronikhandel, setzte er noch vor der Währungsunion in einem alten Heizhaus hunderttausende D-Mark um. Also begann er nun, Hubschrauber-Events auszurichten. Und hierbei gelang es ihm, die Berufspiloten zu überzeugen, ihn beim Überführen der Maschinen ans Steuer zu lassen. So schaute er sich gleich auch die Stärken verschiedener Piloten an und traute sich schon 2001 zu, bei den Deutschen Meisterschaften zu starten. Er wurde Drittletzter.

Heute besitzt er seinen eigenen Heli, einen Hughes 300 aus zweiter Hand. Er fliegt um die 150 Stunden im Jahr, beruflich wie privat. Gar eine kleine Flugschule betreibt der 48-Jährige. Dabei war er ursprünglich in ganz anderen Höhenlagen zu Hause. Sein Berufsleben begann unter Tage, in einem Kalischacht, wo er E-Monteur lernte. Doch im Berg hielt es ihn nicht lange. Er heuerte auf einem Segelschulschiff an, studierte an der Marineschule in Stralsund.

Das Patent als nautischer Offizier machte ihn zugleich zum Ingenieur für Verkehrswesen. Nach Feierabend vertiefte er sich noch in die Schiffselektronik, und auch, wenn auf See mal die Maschine muckte, machte er sich „gern mal die Hände dreckig“. Diese Interessiertheit fiel auf. Mit 26 berief man ihn als Lehrer an die Marineschule. Hier scharte er alsbald Studenten um sich und tüftelte mit ihnen an Neuerungen. Sogar ein kleines Forschungsbudget bekam er. „Aus dieser Zeit rühren noch meine ersten Patente“, lacht er.

Dann aber kam Gorbi und Seyfert ging. Nach Militär war ihm nicht mehr. Er verließ die Marine noch zu DDR-Zeiten, wechselte als Elektroniklehrer an eine Berufsschule. Doch die nahende Wende zwang auch ihm eine weitere Wende auf: Er hatte zwar noch bei der Flotte sein Diplom als Ingenieur für Regelungstechnik gemacht, doch ein ausgewiesener Pädagoge war er halt nicht. Seine Perspektive schien ungewiss.

„Das war das die Geburtsstunde meiner Selbstständigkeit“, erinnert er sich. Er meldete erst jenen Elektronikhandel an, übernahm später eine Firma, die Stahlseile konfektioniert, gründete eine „bis heute gut laufende“ Werbeagentur. Dann lockten höhere Gefilde, zunächst beim Hochbau. Er makelte mit Immobilien, managte den Bau einer Neubausiedlung, agierte als Bauplaner und Bauleiter. Schließlich wurde er gar sein eigener Architekt. Sein Geschäftshaus in Hafennähe, in dem drei seiner vier Firmen sitzen, konstruierte er sich de facto am Computer selbst.

Und jene Bauphase führte ihn dann noch ein Stück höher – nun der Sonne entgegen. Denn zu seinen Immobilien gehört ein großes Studenteninternat. Hier störten ihn bald die latent steigenden Betriebskosten. Abhilfe schaffen sollten 65 Sonnenkollektoren auf dem Flachdach. Er suchte eine Firma, die das besorgt. „Doch die wollten mir nur alle eine Anlage für eine Eigenheimhälfte verkaufen“, witzelt er heute.

Wieder kam sein Basteltrieb durch. Er vertiefte sich „einen ganzen Winter lang“ in die Materie, sammelte erneut Studenten um sich, glaubte am Ende zu wissen, woran übliche Solarthermie-Technik krankt. „Die Kollektoren gehen nicht mit der Sonne mit, die Regelungstechnik ist fast vorsintflutlich.“ Nicht zuletzt fand er die Technologien zum Zwischenpuffern des erwärmten Wassers unbefriedigend, mithin den Wirkungsgrad der Kessel zu gering.

Im Frühjahr 2005 reichte er hierzu dann erste Patente ein. Zum einen geht es um Kippkollektoren, die über einen Nachführmechanismus die Bahn der Sonne mitgehen und laut ersten Tests „27 % Mehrertrag bringen“.

Zum anderen entwickelte er einen neuen Schichtenspeicher, in dem durch eine sehr hohe Strömungsgeschwindigkeit das solar erwärmte Wasser „jeweils in die Schicht eingespeist wird, wo es auch wirklich hingehört – also 30 Grad für Fußbodenheizungen, 60 Grad für Wasserleitungen“, erläutert er. Ergänzt um eine neue Steuerung, sieht er nun „gute Chancen, bald europaweit im Markt Fuß zu fassen“. Er denkt an Krankenhäuser, Hotels, Molkereien, größere Wohngebiete. Seine neue Firma Seysol liefert dafür Steuerungen, Software und gleich auch Wirtschaftlichkeitsberechnungen. HARALD LACHMANN

Mit der Wende wechselte er in die Selbstständigkeit

Von Harald Lachmann
Von Harald Lachmann

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