Karriere 19.08.2005, 18:39 Uhr

Das Netzwerk für starke Frauen  

VDI nachrichten, Bergheim, 19. 8. 05 – Mangel macht innovativ. Femtec ist ein für leistungsstarke Studentinnen konzipiertes Kooperationsnetzwerk zwischen Unternehmen und Technischen Hochschulen. Es hat den Kampf gegen den drohenden Fach- und Führungskräftemangel in der deutschen Wirtschaft aufgenommen.

Frauen sind in der Regel besonders hoch motiviert, analytisch sehr kompetent und bringen Aspekte in die Diskussion, die von Männern häufig nicht erkannt werden.“ Arn Katrin Meist leidet nicht an Minderwertigkeitsgefühlen. Die 27-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieurin hat gelernt, sich in einer Männerdomäne zu behaupten.

Als eine von acht Frauen unter 120 Studenten begann sie an der TU Darmstadt Wirtschaftsingenieurwesen mit der technischen Fachrichtung Maschinenbau zu studieren. Im vergangenen Jahr schloss sie ihr Studium ab. Nun absolviert sie einen Auslandseinsatz im Werk der DaimlerChrysler-Tochter Evobus im tschechischen Holýsov. Der Aufenthalt ist Teil des gut einjährigen internationalen Traineeprogramms des Automobilkonzerns für Hochschulabsolventen und Young Professionals. Einfach, sagt Arn Katrin Meist rückblickend, sei es nicht immer gewesen, sich als Frau in einer Männer dominierten Technikwelt durchzusetzen.

Unterstützung fand sie bei der Femtec GmbH, die 2001 von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin (EAF) und der TU Berlin in Kooperation mit international tätigen Firmen gegründet wurde. Ziel ist es, junge Frauen für Natur- und Technikwissenschaften zu gewinnen, Unternehmen frühzeitig in Kontakt zu Studentinnen mit hohem Leistungs- und Führungspotenzial zu bringen und neue Formen der Ausbildungskooperation an der Schnittstelle zwischen Studium und Beruf zu entwickeln.

Vor zwei Jahren wurde das Femtec-Network ins Leben gerufen, ein Kooperationsnetzwerk zwischen Unternehmen und führenden technischen Universitäten. Es bietet erstmals universitätsübergreifend eine Reihe von Careerbuilding-Programmen für leistungsstarke Studentinnen der Ingenieur- und Naturwissenschaften an und trägt so aktiv zur Förderung und Vernetzung des weiblichen Führungsnachwuchses an staatlichen Hochschulen in Deutschland bei.

Wie nötig dieser Schritt angesichts der demographischen Entwicklung mit akut drohendem Fach- und Führungskräftemangel ist, fasst Marion Esch zusammen, wissenschaftliche Leiterin von Femtec: „Unter den in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren gibt es gerade einmal 10 % Frauen. Nur 4 % bis 5 % sind es im Maschinen- und Fahrzeugbau, im Führungsbereich sind es noch weniger.“ Die nahe Zukunft wird dieses Missverhältnis nicht nachhaltig verbessern. Im Gegenteil, sagt Esch: „Die Situation in den Ingenieurwissenschaften insgesamt ist gravierend und alarmierend.“ Das männlich dominierte Image dieses Berufs halte viele junge Frauen vom Studium ab.

An einer nachhaltigen Veränderung dieses Bildes ist auch Jürgen Dreidoppel gelegen: „DaimlerChrysler ist in Deutschland seit Ende der 80er Jahre für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie für die Förderung von Frauen aktiv. Seit diesem Jahr gibt es ein Global Diversity Office, das die vielfältigen Aktivitäten in der Frauenförderung weltweit koordiniert und strategisch ausrichtet. Als attraktiver Arbeitgeber wollen wir so Mitarbeiter-innen gewinnen.“ Im Personalressort der DaimlerChrysler AG ist Jürgen Dreidoppel verantwortlich für die Personalpolitik des Konzerns. Als Mitglied des Femtec-Beirates hält er die Kooperationsfäden fest in der Hand.

„Wir haben uns für Frauen mit technischem Background Zielkorridore gesetzt“, erklärt der Personalexperte. „Lag der Anteil der Frauen bei unseren Hochschuleinstellungen im technischen Bereich vor drei Jahren bei 10 %, so bewegen wir uns heute auf die 20 % zu.“ Auch im Bereich der Führungskräfte gibt es erste Veränderungen. Auf der Führungsebene der Teamleiter steuert der Anteil der Frauen auf 10 % zu. Vor rund fünf Jahren lag die Führungsverantwortung zu 5 % bis 6 % in weiblichen Händen.

Eigentlich, meint Bildungsexpertin Marion Esch, mute die Gründung von Femtec vor dem Hintergrund von Chancengleichheit und Gleichstellungspolitik als überflüssig an. Dennoch lehre der Alltag, dass die Vorstellungen der Frauen, wie sie sich am besten als Führungskräfte einbringen könnten, viel zu selten in die Unternehmenspraxis einflössen. Das Careerbuilding-Programm von Femtec setzt hier an. Schwerpunktmäßig in den letzten beiden Studienjahren bietet das Netzwerk ausgezeichneten Studentinnen die Chance, mit Hilfe von Begleitseminaren frühzeitig die richtigen Weichen für den erfolgreichen Berufseinstieg zu stellen. Neben dem Fachstudium lernen sie professionell zu kommunizieren und Projekte zu managen, ihre Karriere gezielt zu planen und unternehmerisch zu handeln. Dazu kommt ein hoch individuelles Coaching mit Tipps zu speziellen Karrierestrategien. Rund 200 Studentinnen haben das Netzwerk genutzt. Nun sind die ersten 22 im Beruf, unter ihnen Arn Katrin Meist.

„Mir hat vor allem geholfen, dass ich nie allein stand“, erinnert sich die Absolventin. „Kurzfristig bekam ich auf jede Frage ein Feedback.“ Bis heute hält die Gruppe der ersten 20 Absolventinnen aus dem Careerbuilding-Programm intensiven Kontakt. Zwar kommen sie aus den unterschiedlichsten Hochschulen, doch eint sie das gemeinsame Interesse, sich durchzusetzen. „Ich weiß ganz genau, dass in vielen Unternehmen ein enormes Potenzial an hoch motivierten, leistungsstarken Frauen existiert, das einfach nicht genutzt wird“, meint Arn Katrin Meist. Und unausgesprochen bleibt, welche unternehmerischen Chancen bis auf wenige Ausnahmen damit weitgehend ungenutzt bleiben. R. MYRITZ

Careerbuilding-Programm – Damit der Start gelingt

Das Femtec-Netzwerk ist eine Kooperation der Femtec mit den Technischen Hochschulen Aachen, Berlin, Darmstadt, Dresden und Stuttgart. Gemeinsam mit Experten verschiedener Lehrstühle hat Femtec ein Careerbuilding-Programm entwickelt, das beim Übergang ins Berufsleben begleitet. Das Careerbuilding-Programm des Netzwerkes richtet sich an Studentinnen der Ingenieur- und Naturwissenschaften im Hauptstudium und ist auf vier Semester angelegt. Ein Programmdurchlauf setzt sich aus drei Summer- bzw. Winterschools und zwei Begleittreffen zusammen. Ferner beinhaltet das Programm standortübergreifende virtuelle Projektzusammenarbeit im Rahmen von Innovationswerkstätten sowie Mentoring und Coaching.

Ein Beitrag von:

  • Reinhard Myritz

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