Karriere 15.10.1999, 17:23 Uhr

Den Job als angenehmes Hobby begreifen

Ein erfolgreiches Unternehmen braucht zufriedene Mitarbeiter. Bill Gates und andere machen vor, wie Beschäftigte gerne mehr Einsatz im Job bringen. Motivationsinstrumente helfen, die Arbeit attraktiver zu machen.

Eine Redewendung am Hauptsitz des amerikanischen Software-Riesen Microsoft lautet: „Was du noch bis Mitternacht erledigen kannst, verschiebe nicht auf morgen“. Viele Mitarbeiter bleiben zwölf Stunden im Büro, von morgens acht bis spät nach 20 Uhr. „Die Motivation ist dort allgemein sehr hoch“, sagt Karlheinz Schwuchow, Professor für internationales Management an der Universität Bremen. „Der Geist von Bill Gates beflügelt die Mitarbeiter, und Aktienoptionen geben Anreize, sich immer wieder anzustrengen.“
Unternehmen wie Microsoft sind erfolgreich, weil sie es schaffen, ihre Mitarbeiter zu motivieren und deren Energien zu bündeln. Materielle Faktoren spielen bei der Motivation eine wichtige Rolle, wie Schwuchow feststellt: „Immer mehr Unternehmen auch in Deutschland arbeiten mit variabler Vergütung“. Wenn die Ergebnisse gut waren, sollen das auch die Mitarbeiter an der Lohntüte spüren. Wie der Unternehmer, sollen auch die Angestellten belohnt werden, wenn sie Außergewöhnliches geleistet haben. Der Motivationstrainer und Hotelier Klaus Kobjoll, Nürnberg, fasst das in seinen Seminaren mit einer einfachen Weisheit zusammen: „Wer seine Mitarbeiter mit Erdnüssen bezahlt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er von Schimpansen umgeben ist“.
Der Unternehmer Kobjoll wird von vielen Managern und Unternehmensinhabern als Motivationspapst gefeiert. In seinem Hotel hatte Kobjoll angefangen, Motivationsinstrumente einzusetzen, die sonst nur in der Großindustrie bekannt sind: Wer viel leistet, verdient auch gutes Geld. Umsatzzahlen werden unter den Mitarbeitern bekannt gemacht, damit jeder weiß, wie viel noch bis zum außergewöhnlichen Ergebnis fehlt. Wenn die Leistung stimmt, bekommen seine Führungskräfte einen Dienstwagen gestellt – Kobjolls Koch kam schon mit einem von der Firma bezahlten Porsche zur Arbeit, ein Manager ließ sich von ihm ein BMW Cabrio zur Verfügung stellen.
Was wollen Unternehmen über Motivationsinstrumente erreichen? Oberstes Ziel ist es, dem Dienst nach Vorschrift den Garaus zu machen. Mitarbeiter sollen sich über das eigentlich erwartete Maß hinaus engagieren und eine hobbyhafte oder sogar unternehmerische Arbeitseinstellung an den Tag legen.
Die Chefs haben es in der Hand, wie motiviert ihre Mitarbeiter sind. Sie haben somit auch Einfluss darauf, wie zufrieden die Beschäftigten sind – und das ist entscheidend, wenn es darum geht, noch eine Extrameile zu gehen, sprich Überstunden zu machen oder Sonderprojekte am Rande der alltäglichen Arbeit zu erledigen.
Um die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter zu steigern, kann der Unternehmer verschiedene Wege gehen. Nach außen sichtbare Anerkennung oder das Übertragen von mehr Verantwortung kann zum Beispiel ein Mittel sein, um die Beschäftigten zu mehr Einsatz für ein gemeinsames Ziel zu bewegen (siehe Kasten).
Wie die Motivationsinstrumente wirken können, zeigen Erfolgsbeispiele von Unternehmen, die sie nutzen: Wichtige Wirkungen sind erhöhte Leistungsbereitschaft, geringere Ausfallzeiten durch Krankheit, niedrigere Fluktuation und ein gutes menschliches Klima, also eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
So kümmert sich beispielsweise das Montagetechnik-Unternehmen Adolf Würth KG, Künzelsau, in besonderer Weise um seine Außendienstler. Für die leistungsstärksten 20 % dieser Gruppe richtete die Würth KG den sogenannten Erfolgsclub ein. Jeder, der die Leistungsvorgaben erreicht, erhält eine Eintrittsprämie und kann zusammen mit dem Ehepartner einmal pro Jahr an einer hochklassigen und exklusiven Reise teilnehmen. Dieses Privileg geht jedoch wieder verloren, wenn die geforderten Leistungen nicht mehr erreicht werden.
Die Firma Impex Electronic, Koblenz, lobt den Lehrling des Monats aus. So werden unter den Auszubildenden besondere Leistungen hervorgehoben; der monatlich prämierte Kandidat darf vier Wochen lang frei über einen kleinen Jeep verfügen, der von der Firma bezahlt wird. Mit dieser Idee ist der Großhändler für Werbeartikel bereits mehrfach in der lokalen Presse vorgestellt und gelobt worden.
Einen Ausgleich für die zahlreichen Überstunden und Wochenendarbeiten bietet die Hamburger Werbeagentur Springer und Jacoby. Sie verfügt über mehrere Ferienhäuser, die die Mitarbeiter frei benutzen dürfen. Dieses Privileg ist allen Mitarbeitern ohne Unterschied zugänglich, ob Grafiker, Trainee oder Führungskräfte.
Für ein motivierendes Arbeitsklima mit den gewünschten Effekten auf Produktivität und Leistungsbereitschaft reicht es allerdings nicht aus, einfach zu beschließen „Wir machen jetzt mehr Motivation“. Wahllos eingesetzte Maßnahmen mögen zwar auf den ersten Blick schnelle Erfolge und gut gelaunte Mitarbeiter versprechen. Bei diesen kleinen Erfolgen würde es sich aber bestenfalls um Strohfeuer handeln, deren Wirkungen genauso schnell wieder vergessen sind.
Motivationsmaßnahmen sind nur dann sinnvoll, wenn sie in ein menschen- und leistungsfreundliches Umfeld gebettet sind. Entscheidend für dieses Umfeld ist das Verhalten der Person an der Spitze des Unternehmens. Der Chef an der Spitze ist oberster Kulturgeber. Mit den Motivationsinstrumenten kann der Funke von ihm auch auf seine Belegschaft überspringen.
AXEL GLOGER
Falsche Versprechungen sind sicherlich der falsche Weg, um die Mitarbeiter auch über einen langen Zeitraum zu einem gemeinsamen Ziel und erhöhtem Arbeitseinsatz zu bewegen. Besser ist der sanfte und ehrliche Weg.

Von Axel Gloger
Von Axel Gloger

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