Karriere 01.06.2001, 17:29 Uhr

Der Bürgermeister von Smartville

Mit nur 37 Jahren ist Ekhard Kaltenbrunner „Directeur Général“ der Smart-Fabrik im lothringischen Hambach. Der Maschinenbau-Ingenieur macht seit zehn Jahren Karriere im DaimlerChrysler-Konzern.

Morgens um acht kommt Ekhard Kaltenbrunner ins Büro. Auf dem Weg in den dritten Stock des Smart-Werks im elsässischen Hambach grüßen ihn einige Mitarbeiter mit „Bonjour, Monsieur le directeur“. Denn der 37-jährige Kaltenbrunner hat das geschafft, wovon viele Ingenieure in seinem Alter träumen: Er ist Leiter von Smartville geworden.
„Als der Vorsitzende der Smart-Geschäftsführung, Andreas Renschler, mich informierte, habe ich mich brutal gefreut“, erinnert sich der Maschinenbau-Ingenieur. „Schließlich fehlen mir die Vaterattribute und graue Haare habe ich auch nicht“. Trotz der Verantwortung für den Standort mit 1900 Mitarbeitern, der in den vergangenen Jahren einige Male wackelte, ist Kaltenbrunner dankbar für das Vertrauen.
„In den vergangenen drei Monaten bin ich 25 000 km gefahren“, seufzt er. Denn der Smart läuft. In der Anfangszeit hat er sogar Französisch im Auto gepaukt. „Denn als ich kam, konnte ich nur ´café au lait´ sagen. Vieles habe ich durch Anwendung gelernt, einiges durch die Kurse des Konzerns“, resümiert der gebürtige Pforzheimer.
Ein bis zwei Mal wöchentlich hat er Termine mit Mitarbeitern aus der gesamten Hierarchie. Mal geht es um den ärztlichen Dienst, mal sind es logistische Sorgen. Smartville ist ein Sonderfall, weil zwölf Partner gemeinsam mit MCC den Smart produzieren. Lager fehlen völlig auf dem Gelände, auf dem dieses Jahr 110 000 Smart gebaut werden. Kaltenbrunner diskutiert mit den sogenannten Systempartnern häufig in der Werkskantine weiter. Mehr als eine halbe Stunde bleibt ihm zum Essen kaum Zeit. Aber allein die empfindet er schon als „geistige Ruhephase“.
Für Kaltenbrunner bedeutet der Alltag in Hambach eine enorme Umstellung. Denn die Atmosphäre in Sindelfingen, wo er seine ersten Karriereschritte unternahm, war ganz anders: „Dort arbeiten 28 000 Leute. Hier ist alles familiärer, weniger hierarchisch. Aber es fallen auch mehr Themen für eine Person an.“
Für den neuen Posten erwies sich das Maschinenbau-Studium als ideal, „weil ich dort gelernt habe, strukturiert zu denken und Szenarien abzuwägen.“ Das Studium selbst findet Kaltenbrunner nicht so wichtig wie „ein Gespür für die Gesamtoptimierung der unterschiedlichen Interessen, vor allem die der Lieferanten.“ Allerdings müsse er auch die nötige Härte rüber bringen. Dabei kann der nette Kaltenbrunner ganz schön trocken werden.
Arbeiten im Ausland macht dem Deutschen Spaß. Schon als Kind lebte er in Italien und Argentinien, weil der Vater beim Chemieriesen Bayer arbeitete. Im Studium sammelte er während eines Praktikums bei Mercedes-Benz in Spanien wichtige Erfahrungen. Der Weg in die Führungsetage einer Autofabrik war nicht immer sein Wunschtraum. „Ich wollte Roboter konstruieren, hatte auch überlegt, zu promovieren und ein Aufbaustudium als Wirtschaftsingenieur hätte mich gereizt. Nach dem Abi habe ich mit Medizin geliebäugelt.“ Doch es kam anders. Er schickte seine Unterlagen nach Stuttgart und gab seine Fachrichtung an. Fünf Jahre später ist er für die Produktionssteuerung bei MCC verantwortlich.
Aufgrund des beim Smart extremen Outsourcing sei die Logistik besonders wichtig. Heute liegen seine Sorgen eher bei der Vielfalt: „Wir haben alleine 500 unterschiedliche Türvarianten.“ Dazu läuft das Auto so gut, dass die Fabrik an ihre Kapazitätsgrenze gerät. „Wir diskutieren neue Zeitmodelle, bei denen neun Tage gearbeitet wird und der zehnte frei ist.“ Der Umgang mit ergrauten Herren ist für Kaltenbrunner kein Autoritätsproblem. „Ich respektiere ihre Berufserfahrung. Als Junger kann ich dagegen quer denken. Das zusammen läuft meist sehr gut.“
Viel Zeit für das Privatleben bleibt dem Ingenieur nicht. Wenn er gegen 19.30 Uhr in seine Wohnung im französischen Sarreguemines fährt, entspannt er sich mit Joggen, Schwimmen oder er trinkt mit seiner Frau ein Glas Wein. Im Winter locken die Ski, im Sommer Surfen im Mittelmeer. Den Standort an der Grenze findet er mindestens so vorteilhaft wie Paris: „Dort stehen alle schon morgens eine Stunde im Stau und nutzen das kulturelle Angebot kaum. Hier bin ich in einer Stunde in Straßburg, Saarbrücken oder Metz. Nur modernes Theater fehlt mir manchmal.“ Ansonsten profitiere er von den Vorteilen beider Länder. „Ohnehin glaube ich, dass Firmenkultur und Persönlichkeit viel prägender sind als Nationalkultur“, meint der Deutsche mit Blick auf die tägliche Arbeit.
Kaltenbrunner gibt sich nicht minder weltläufig. Nach Spanien würde er wieder gehen. Aber auch Südafrika oder Südamerika findet der Mann mit dem schwäbischen Akzent reizvoll. Genaue Vorstellungen über seine Karriere hat er nicht. „Hauptsache, die Themen sind vielfältig und komplex.“
Kaltenbrunner hat den Einstieg in einen Konzern nicht bereut. „Große Unternehmen bieten die Chance, viele Aufgaben innerhalb einer Organisation wahrzunehmen. Ein kleines Unternehmen kann das weit weniger.“ Deshalb bleibt der Maschinenbau-Ingenieur DaimlerChrysler auch treu. CORDELIA CHATON

Ekhard Kaltenbrunner

In zehn Jahren zum Werksleiter

Ekhard Kaltenbrunner fing nach seinem Maschinenbau-Studium 1990 an der RWTH Aachen als Nachwuchskraft bei der Mercedes-Benz AG an. Im Anschluss an das Traineeship arbeitete der gebürtige Pforzheimer zunächst in der Fahrzeugherstellung von Mercedes-Benz in Sindelfingen. 1995 übernahm der begeisterte Sportler die Leitung der Produktionssteuerung beim Smart-Hersteller MCC, der je einen Sitz im deutschen Renningen und im französischen Hambach hat. Drei Jahre später war er für die gesamte Logistik des Stadtflitzers verantwortlich. Seit März 2001 ist der 37-Jährige Direktor des Hambacher Werkes.

Von Cordelia Chaton

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München-Firmenlogo
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München Underwriter for Engineering CAR/EAR (Contractors/Erection – All Risks) (m/f/d)* München
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
Landesamt für Bauen und Verkehr-Firmenlogo
Landesamt für Bauen und Verkehr Bauingenieur*in / Architekt*in im Bautechnischen Prüfamt Cottbus (Homeoffice möglich)
Deutsche Sporthochschule Köln-Firmenlogo
Deutsche Sporthochschule Köln Technischer Sachbearbeiter / Technische Sachbearbeiterin (w/m/d) (2105-nwMA-D4) Köln
Stadt Ahlen-Firmenlogo
Stadt Ahlen Stadtbaurat*rätin / Technische*r Beigeordnete*r Ahlen
Technische Universität Darmstadt-Firmenlogo
Technische Universität Darmstadt Bibliotheksreferendar_in (w/m/d) Darmstadt
Stadt Ratingen-Firmenlogo
Stadt Ratingen Bautechnikerin / Bautechniker (m/w/d) der Fachrichtung Straßenbau Ratingen
Regierungspräsidium Tübingen-Firmenlogo
Regierungspräsidium Tübingen Diplom-Ingenieur/-in (FH) oder Bachelor (w/m/d) Tübingen

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Arbeitsmar…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.