Beratung 08.09.2000, 17:26 Uhr

Consulting-Branche boomt, doch Zugang bleibt vielen verwehrt

Ihre Bewerbungsunterlagen erwecken kein Interesse.

Die Beratungen werden mit Anfragen überschüttet. Aber von den tausenden Bewerbungen, die sich jährlich auf den Schreibtischen der Personalchefs und ihrer Mitarbeiter stapeln, fällt die überwiegende Mehrheit bereits durchs erste Raster: Die Kandidaten outen sich als unqualifiziert. Das schmerzt, denn die Consulting-Branche boomt und hat akuten Personalnotstand. Eine denkbare Konsequenz wäre, die Einstiegshürden zu senken. Doch dazu ist man – zumindest offiziell – nicht bereit. „Bei der Boston Consulting Group kommen 20 % bis 30 % der Bewerber in die erste Interview-Runde,“ berichtet Andreas Gocke, Recruiting-Director und Projektleiter in München. Nur 2 % bis 3 % erhalten ein Angebot.
Die meisten Bewerber erfüllen schon die formalen Voraussetzungen nicht. „Ein Bauingenieur mit dem Fachgebiet Brückenstatik ist sicher ein hoch intelligenter Mensch,“ erklärt Renate Kelbel. Trotzdem lädt Cap Gemini Ernst & Young den Kandidaten nur dann zu einem Interview ein, wenn er mehr zu bieten hat als analytisches Talent. „Wir bekommen zwischen 5000 und 8000 Anfragen von Absolventen pro Jahr,“ berichtet die Personalreferentin. „Etwa 2000 Bewerber werden eingeladen. 400 bekommen dann ein Vertragsangebot.“ Etwa die Hälfte unterzeichnet. Der Rest geht zur Konkurrenz oder doch zu Siemens und Co.
Bei der ersten Durchsicht der Unterlagen prüft Renate Kelbel, welche Praktika der Anwärter gemacht hat. „Für Ingenieure gilt: Messen-Bohren-Feilen allein reicht nicht, da der Bewerber diese Fähigkeiten bei uns nicht umsetzen kann.“ Als Pluspunkt wertet die Personalreferentin ein Praktikum in der Logistik oder der Verwaltung. Die Information lässt sich verwerten. Bewerber sollten in ihrem Anschreiben Akzente setzen: Also das rein technische Praktikum nur knapp erwähnen und die abseits des Mainstreams erworbenen Erfahrungen betonen.
Den Beratungsunternehmen geht es nicht nur um den Nutzwert der während der Ausbildung erworbenen Kenntnisse. „Der Ingenieur, der Projektplanung gemacht hat, der im Controlling war oder im Marketing, beweist mehr Biss als jemand, der nur auf einer Baustelle Erfahrungen gesammelt hat,“ betont BCG-Recruiting-Director Gocke. „Im Werdegang muss sich ein Erfolgspfad abzeichnen, der erkennen lässt, dass der Bewerber über den Tellerrand geschaut hat.“ Auch diese Botschaft ist eindeutig: Im Anschreiben sollte man nicht nur auf Lernbereitschaft und Zielstrebigkeit verweisen. Die Beratungen schätzen Bewerber, die sich von Otto-Normalstudent deutlich unterscheiden. Wer in einem Gesprächskreis mitgearbeitet hat, eine Funktion in einer Partei oder einer studentischen Organisation hatte oder sich für den Schutz der Umwelt eingesetzt hat, sollte das erwähnen.
Der Ideal-Kandidat des Recruiting-Directors von BCG ist ein „Problemlöser.“ Darunter versteht man in München, dass „jemand besondere Ziele gegen Widerstand durchgesetzt hat.“ Ein Bewerber, der sein Studium durch Jobben selbst finanziert und trotzdem in der Mindestzeit abgeschlossen hat, fällt positiv auf. Auch attraktive Stipendien gelten bei BCG als Plus. „Die Noten sind nicht das alleinige Entscheidungskriterium. Es kann jemand mit 1,2 abgeschlossen haben und trotzdem nicht zu BCG passen.“
Edgar Britschgi, Rekruting-Chef von Andersen Consulting, hat festgestellt, dass die Möglichkeit der Online-Bewerbung die Schwellenangst vieler Bewerber abgebaut hat. „Es fragen auch Interessenten an, die gar nicht studiert haben oder für ein normalerweise sechssemestriges Studium sieben Jahre gebraucht haben.“ Wer aber eine klar strukturierte Karriere im Kopf habe, die über bestimmte Etappen verläuft, der sei bei einem der klassischen Industrie-Unternehmen besser aufgehoben.
Prädikatsexamen, Auslandserfahrung, interessante Praktika – all das reicht nicht, um bei Branchenprimus McKinsey zu landen. „Unser Ideal-Kandidat hat Persönlichkeit,“ erklärt Klaus Behrenbeck, Partner bei McKinsey & Company und zuständig für Recruiting und Events. Hinweise darauf, dass der Bewerber diese Anforderung erfüllt, findet Behrenbeck im Lebenslauf des Kandidaten. „Der Bewerber hat schon etwas geleistet, er gehört auf irgendeinem Gebiet zur Spitze. Der eine gehört der Ruder-Olympia-Mannschaft an, andere haben anerkannte Preise als Musiker gewonnen.“
Wissen allein ist für McKinsey nicht ausschlaggebend. „Es ist natürlich gut, wenn ein Ingenieur bereits BWL-Kentnisse mitbringt,“ meint Behrenbeck, „aber das ist keine Bedingung.“ Wenn er das Know-how noch nicht hat, schickt die Unternehmensberatung ihn auf einen vierwöchigen Kurs in die USA oder nach Skandinavien. „Wir lesen es gern, wenn ein Bewerber Auslandsaufenthalte vorweisen kann – aber das ist keine Voraussetzung für die Einstellung.“ Auch Praktika während des Ingenieur-Studiums sind nicht unabdingbar. „Es gibt keine starre Schablone, in die ein Bewerber bei uns passen muss,“ erklärt Behrenbeck. BRIGITTE THURN

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  • Brigitte Thurn

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