Beratung 20.10.2006, 19:24 Uhr

Berater in China suchen deutsche Mitarbeiter  

VDI nachrichten, Vancouver, 20. 10. 06, cha – Der Beratermarkt in China boomt. Einer der erfolgreichen Consultants ist Song Xinyu. Er erinnert sich im Gespräch mit den VDI nachrichten an die Anfänge, erklärt die Schwerpunkte der Beratung in China und wirft einen Blick auf die Chancen von deutschen Mitarbeitern in der Volksrepublik.

Song Xinyu: Vor zehn bis zwölf Jahren fing alles an. McKinsey war der Erste, der Managementberatung nach China brachte. Roland Berger gehörte zu den ersten. Ich war damals der erste Chinese bei Berger. Lange Zeit waren nur ausländische Berater in China tätig, zum Beispiel AT Kearney und McKinsey, weil es bis 1998 fast nur ausländische Kunden gab, die zahlen konnten.

Themen der Beratung waren Partnersuche, Marktanalyse, Markteintritt und Joint Venture-Beratung. Alles, was ausländische Kunden so brauchen. Am Anfang hatten wir es unheimlich schwer. Nur mit den ausländischen Kunden, die nach China kamen und von Beratern begleitet werden wollten, haben wir die ersten Jahre überlebt. Der Anteil von chinesischen Kunden war bis 1997 sehr niedrig, höchstens 20 % beim Umsatz. Erst Ende der 90er Jahre kam die Wende. Fast über Nacht entdeckten chinesische Firmen den Wert von Beratern. Der Umsatzanteil von chinesischen Kunden erreichte schnell 50 %. Damit war der Markt geboren.

VDI nachrichten: Sind die Themen der Beratung die gleichen?

Song Xinyu: Nein. Chinesen brauchen Beratung bei der Organisation, beim internen Management, beim Marketing und der Markenstrategie, später auch bei der Strategie. Da jetzt Geld mit Beratung zu verdienen ist, kommen schnell viele chinesische Anbieter dazu. Sie kommen aus drei Quellen: Aus MBA-Schulen, als Spin-offs von ausländischen Beratern oder vermehrt durch eigene Gründungen. Inzwischen gibt es eine Inflation von Beratungsgesellschaften. Allein in Peking soll es 4000 geben. Doch die meisten haben weniger als zehn Mitarbeiter und machen auch andere Geschäfte wie Werbung.

VDI nachrichten: Wie entwickelt sich der Markt für Berater in China?

Song Xinyu: Es gibt keine genauen Zahlen. Aber in den letzten drei bis fünf Jahren lag die jährliche Wachstumsrate bei mindestens 30 %. Die Firmen, die ich gut kenne, sind im Schnitt alle schneller als 50 % pro Jahr gewachsen. Beratung ist für viele Firmen ein Faktor im Wettbewerb geworden. Für manche Kunden ist es ein Statussymbol, McKinsey oder Roland Berger im Haus zu haben. Neben ausländischen Konzernen kommt die Nachfrage auch von Staatsbetrieben.

Der Beruf Berater hat sich herumgesprochen. Die meisten MBA-Absolventen versuchen – wie in Amerika – einen Job bei den führenden Gesellschaften zu finden. Vom Beraterberuf verspricht man sich hier auch eine schnelle Karriere und viel Geld.

VDI nachrichten: Wo liegt der Beratungsbedarf der Chinesen?

Song Xinyu: Der hat sich im Laufe der Zeit geändert. Am Anfang stand meist die Frage nach einer umfassenden Beratung, denn man sah jede Menge Probleme: Strategiefragen, Organisation, operative Dinge. Aber die Chinesen wollten die vielen Probleme nicht modulweise lösen, sondern – ganz typisch – eine umfassende und integrierte Lösung. Da hatten ausländische Berater zunächst viele Probleme, weil sie meist Spezialisten für Strategie, für Organisation oder für Logistik sind. Langsam haben chinesische Firmen dann gelernt, dass die Berater auch nur mit Wasser kochen und nicht alle ihre Probleme lösen können.

VDI nachrichten: Welche Firmen brauchen Managementberater, aus welchen Branchen kommt die größte Nachfrage?

Song Xinyu: Wo Wettbewerb stark ist, wurde Beratung zuerst eingeführt. Das war in China zuerst im Konsumgüterbereich. In diesem Sektor haben fast alle führenden Unternehmen Beratung in Anspruch genommen. Auch in der Autoindustrie sind viele Berater tätig. Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs holt man sich Berater, um den Markt zu analysieren, Trends zu erforschen, Markenpolitik zu revidieren oder neue Möglichkeiten im Einkauf zu prüfen. In diesem Sektor haben führende Berater wie Roland Berger, McKinsey und BCG Kunden wie VW, General Motors, Audi, Daimler und chinesische Hersteller unter sich aufgeteilt.

Auch der Handel hat relativ früh die Berater entdeckt. Aufgrund der explosionsartigen Expansion müssen die großen Ketten wie Hualian oder Wangfujing Know-how von Beratern kaufen, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Die Telekom ist ein weiterer Sektor, wo sich viele Berater tummeln. Telekomgesellschaften sind groß und haben viel Geld. Und nach der Aufspaltung der Gesellschaften durch die Regierung vor vier Jahren ist der Wettbewerb intensiv geworden.

VDI nachrichten: Werden in der Beratungsindustrie in China auch Ingenieure und Techniker gesucht ?

Song Xinyu: Ja, klar. Ich bin sogar der Meinung, dass Ingenieure und Techniker oft bessere Berater sind als MBA-Studenten. Die kennen zwar viele Fallstudien, aber sie haben nie richtig gelernt, logisch zu denken. Ich verdanke meinen eigenen kleinen Erfolg mehr meinem Mathematik-Studium als meiner BWL-Ausbildung. Ingenieure und Techniker sind oft bessere Berater, weil sie zu Ende denken können und Prinzipien kennen, die in der Natur wie im Management gleich sind. Sie sind in der Praxis auch oft die besseren Manager. Ein interessanter Vergleich ist in China, dass die eher technisch orientierten Absolventen der Qinghua-Universität aus meiner Sicht erfolgreichere Manager sind als die von der Peking-Universität, und zwar sowohl in der Bürokratie als auch in der Industrie. Das bedeutet nicht, dass die andern nicht erfolgreich sind, aber deren Erfolg sind auf einem anderen Feld.

VDI nachrichten: Suchen chinesische Berater auch deutsche Arbeitnehmer?

Song Xinyu: Ja. Deutsche Mitarbeiter wie deutsche Produkte haben in China noch einen sehr guten Ruf. Aber ich habe den Eindruck, dass die, die nach China kommen, meist einseitig qualifiziert sind. Entweder mit Sprachkenntnissen oder mit Arbeitserfahrung. Auch wenn in China viele Leute englisch sprechen, für die Arbeit mit chinesischen Kunden als Berater ist die chinesische Sprache von größtem Nutzen. Beratung ist eine sehr sensible Sache, und Kommunikation über Dolmetscher verzerrt meistens.

MARKUS GÄRTNER

Von Markus Gärtner
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