Porträt 02.09.2011, 12:07 Uhr

Der Stoff, aus dem die Karriere ist

Gösta Pretel (39) geht durch die Halle in Wackersdorf und schaut interessiert auf die Werkzeugmacher. Pretel ist seit November 2009 Director des Technical Competence Center der Gerresheimer AG. Er weiß, wie wichtig gute Fachkräfte sind, das betont er immer wieder. Zurzeit arbeiten etwa 135 Ingenieure und Facharbeiter am Standort Wackersdorf unter seiner Ägide. Und es sollen mehr werden.

Da, wo eigentlich einst eine Wiederaufbereitungsanlage für Brennelemente geplant war, am Rande von Wackersdorf, haben sich Firmen angesiedelt. Gösta Pretel kommt jeden Tag aus der Nähe von Regensburg in das Technical Competence Center (TCC) der Gerresheimer AG.

Zurzeit ist Baulärm zu hören, denn neben dem Hauptgebäude entsteht ein weiteres, hier soll der Vertrieb einziehen. Diese auch räumlich geplante enge Verzahnung zwischen Entwicklung, Projektmanagement und Vertrieb begrüßt Pretel, der nach seinem Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen mit den Schwerpunkten Kunststofftechnik und Medizintechnik sowie Promotion am dortigen Institut für Kunststoffverarbeitung seine berufliche Laufbahn bei der Gerresheimer Regensburg GmbH im Bereich Key Account Management startete. Seine Karriere bezeichnet er selbst als eine „Aneinanderreihung glücklicher Umstände“.

Zunächst war er nach der Promotion im Key Account Management verantwortlich für die Bereiche Medizintechnik und Diagnostik. „Ich habe dann festgestellt, dass der vertriebliche Schwerpunkt nicht so meine Sache ist“, räumt Pretel unumwunden ein. Er erhielt nach eineinhalb Jahren die Chance, in die Werksleitung Automobil zu wechseln, später stand der Wechsel der Führung im TCC an, und er erhielt das Angebot, die Leitung zu übernehmen. „Da habe ich nicht wirklich lange überlegt“, sagt Pretel mit einem Schmunzeln.

An der RWTH Aachen konnte Pretel seine Steckenpferde Medizin und Kunststoff verbinden

Was ihn schon immer fasziniert hat, ist die Vielfältigkeit des Werkstoffes Kunststoff, der eigentlich in allen Bereichen des Lebens eingesetzt werde, über die Automobilindustrie bis hin zur Medizintechnik. Aber das ist im Fall Pretel nicht alles. Pretels Vater ist Mediziner mit dem Herzen eines Ingenieurs. Er hat Medizin studiert, aber auch eine Ausbildung als Werkzeugmacher für Kunststoffformbau gemacht. Und Gösta Pretel stand auch am Scheideweg. Was sollte er studieren, Medizin oder Technik? Beides erschien im sehr reizvoll.

Eine Ausbildung im medizinischen Umfeld zum medizinisch-technischen Radiologieassistent, die er begann, brachte Gewissheit. „Ich habe festgestellt, dass Technik mehr mein Interessengebiet ist und habe dann mit dem Maschinenbaustudium angefangen.“ In Aachen konnte er seine Steckenpferde, Kunststoff und Medizin, verbinden.

Pretel, der in Jena geboren wurde und mit seinen Eltern Mitte der 80er-Jahre nach Gummersbach gezogen ist, hätte selbst nicht gedacht, dass er so früh so viel Verantwortung übernehmen würde. Und die Aufgaben wachsen immer weiter. „Wir entwickeln für den Kunden Kunststoffteile oder Medical Devices im weitesten Sinne, aber auch Prozesse zur Herstellung, das können Werkzeugtechnik, Automationstechnik und Spritzgießverfahren sein. Im Grunde genommen werden alle Prozesse, die notwendig sind, hier entwickelt und dann in die Produktion übertragen. Was wir tun, ist ausschließlich kundenspezifisch. Wenn man so will, sind die meisten Dinge Unikate für unsere Kunden.“

Pretel bietet Kunden One-Stop-Shop

Seit einiger Zeit wird ein weiteres Konzept im TCC verfolgt: den Kunden noch früher als bisher in die Entwicklungsaktivitäten einzubinden. Die Kunden sind meist die großen Pharmaunternehmen und die Teams im TCC unterstützen diese vom Design über Handhabungsstudien bis hin zum ersten funktionierenden Konzept. Der Gedanke dahinter war, dass viele Kunden zu Designhäusern gehen. Pretel bietet nun im TCC mit der Gründung der Medical Innovation Group (MIG) einen One-Stop-Shop an.

Selbstverständlich sei man dann auch, wie bereits vorher, an der Industrialisierung interessiert. „Wir versprechen uns davon, die ganzen Kinderkrankheiten, die es durch das Design gibt, direkt mit unserer Industrialisierer-Brille, die wir ja gleichzeitig aufhaben, zu vermeiden.“ So ein Projekt kann von ein paar Monaten bis zu drei Jahre dauern, je nach Entwicklungsstand. Dass die Arbeiten in Wackersdorf strenger Geheimhaltung unterliegen, sei selbstverständlich.

Pretels Berufsalltag ist jeden Tag anders. Alle Projekte die hier durch das TCC laufen, werden durchs Projektmanagement gesteuert und das Projektmanagement greift auf die entsprechenden Fachexperten zu. Es werden Terminpläne aufgestellt, Arbeitspakete und Meilensteine definiert, die dann regelmäßig abgefragt werden. „Ich bin dann bei diesen zumindest essentiellen Terminen dabei, um mich auf dem Stand der Dinge zu halten.“

Zudem muss sich Pretel um die strategische Ausrichtung und Innovationen kümmern, die den deutschen und amerikanischen Standort sichern.

Pretel setzt auf Lean Developement

Allzu große Gedanken muss sich Pretel wohl gar nicht machen, denn die Pharmabranche boomt, immer mehr Menschen sind abhängig von Medical Devices wie Inhalatoren oder besonderen Geräten zur Insulin-Medikation. Zudem sind Homecare-Systeme auf dem Vormarsch. Die Mitarbeiter haben bei Gerresheimer laut Pretel immer die Möglichkeit, im Rahmen von Projekten auch mal das kleine Wackersdorf gegen das amerikanische Pendant des TCC zu tauschen und dort interkulturelles Know-how zu „schnuppern“.

Pretel hat noch mehr vor, er plant, eine Vorserienproduktion zu installieren und setzt auf Lean Development, ein Konzept, das er zusammen mit einem Beratungsunternehmen und, wie er betont, den Mitarbeitern entworfen hat, um effizienter zu entwickeln. Denn eines weiß der Vater eines 17-Monate alten Sohnes: „Ohne ein gutes Team erreicht man nichts.“

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

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