Karriere 31.08.2007, 19:29 Uhr

Bis der Schuh nicht mehr drückt  

VDI nachrichten, Ellwangen, 31. 8. 07, cha – Sport und Technik verbindet der gleichnamige Studiengang an der Universität Magdeburg. Etwa 30 Sportingenieure verlassen jährlich die Hochschule. Die meisten finden leicht einen Job, so wie Maik Dänhardt, der bei Puma Schritt für Schritt am optimalen Laufschuh arbeitet.

Richtiges Laufen ist eine Wissenschaft für sich. Dasselbe gilt für das Sportgerät selbst, den Schuh. Im Idealfall spürt man ihn nicht, weil er kaum etwas wiegt. Trotzdem soll er Kniegelenke und Achillessehnen durch die dämpfende Wirkung der Sohle vor Überlastungen schützen. Gut aussehen muss das Sportutensil allemal und passen sowieso. Die Entwicklung eines Laufschuhs ist ein iterativer Prozess und hat nur wenig mit den Grundsätzen eines Engineering zu tun, bei dem Prozesse und Arbeitsweisen das Vorgehen bestimmen. „Bei uns spielen Gefühle eine wichtige Rolle“, sagt Maik Dänhardt.

Deshalb werden Sportschuhe im Entwicklungsprozess an Menschen und Maschinen und von den Entwicklern selbst getestet. Denn trotz der neuesten und teuersten Materialien: „Der Sportler muss sich in dem Schuh vor allem wohlfühlen“, sagt der diplomierte Sportingenieur, der in der Entwicklung von Schuhen bei Puma im fränkischen Herzogenaurach arbeitet.

Maik Dänhardt ist über die Bundeswehr zu seinem Beruf gekommen. „Während des Grundwehrdienstes bin ich viel gelaufen und habe mein Interesse am Ausdauersport entdeckt“, erzählt er. Sein Interesse ging sogar so weit, dass er lernen wollte, wie man richtig Sport macht. Sport für das Lehramt oder mit einem Magisterabschluss zu studieren, war ihm zu einseitig. Durch Zufall entdeckte er das Angebot Sport und Technik der Universität Magdeburg. „Ingenieur zu sein, ist nicht verkehrt, dachte ich mir und habe mich für das Fach eingeschrieben“, blickt er zurück. Das war im Jahr 2000. Während des Studiums absolvierte er ein Praktikum bei Puma und schrieb seine Diplomarbeit im Unternehmen. Dass er dann auch in Herzogenaurach seinen ersten Job annahm, ist naheliegend, trotz anderer Angebote, wie der 25-Jährige ausdrücklich betont.

Dänhardt arbeitet seit März 2006 in der Testabteilung von Schuhen. „Wir sind die Qualitätskontrolle in der Entwicklung, mit dem Ziel, den Produktentwicklungsprozess positiv zu beeinflussen“, beschreibt er die Aufgaben der vierköpfigen Mannschaft. Neuentwicklungen werden als Prototypen hergestellt, an Maschinen z. B. die Stabilität der Ferse getestet, an Sportlern die Passform und an sich selbst die Trittsicherheit, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Die Ergebnisse fasst er zusammen und teilt den Entwicklern seine Erkenntnisse mit. „Das ist ein Kreislauf mit dem Ziel, den Schuh kontinuierlich zu verbessern“, sagt Christian Harig, Vorgesetzter von Dänhardt und Leiter der Testabteilung. An seinem Mitarbeiter schätzt er, dass Dänhardt es in seiner Ausbildung gelernt hat, alle drei Testbereiche abzudecken: die Arbeit mit den Athleten, an den Maschinen und der Biomechanik, also den menschlichen Bewegungen aus physikalischer Sicht, zählt Harig auf.

Der Studiengang Sport und Technik an der Universität Magdeburg ist einzigartig in Deutschland wie auch sein Abschluss zum Diplom-Sportingenieur. Im Wintersemester 1997/1998 wurde er erstmals angeboten, seitdem sind die rund 30 Plätze pro Semester immer belegt. Das Studium ist eine Mischung aus Sport- und Ingenieurwissenschaften. Im Sportteil sind Biomechanik, Bewegungswissenschaften und Leistungsdiagnostik Schwerpunkte, im Ingenieurbereich sind es Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik und Werkstoffkunde. „Unsere Studenten sollten sich für Sport interessieren und eine Beziehung und Verständnis zur Technik haben“, sagt Dr. Jürgen Edelmann-Nusser, Privatdozent im Fachbereich. Wie wichtig die eigene Fitness ist, zeigt, dass eine Zulassung zum Studium an eine bestandene sportpraktische Eignungsprüfung geknüpft ist.

Absolventen des Studiengangs finden Arbeitsplätze bei Sportgeräteherstellern wie Puma, Adidas oder Head, etwa in der Entwicklung von Sportgeräten, in Olympiastützpunkten, wo die Leistungsdiagnostik im Vordergrund steht, in Rehabilitations-Zentren, bei Herstellern von Prothesen oder in Forschung und Lehre. Der erste Absolvent des Studiengangs arbeitet heute als Dozent an der Universität Wien. Nach Angaben von Edelmann-Nusser liegt das Einstiegsgehalt mit 30 000 € bis 40 000 € jährlich etwas niedriger als das von anderen Ingenieuren. Harig von Puma bestätigt das und ist daran, das im Unternehmen zu ändern. Er will seinen Sportingenieur finanziell auf das Niveau der Entwicklungsingenieure heben. Weil Dänhardt das spezielle Arbeitspensum in der Abteilung allein schafft, wird er voraussichtlich der einzige seiner Spezies in der Abteilung bleiben. Für die Studenten aus Magdeburg ist das kein Beinbruch auf der Suche nach einem Einstiegsjob: „Wer sich engagiert, findet einen Job“, meint Edelmann-Nusser. Ob in Deutschland oder außerhalb.

Kai Sikorski hat nach seinem Studium eine Anstellung bei der Prophysics AG in Zürich gefunden. „Es war unerwartet einfach, einen Job zu bekommen“, erzählt der 28-Jährige. Eine Dozentin hat ihn über die offene Stelle informiert und ihn dort empfohlen. „Ich habe mich beworben und wurde prompt eingestellt“, freut sich Sikorski. Prophysics vertreibt Produkte für die Datenaufnahme, Analyse und Visualisierung. Sein Job ist es, die unterschiedlichsten Messgeräte bei Kunden zu installieren. Zurzeit arbeitet er an einem Projekt einer deutschen Universität, die ein biomechanisches Messlabor einrichtet. Der Kunde will die verschiedenen Kräfte berechnen, die beim Gehen entstehen. Von Prophysics kommen Messplatten, die am Boden installiert etwa die verschiedenen Kräfte beim Auftreten messen. Zudem liefert das Unternehmen Kameras, mit denen die Probanden aus unterschiedlichen Richtungen gefilmt werden. Die Ergebnisse der Messplatten sowie der Aufnahmen werden in Computern analysiert. Sikorski installiert die Anlage und weist die Anwender an den Programmen ein.

„Ich brauche ein Überblicks- aber kein spezielles Wissen“, sagt er und „ich muss mein Wissen über den Sport mit meinem ingenieurwissenschaftlichen Know-how verknüpfen“, ergänzt Sikorski. So spielt es in seinem Job keine Rolle, wie Basketball en detail funktioniert. Er muss aber wissen, wie sich diese Sportler bewegen, um beispielsweise die entscheidenden Kräfte beim Absprung zum Korb zu kennen. P. ILG

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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