Karriere 18.05.2001, 17:29 Uhr

Der Hut ist keine Karriere-Garantie

Was können Ingenieure tun, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen? Ein Doktortitel macht sich gut auf der Visitenkarte, aber ist er wirklich immer hilfreich? Dann vielleicht doch besser Master of Business Administration (MBA) werden, um für internationale Managementaufgaben gerüstet zu sein.

Mit dem Doktor oder dem MBA beeindrucken sie nicht wirklich jemanden. Bei Siemens kann man sicherlich auch ohne diese Abschlüsse Karriere machen“, erklärt Unternehmenssprecherin Sabine Metzler und verweist auf das umfangreiche interne Weiterbildungsprogramm des Konzerns. Die Frage, wann ein MBA oder eine Promotion Sinn macht, könne nur individuell beantwortet werden. Ähnlich schildert Christine Krepold die Situation bei BMW. „Ob jemand bei BMW Karriere macht, hängt einfach von den erbrachten Leistungen ab. Bewerber, die einen MBA vorweisen können, der auch noch im Ausland erworben wurde, haben aber sicherlich einen Pluspunkt in ihrem Lebenslauf, nicht zuletzt, weil sie wünschenswerte Soft-Skills nachweisen.“ Ebenso kann aber das Thema einer Promotion für BMW interessant sein. In einem solchen Fall werden Doktoranden unterstützt, indem sie bereits einen Arbeitsvertrag erhalten und ihre Projekte durch Mentoren inhaltlich betreut werden. Aussagen, die Kienbaum-Beraterin Susanne Culo etwas relativiert, denn sie hat die Erfahrung gemacht, dass der Doktortitel in Deutschland nach wie vor sehr viel zählt. Und er ist meist höher einzustufen als der MBA, allerdings nicht unbedingt in Positionen, in denen vorwiegend Managementkenntnisse gefragt sind. Beide Titel bringen auch im Prinzip mehr Geld, jedoch nicht bei Bewerbern, die über keinerlei Berufserfahrung verfügen. Wenn aber jemand promoviert hat und bereits einige Stufen auf der Karriereleiter erklimmen konnte, dann erweitern sich die Karrierechancen. „Viele Unternehmen sehen es gerne, wenn ihre Führungskräfte einen Doktortitel oder den MBA haben, darüber wird aber natürlich nicht offen kommuniziert“, berichtet Culo.
Wer als Ingenieur promoviert, erweitert anerkanntermaßen seine technisch-wissenschaftliche Kompetenz, bindet sich aber für längere Zeit an ein sehr spezielles Thema und ist automatisch – auch als Externer – wieder in den Wissenschaftsbetrieb eingebunden. „Eine Promotion würde fünf Jahre dauern. In dieser Zeit kann man im Job eine Menge erreichen. Außerdem ist es nicht das, was ich gesucht habe. Finanzwesen, Rechnungswesen: das waren für mich völlig neue Welten“, erläutert Maschinenbau-Ingenieur Christoph Dahlmann, der berufsbegleitend in zwei Jahren an der WHU Koblenz das MBA-Programm absolvierte.
Reinhold Schuster, Ingenieur für Elektrotechnik, hat bereits mehrere Auslandsjobs hinter sich und informierte sich an einer amerikanischen Universität über die dortigen Promotionsvoraussetzungen. Ihm wurde signalisiert, dass anders als in Deutschland der Doktortitel für die Karriere in der Industrie keine großen Vorteile bringt. Die Inhalte und die Internationalität des MBA – den er an der Uni Augsburg erwarb – schienen ihm dann am geeignetsten zu sein, um sich weiterzuqualifizieren, zumal er jetzt für ein amerikanisches Unternehmen arbeitet. „Ich wollte eine fundierte Managementausbildung haben und damit in meinem jetzigen Tätigkeitsbereich überzeugen“, erklärt Schuster.
Trotz der großen Resonanz in den Medien hat sich der MBA in Deutschland längst noch nicht durchgesetzt. Die FIBAA (Foundation of International Business Administration Accreditation), im Auftrag des Akkreditierungsrates zuständig für die Akkreditierung der MBA-Programme in Deutschland, gibt geschätzte 2100 deutsche MBA-Studierende pro Jahr an – weltweit sind es 150 000. Zwei Drittel der deutschen MBA-Absolventen sind Ingenieure oder Geisteswissenschaftler, und meist nutzten sie Teilzeitprogramme ausländischer Anbieter, erläutert FIBAA-Mitarbeiter Detlev Kran.
Birgit Giesen von Staufenbiel Institut unterscheidet drei Programmtypen in ihrem MBA-Ratgeber: Sogenannte Executive-MBA-Programme richten sich an Manager mit mehrjähriger Berufs- und Führungserfahrung. Junior-MBA-Programme werden meist als Vollzeit-Programme angeboten und sind in erster Linie geeignet für Hochschulabsolventen, die zusätzlich den MBA erwerben wollen oder nach einigen Jahren Berufserfahrung eine grundlegende Management-Ausbildung anstreben. Dann gibt es noch Programme, die von Business-Schools speziell auf ein Unternehmen oder mehrere kooperierende Firmen zugeschnitten sind und bei denen die Unternehmen direkt an den Programmkonzepten mitarbeiten.
„In den letzten Jahren sind zwar viele neue Programme entstanden, sie sind aber nicht immer von der besten Qualität“, fasst Birgit Giesen ihre Eindrücke zusammen. Sie rät Ingenieuren – wenn noch keine BWL-Grundlagen vorhanden sind – General-Management-Programme zu absolvieren. Im Vergleich zu einem Aufbaustudium an der Universität sei ein MBA-Studium einfach kompakter und schafft durch den in der Regel integrierten Auslandsaufenthalt auch wichtige zusätzliche Erfahrungen. Nur wer einen grundsätzlichen Karrierewechsel im Sinn hat, sollte ein Vollzeitstudium bevorzugen.
Fazit: Ingenieure in Management und Vertrieb können mit dem Master of Business Administration eine sinnvolle Zusatzqualifikation erwerben im technischen Kernbereich arbeitende Ingenieure belegen auch weiterhin mit einer Promotion ihre besondere theoretische Kompetenz. Beide Titel sind jedoch keine Garantie für einen Karriereschub. M. BURAZEROVIC

Von M. Burazerovic
Von M. Burazerovic

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