Energie der Zukunft 01.02.2013, 11:51 Uhr

Brunnenbauer gesucht – Geothermie wächst und schafft neue Arbeitsplätze

Die erneuerbaren Energien gelten als Jobmotor. Unterschätzt wird die Geothermie. Wer tief bohren will, braucht nämlich nicht nur technisches Know-how, sondern auch Spezialequipment und Leute, die damit umgehen können. Bis jetzt liefert Erdwärme gerade mal 3 % von Deutschlands Wärmeverbrauch. Das soll sich bald ändern. Die Wachstumsbranche bietet für Ingenieure neue Tätigkeitsfelder.

Geothermie: Die Förderung von Erdwärme gewinnt langsam an Fahrt. Mittelständische Unternehmen sind auf der Suche nach qualifiziertem Personal, vor allem Ingenieure werden gebraucht.

Geothermie: Die Förderung von Erdwärme gewinnt langsam an Fahrt. Mittelständische Unternehmen sind auf der Suche nach qualifiziertem Personal, vor allem Ingenieure werden gebraucht.

Foto: SWM

Die Geothermie bringt Energie in unsere Häuser, indem sie die Wärme des Erdinneren nutzt. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen bodennaher Geothermie für Einzelhaushalte mithilfe einer Wärmepumpe und der Tiefengeothermie, die bis zu 7000 m tief ins Erdinnere dringt. Pro 100 m Tiefe steigt die Temperatur um 3 °C. Emissionsfrei und ohne Lärm kann so fast unbegrenzt gespeicherte Wärme für den Heizbedarf gefördert oder mit heißem Wasser Strom erzeugt werden.

Beschäftigungszahlen in der Geothermie wachsen

Die Zahl der Beschäftigten in der Geothermie wurde von Branchenverbänden 2007 mit 12 000 beziffert. In den vergangenen Jahren sollen die Beschäftigungszahlen weiter gewachsen sein, aktuellere Erhebungen gibt es aber nicht.

„Alle unsere 43 Mitgliedsunternehmen sind in den vergangenen Jahren gewachsen und suchen regelmäßig Personal“, sagt Sabine Ewald, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Wirtschaftsforum Geothermie (WFG).

Die Mehrheit der in Deutschland in der Geothermie tätigen Unternehmen sind kleine und mittelständische Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Der Fachkräftemangel ist hier deutlich spürbar. Besonders bei der Herstellung von Wärmepumpen, bei Bohrgeräteherstellern und Bohrfirmen, in Handwerksbetrieben und Planungsbüros ist gut ausgebildetes Personal gesucht.

Etwa jeder sechste Mitarbeiter ist Ingenieur

Quereinsteiger mit einer soliden technischen oder ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung haben derzeit beste Chancen im Bereich Erdwärme. Die meisten Unternehmen bilden ihre Leute außerdem selbst aus und weiter. „Ich selbst arbeite beispielsweise mit Umwelttechnikern und Maschinenbau-Ingenieuren zusammen. In der Branche gilt Learning by Doing“, sagt Geoökologin Ewald. Weil die Unternehmen sehr klein seien, sind Ingenieure in allen Bereichen von der Planung über die Kundenberatung bis zur technischen Umsetzung tätig.

Weil es nur wenige Spezialisten gibt, die mit teurem Bohrgerät umgehen können, durchlaufen Neueinsteiger vor allem im technischen Bereich umfangreiche Einarbeitungszeiten. „Etwa jeder sechste Mitarbeiter in unserer Branche ist Ingenieur“, sagt Waldemar Müller-Ruhe, Präsident des Branchenverbands GtV.

Neben Geologen und Juristen sind Ingenieure aus den Bereichen Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik oder Umwelttechnik sehr gefragt. „Beschäftigt sind bei unseren Mitgliedsfirmen vom Tiefbohringenieur über Verfahrenstechniker, Umweltingenieure, Bauingenieure auch Werkstoffingenieure, Maschinenbauer sowie Elektroingenieure, Elektronikingenieure, Hydrauliker und Entsorgungstechniker“, zählt Müller-Ruhe auf. Im Bundesverband Geothermie sind rund 900 Mitglieder organisiert, wovon 60 Unternehmen sind.

Auch Hochschulen mit neuen Angeboten zu Geothermie

Auch einige Hochschulen haben sich auf den steigenden Bedarf eingestellt und bieten Spezialisierungsrichtungen an, in denen Geothermie behandelt wird. Rund zehn Bachelor- und Masterstudiengänge sind derzeit gelistet. Beispielsweise kann man sich an der Hochschule Ulm in Kooperation mit der Hochschule Biberach zum Bachelor of Engineering im Studiengang Energiesysteme oder Energiesystemtechnik ausbilden lassen.

Das Karlsruher Institut für Technologie bietet einen Master of Science in Energietechnik. Stets ist die Geothermie Teil eines Studiums, das sich generell den Erneuerbaren Energien oder den Geowissenschaften widmet. Heiß umworben sind Spezialisten, die sich mit Brunnenbau auskennen. Nur eine Hand voll Experten haben Wissen zu diesem Thema, das bisher in der Entwicklungshilfe oder beim Fördern von fossilen Brennstoffen eingesetzt wurde. In Kohlebergwerken oder Ölförderanlagen können sich die hoch spezialisierten Leute bestbezahlte Jobs aussuchen.

Kreative Personalsuche

Die rund 500 Firmen, die im Bereich Geothermie tätig sind, suchen Personal mit großer Anstrengung und viel Kreativität. Etablierte Rekrutierungswege wie Stellenanzeigen und Arbeitsamt kommen kaum zum Einsatz. Dagegen suchen die kleinen und mittelständischen Unternehmen den Kontakt zu Hochschulen und Ausbildungsbetrieben. Weiterhin spielen in der noch übersichtlichen Branche Netzwerke und persönlicher Kontakt eine sehr große Rolle, um gutes Personal abzugreifen.

Um einen Vergleich zur Solarbranche zu ziehen, die zugegebenermaßen völlig andere Strukturen aufweist: Von 2004 bis 2008 gab es den großen Boom, in dem Firmen ihre Umsätze verdoppelten und mehr Aufträge hatten als sie stemmen konnten. Zu dieser Zeit galt Sonnenstrom als Möglichkeit, sich eine goldene Nase zu verdienen. Nach der Wirtschaftskrise und dem anschließenden Preisverfall bereinigt sich der Markt zusehends. Seit dem Aktienhöchststand von 2007 haben die großen börsennotierten Solarkonzerne mehr als 20 Mrd. € verloren, gab das Handelsblatt bekannt. „Die Jobs in der Geothermie sind sicher. Denn deutsche Experten setzen weltweite Standards hinsichtlich Umweltschutz und Emissionsausstoß“, sagt Müller-Ruhe. Das Know-how deutscher Ingenieure sei durchaus exportfähig. Seit 30 Jahren hätten keine Bohrspezialisten auf der Straße gestanden. Wohl, weil es den fünf Bohrfirmen in Deutschland egal ist, ob sie horizontal für Tunnel, nach Öl, oder Erdwärme bohren.

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