Verbot von Verbrennungsmotoren 18.07.2017, 12:07 Uhr

Autoindustrie warnt vor massenhaftem Stellenabbau

Der Vorstoß der Grünen, Verbrennungsmotoren ab 2030 zu verbieten, hätte gravierende Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt, warnen Autohersteller. Gleichzeitig würde sich ein Verbot jedoch äußerst positiv auf die Umwelt auswirken.

Bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen werden künftig wohl weniger Mitarbeiter benötigt als bei Verbrennern, 620.000 Stellen macht das aber nicht aus.

Bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen werden künftig wohl weniger Mitarbeiter benötigt als bei Verbrennern, 620.000 Stellen macht das aber nicht aus.

Foto: Oliver Killig dpa/lsn

Als Reaktion auf die zunehmende Kritik an Verbrennungsmotoren, haben die deutschen Autohersteller gemeinsam mit dem Münchner Forschungsinstitut ifo eine Studie veröffentlicht. Sie zeigt, was ein Verbot von Verbrennungsmotoren für den deutschen Arbeitsmarkt und das Klima bedeuten würde. Mit ihren reißerischen Aussagen passt sie allerdings auch gut in den aktuell beginnenden Wahlkampf.

Jeder zehnte Industriearbeitsplatz in Gefahr

Für den Arbeitsmarkt wären die Folgen dramatisch: Rund 620.000 Industrie-Arbeitsplätze wären direkt oder indirekt betroffen, insbesondere die Jobs in kleinen und mittleren Unternehmen wären bedroht. Damit wäre jeder zehnte Industriearbeitsplatz in Gefahr, sollten Verbrennungsmotoren ab 2030 nicht mehr neu zugelassen werden, wie die Grünen das fordern. Ein Großteil der bedrohten Jobs, nämlich knapp 430.000 Stellen, ist in der Automobilbranche selbst angesiedelt. Die anderen Stellen werden von Zulieferer- und Komplementärbetrieben, vor allem aus der Metallindustrie, besetzt.

Bei der Interpretation der Zahlen ist allerdings Vorsicht geboten: Nur weil die Stellen bedroht sind, heißt das nicht, dass sie tatsächlich alle wegfallen. Ein Teil davon wird weiterhin an Verbrennungsmotoren arbeiten, weil das von den Grünen geforderte Verbot sich nur an Pkw und leichte Nutzfahrzeuge richtet, nicht jedoch an Lkw und Omnibusse. Insofern wird es weiterhin eine Produktion für Verbrennungsmotoren geben.

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Des Weiteren bedeutet ein Verbot von Verbrennungsmotoren in Pkw nicht, dass keine Autos und keine Motoren mehr produziert würden. Nur eben andere, eventuell Elektro- oder Hybridfahrzeuge. Auch die müssen hergestellt werden, auch dafür werden Beschäftigte aller Ausbildungsstufen gebraucht. Die Studienautoren weisen sogar darauf hin, dass es „im Bereich alternativer Antriebsarten in Deutschland zu einem Beschäftigungsaufbau kommen kann, der den Abbau im Verbrenner-Bereich im Aggregat zumindest teilweise kompensieren würde“.

Der Umwelt käme ein Verbot zugute

Um die Auswirkungen eines Verbrennerverbots auf die Umwelt zu analysieren, haben die Studienautoren eine CO2-Emissionsprognose entwickelt. Dabei betrachten sie die Emissionen Well-to-Wheel, also die komplette Wirkkette von der Gewinnung der Antriebsenergie bis zur Umwandlung in kinetische Energie. Und siehe da, die durch Pkw verursachten CO2-Emissionen  gingen bei einem Verbot im Zeitraum von zwanzig Jahren ab  2030 um ein Drittel zurück.

Der Vergleichszeitraum entstammt einer Prognose im selben Zeitraum ohne Verbrennerverbot, bei dem die Forscher ebenfalls einen Rückgang von 53% der CO2-Emissionen im Vergleich zu heute sehen – dank technischer Fortschritte und mehr Fahrzeugen mit alternativen Antrieben.

Elektroautos taugen nur bedingt als Alternative

Eindrücklich warnen die Autoren davor, das Glück in Elektrofahrzeugen zu suchen. Zum einen, weil auch sie nicht 100% umweltfreundlich produziert werden können. „Nachteile für Elektrofahrzeuge ergeben sich vor allem bei der Fahrzeugherstellung durch den höheren Materialeinsatz und den Einsatz bestimmter Materialien in der Batterie, ressourcenseitig beim kumulierten Rohstoffaufwand und Wasserbedarf und umweltseitig durch Versauerung und gesundheitliche Belastungen wie Feinstaubemissionen und Humantoxizität“, heißt es in der Studie.

Außerdem dürfte die Ladeinfrastruktur für einen explosionsartigen Anstieg an Elektrofahrzeugen nicht gerüstet sein. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 rund 250.000 batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge zugelassen werden – allerdings bei gleichzeitiger Zulassung von Verbrennungsmotoren auf deutschen Straßen. Sollten diese jedoch verboten werden, dürften rund 3,3 Millionen Elektrofahrzeuge um eine Zulassung bitten.

Bis zum Jahr 2050 würde der Stromverbraucht aufgrund der zusätzlichen Fahrzeuge mit Elektrobatterie um 7,6% steigen. Dieser Anstieg müsste allerdings komplett aus erneuerbaren Quellen stammen, also CO2-neutral produziert werden, damit der positive Effekt des Verbots von Verbrennungsmotoren nicht direkt wieder zunichte gemacht wird. Somit dürfte auch die Energieinfrastruktur nicht auf ein Verbot von Verbrennungsmotoren vorbereitet sein.

Ein Beitrag von:

  • Lisa Diez-Holz

    Die Autorin war von 2017 bis Ende 2019 Content Managerin für das TechnikKarriere-News-Portal des VDI Verlags. Zuvor schrieb sie als Redakteurin für die VDI nachrichten.

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