Trotz Umsatzrückgang 21.09.2012, 11:52 Uhr

Automobilbranche sucht Ingenieure

Automobilhersteller sind die beliebtesten Arbeitgeber angehender Ingenieure. Doch die Zulieferer holen auf. Insgesamt hatte die Automobilbranche 2011 ein gutes Jahr hingelegt

Junge Ingenieure sind von der Automobilbranche begeistert.

Junge Ingenieure sind von der Automobilbranche begeistert.

Foto: Werkfoto

 Als Sebastian Rothenberg mit seinem Studium fertig war, konnte er sich seinen Job aussuchen. Maschinenbau-Ingenieure sind gefragt. Mit Leichtbau und Kunststofftechnik kam bei ihm ein Schwerpunkt hinzu, den viele Branchen schätzen. „Daimler ist ein renommiertes Unternehmen, in dem ich mich persönlich und fachlich entwickeln kann“, begründet der 27-jährige seine Arbeitgeberwahl für den Automobilkonzern. Luft- und Raumfahrt waren seine Alternativen.

Mitte 2010 hatte er sein Studium in Dresden abgeschlossen und im September 2010 ein internationales Trainee-Programm bei Daimler in Sindelfingen begonnen. Angefangen hat er in der Abteilung Leichtbau, im Bereich Forschung/Vorentwicklung. Dort arbeitet er auch nach mehreren Stationen im Unternehmen seit Ende der Trainee-Ausbildung im Januar 2012. „Neue Materialien machen die Fahrzeuge leichter und damit sparsamer im Spritverbrauch.“ Rothenberg freut sich auf seine Aufgabe und ist mit Daimler und der Automobilbranche als Arbeitgeber zufrieden.

Junge Ingenieure arbeiten am liebsten bei Audi oder BMW

Junge Ingenieure sind von der Automobilindustrie begeistert. Am liebsten wollen sie bei Audi arbeiten, dann folgt BMW. Das geht aus einer Befragung des Berliner Forschungsinstituts trendence unter angehenden Ingenieuren hervor. Befragt wurden für die beiden Studien – Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler – insgesamt 36 000 Studenten von September 2011 bis Februar 2012. Auf den Plätzen vier, fünf und sechs folgen Porsche, Daimler und Volkswagen. Allein Siemens als Drittplatzierter hat es als Nicht-Automobilunternehmen auf eine Top-Position gebracht.

Weshalb die Autofirmen in der Gunst von Ingenieurstudenten so weit vorne liegen, erklärt Klaus Knoblauch, Senior Account Manager beim trendence Institut: „Die großen Automobilhersteller profitieren sicher vom Image ihrer Produkte und stehen bei den Befragten unter anderem für attraktive Aufgaben, Markterfolg und Innovationskraft.“

Dass der Erfolg von Audi und Co. keine Eintagsfliege ist, zeigen die Studien seit Jahren. In der aktuellen Untersuchung rückten Zulieferer ins Rampenlicht. „Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen zählen zu den Aufsteigern des Jahres“, sagt Knoblauch. Anders als die Hersteller können sie jedoch nicht auf glamouröse Produkte setzen. Sie suchen daher den direkten Kontakt zu Absolventen an den Hochschulen, auf Karrieremessen oder in sozialen Netzwerken.

Überall dort ist Daimler auch vertreten, denn das Unternehmen hat einen hohen Bedarf an neuen Mitarbeitern. „In diesem Jahr wollen wir neben Direkteinsteigern rund 500 Trainees einstellen. Etwa 70 % davon für technische Disziplinen, mit Schwerpunkt in alternativen Antrieben, Leichtbau oder Fahrerassistenzsystemen“, sagt Peter Berg, Leiter Global Talent Acquisition & Development. Für das Nachwuchsprogramm würden insbesondere Absolventen der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Informatik eingestellt.

15 500 Ingenieure arbeiten in Deutschland für Daimler

In Deutschland beschäftigt Daimler rund 15 500 Ingenieure. Nach Unternehmensangaben werden momentan hauptsächlich an den ausländischen Produktionsstandorten Mitarbeiter aufgebaut. Aufgrund des technologischen Wandels würden in den kommenden Jahren jedoch auch zahlreiche Ingenieure neu eingestellt.

Rund 720 000 Mitarbeiter hatte die deutsche Automobilindustrie im Jahresdurchschnitt 2011. Davon arbeiteten etwa 405 000 bei den Herstellern, rund 285 000 bei Zulieferern und etwa 30 000 bei Herstellern von Anhängern und Aufbauten. Die knapp 190 000 Mitarbeiter im Nutzfahrzeugbereich sind in den Zahlen bereits enthalten.

2011 haben Hersteller und Zulieferer ihre Stammbelegschaften um etwa 4 % aufgestockt, teilt der Verband der Automobilindustrie (VDA) weiter mit. Laut Bundesagentur für Arbeit sind 15 % der in der Automobilbranche tätigen Personen Akademiker. Bei den Ingenieuren sind Fahrzeugtechniker, Maschinenbauer, Mechatroniker und Absolventen neuer Querschnittsfelder wie der Elektrochemie gefragt. „Solche Kenntnisse sind enorm wichtig, etwa für den Aufbau einer eigenen Produktion von Batteriezellen, der Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität“, sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des VDA. Hinzu komme zunehmende Informationstechnologie in den Autos. „Dort gibt es viel kreativen Spielraum für junge Ingenieure und Software-Entwickler.“ Als aktuelle Beispiele nennt Eichhorn Assistenzsysteme, die das Autofahren leichter und sicherer machen. „Der Ingenieur von morgen sollte auch über Managementaufgaben verfügen.“ Dann bestünden gute Chancen, Aufgaben an Auslandsstandorten zu übernehmen.

Auslands-Umsatz wächst: Auswirkung auch auf Arbeitsplätze für Ingenieure

Die Automobilindustrie steigerte ihren Umsatz 2011 um 10,8 % gegenüber dem Vorjahr auf 351 Mrd. €. Davon entfielen 63 % auf das Ausland. Bei den Zulieferern ist nach Angaben von Matthias Wissmann, VDA-Präsident, „weiterhin der Inlandsumsatz dominant“. „Der Auslandsumsatz wird auch bei Zulieferern in den kommenden Jahren mehr und mehr an Gewicht erhalten“, prognostiziert er. Von den zunehmenden internationalen Aktivitäten der Mittelständler profitieren auch die Standorte in Deutschland: Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, im Auftrag des VDA, zeigt, dass Investitionen, Umsatz, Produktion und Aufwendungen für Forschung und Entwicklung weiter steigen werden. „Das hat positive Effekte auch für die Beschäftigung“, so der VDA-Präsident.

Für 2012 rechnet der Automobilverband, bedingt durch die Staatsschuldenkrise in einigen EU-Ländern, mit einem Rückgang der Absatzzahlen in Westeuropa. Andererseits lege beispielsweise der US-Markt deutlich zu. „Insgesamt erwarten wir, dass der weltweite Pkw-Markt in diesem Jahr um 4 % steigen wird“, so Wissmann. Bei der Halbjahrespressekonferenz 2012 konnte er ein Umsatzplus von 6 % für die ersten vier Monate verkünden, 26 000 Stellen seien im Vorjahresvergleich neu entstanden. 

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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