IT-Management 07.09.2012, 11:00 Uhr

BYOD: Mitarbeiter nutzen eigenen Laptop

Bislang war es ja eher so: Der Arbeitgeber stellt Laptop oder PC zur Verfügung, vielleicht auch noch ein Smartphone oder ähnliche Dinge. Allerdings gibt es einen neuen Trend, der den IT-Abteilungen den Schweiß auf die Stirn treibt: Bring your own device (BYOD). Mitarbeiter bringen einfach ihre eigenen Geräte mit.

Bisher mussten Angestellte auf Dienstreisen doppelt schleppen – in der einen Tasche den Firmenlaptop, in der anderen das Netbook zum Filmegucken. Doch diese Zeiten sind vorbei – zumindest für Mitarbeiter von Firmen wie Adidas oder EnBW: Denn sie setzen auf BYOD: Das Kürzel steht für „Bring your own Device“ und bedeutet, dass Angestellte eigene Elektronik auch im Job einsetzen dürfen.

Adidas-Mitarbeiter z. B. können seit Herbst letzten Jahres mit ihrem privaten Smartphone oder iPad auf Büromails und -kalender zugreifen.

BYOD ist bei den meisten Unternehmen bereits Alltag

Damit liegt der Sportartikelkonzern im Trend: BYOD ist in. Laut einer Umfrage des IT-Beratungsunternehmens Avanade erlauben schon 63 % aller deutschen Unternehmen ihren Angestellten, persönliche Gerätschaften im Job zu nutzen. Gestartet wurde diese Revolution allerdings von unten: „De facto haben viele Angestellte das schon lange gemacht“, sagt Willi Backhaus, Arbeitsplatzexperte bei Avanade, „jetzt umarmen die Unternehmen die Entwicklung.“

Überzeugt hat die Chefs vor allem, dass BYOD die Belegschaft produktiver macht. Die Erfahrung zeigt nämlich: Lassen sich Büromails zwischendurch auch mit dem Privathandy checken, nutzen viele Angestellte diese Möglichkeit. „Außerdem kann die Geräte-Wahlfreiheit ein Argument in der Rekrutierung sein“, erklärt Avanade-Mann Backhaus. Will sagen: Lockt der Arbeitgeber mit IT-Freiheit, kommen junge Talente eher an Bord. Für sie ist BYOD schon Standard: 75 % aller Hochschulabsolventen erwarten, dass sie sich ihre Arbeitsmittel im Büro selbst aussuchen dürfen, ergab eine Studie des IT-Konzerns Cisco.

BYOD treibt IT-Administratoren den Schweiß auf die Stirn

Schluss mit der IT-Diktatur – das klingt in der Theorie zunächst gut – wäre da nicht die lästige Realität: Viele IT-Leiter schlagen nämlich die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie das Kürzel BYOD hören. Denn die digitale Selbstversorgung bringt enorme Sicherheitsrisiken mit sich. Jeder Mitarbeiter geht mit einem anderen Gerät ins Firmennetz, verwendet ein anderes Betriebssystem, nutzt ein anderes Funknetzwerk. Allein der Gedanke treibt den Computerprofis den Schweiß auf die Stirn. Jahrelang wurde versucht zu standardisieren, die gleichen Rechner und Programme firmenweit einzusetzen – und jetzt soll Anarchie ausbrechen? Gerade aus der Administration kommt deshalb viel Widerstand.

Und aus der Rechtsabteilung, schließlich kann BYOD ein juristisches Minenfeld sein: Was passiert etwa, wenn es auf dem privaten Gerät ein Datenleck gibt und Betriebsgeheimnisse ausgespäht werden? „Unternehmen und Geschäftsführung haben dann ein erhebliches Haftungsrisiko – aber kaum die Mitarbeiter“, beruhigt Georg Meyer-Spasche von der Kanzlei Osborne Clarke, Köln. Die Einschätzung des Rechtsanwalts: Solange der Angestellte nicht grob fahrlässig handelt oder den Datenverlust billigend in Kauf nimmt, kann er rechtlich kaum belangt werden.

Firmen brauchen Regeln zum Schutz vor Datenlecks

Die Firmen werden also Regeln aufstellen müssen, um sich zu schützen. Jurist Meyer-Spasche erwartet, dass sich dieses Modell verbreitet: Die Firma lässt nur bestimmte Geräte zu und verpflichtet Mitarbeiter, mit einer sogenannten Sandbox-App ins Firmennetz zu gehen. Die wiederum wird von der betriebseigenen IT-Abteilung aus der Ferne gewartet. Gibt es ein Sicherheitsproblem oder der Angestellte verlässt das Unternehmen, können App und berufliche Daten ebenfalls ferngelöscht werden.

Im Juristendeutsch heißt das, Smartphone oder Tablet sind in der „Obhut des Arbeitgebers“. Genau das jedoch stellt einen Eingriff ins Privateigentum dar, der zustimmungspflichtig ist. „Auch der Betriebsrat muss einbezogen werden, wegen der Überwachungsmöglichkeiten“, betont Meyer-Spasche. Ganz billig wird BYOD für die Firmen – anders als oft behauptet – übrigens nicht. Die Verwaltung der privaten Devices kostet Geld, hinzu kommt, dass weiterhin Dienstgeräte angeschafft werden müssen. Eine SIM-Karte wird der Arbeitgeber wohl den IT-Selbstversorgern ebenfalls bezahlen müssen. „Ansonsten würden die Angestellten jedes Dienstgespräch bei der Reisekostenstelle einreichen – was teuren Verwaltungsaufwand bedeutet“, erwartet Anwalt Meyer-Spasche.

BOYD-Trend lässt sich nicht aufhalten

Trotz aller Hindernisse gehen Experten davon aus, dass sich der Mitbring-Trend nicht aufhalten lässt. „Gerade junge Mitarbeiter sehen nicht ein, mit dem Kram vom letzten Jahr zu arbeiten“, meint Bruce Schneier, der amerikanische IT-Sicherheitsguru. Seine Einschätzung: Die Jungen werden entweder versuchen, die Sicherheitsregeln zu umgehen – oder sich einen Job bei einer hipperen Firma suchen. Und wenn dann noch der CEO mit seinem neuen iPad ins Firmennetz will, wird er es den Sicherheitsverantwortlichen noch schwerer machen, nein zu sagen. „Am Ende wursteln wir uns durch – wie üblich“, lacht Schneier. IT-Security sei eben immer eine Abwägungssache: Unternehmen müssten ein bisschen Sicherheit aufgeben, damit die Angestellten bequemer und flexibler arbeiten können.

Ein Beitrag von:

  • Constantin Gillies

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