Ingenieure in der Krise 10.07.2009, 18:28 Uhr

Ausstempeln und dann zurück an den Arbeitsplatz  

VDI nachrichten – Auch Entwicklungsabteilungen werden in der Wirtschaftskrise als Kostenfaktor entdeckt. Die IG Metall will sich das zunutze machen und mehr Ingenieure und Informatiker gewinnen.

Nach monatelangem Arbeitskampf soll es beim EDV-Dienstleiter EDS statt 839 betriebsbedingten Kündigungen nur 300 geben. Diese Zahl könnte noch sinken, wenn mehr als 200 Beschäftigte über ein Abfindungsprogramm ausscheiden. Darauf haben sich IG Metall und Ver.di mit der Geschäftsleitung von EDS, einer Tochter des US-Konzerns HP, geeinigt.

Neben den Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz behalten, kann sich auch die IG Metall als Sieger fühlen. Der Arbeitskampf habe, so IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer auf einem Engineering-Kongress in Hamburg, der Gewerkschaft neue Mitglieder zugeführt. Auch im Entwicklungszentrum von Opel in Rüsselsheim sind 500 Beschäftigte in die IG Metall eingetreten, nachdem das Management damit gedroht hatte, Ingenieurkapazitäten nach Brasilien oder Asien zu verlagern.

In der mit rund 2,3 Mio. Mitgliedern größten deutschen Gewerkschaft dominieren die gewerblich Beschäftigten, obwohl deren Anteil in den Unternehmen sinkt. So waren nach Angaben des IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber bei Siemens im Jahr 2005 noch 30 % der Beschäftigten gewerbliche Arbeitnehmer, 70 % gehörten zu den hoch Qualifizierten. Zehn Jahre zuvor war es noch umgekehrt. Huber: „Von der Gewinnung der hoch Qualifizierten hängt die Durchsetzungskraft der IG Metall ab.“

Obwohl Konflikte zunehmen, wenn Unternehmen einen harten Sparkurs fahren, sind bei Ingenieuren die Hürden für einen Eintritt in die Gewerkschaft hoch, beobachtet Rainer Salm von der Bezirksleitung der IG Metall in Baden-Württemberg. „Es muss erlebbar sein, dass die IG Metall mehr ist als rote Fahnen und Trillerpfeifen.“

Die Chance, dass sich die Belegschaften über unterschiedliche Hierarchieebenen und Funktionen hinweg solidarischer verhalten, sei zwar mit der Wirtschaftskrise gewachsen, es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich doch gruppenspezifische Interessen durchsetzen, meint Salm.

Der Boden dazu wurde bereitet durch die Auflösung der einstmals homogenen Belegschaften. Neben Stammbelegschaften arbeiten Leiharbeiter, befristet Beschäftigte, Mitarbeiter mit Werkvertrag oder Selbstständige – auch in ingenieurgeprägten Betrieben.

So gehören von den rund 140 Mitarbeitern einer Entwicklungsabteilung bei MTU in München mehr als 70 nicht zur Stammbelegschaft, sie sind Leiharbeiter, Selbstständige oder haben Werkverträge, sagt MTU-Betriebsrat Hans-Dietrich Kubisch. Ein Teil von ihnen war früher beim britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce beschäftigt und hatte durch Personalabbau den Arbeitsplatz verloren

Waren in früheren Wirtschaftskrisen vor allem Angestellte in der Produktion von Kurzarbeit betroffen, sind es heute auch ganze Engineering-Abteilungen. Da deren Anteil an den Beschäftigten stetig gewachsen ist, würden sie als „Kostenblock“ und „Rationalisierungspotenzial“ stärker ins Visier genommen, sagt Rainer Salm von der IG Metall.

In der Politik gilt Kurzarbeit als Rettungsanker in der Krise. Doch in der Metallindustrie gebe es Unternehmen, die Angestellte aus Kostengründen nicht in Kurzarbeit schicken wollten, beobachtet der Metaller. Sie bevorzugen eine Arbeitszeitverkürzung mit anteiliger Lohnsenkung. Und die lasse Spielraum für eine verdeckte Verlängerung der Arbeitszeit: Die bezahlte Arbeit werde formal verkürzt, die tatsächlich geleistete aber bleibe gleich oder werde noch verlängert.

Ausstempeln und dann zurück an den Arbeitsplatz – das sei in vielen Betrieben üblich, auch zu Hause würde am Laptop noch weiter gearbeitet, berichteten auf der Engineering-Tagung Ingenieure aus zahlreichen Unternehmen. Während sich Ältere an die Arbeitszeiten hielten, würden Jüngere oft nicht auf die Stunden achten. MTU-Betriebsrat Kubisch ergänzt, dass auch Beschäftigte, die aus dem Ausland kommen, kaum auf die Stunden schauten. Kritisch sehen Ingenieure das Übergewicht von Controlling über die Entwicklung. Kosten seien wichtig, doch spielten technische Fragen oft nur noch eine Nebenrolle. Eine Ursache dafür liege im kurzfristigen Denken, das den Kontrollwahn fördere.

Mehr Solidarität zwischen den Beschäftigten setze voraus, dass in den Betrieben eine Debatte über Gerechtigkeit geführt wird – und die sei manchmal schwierig, räumt Rainer Salm von der IG Metall ein. In einem Betrieb kam es zu einem Konflikt, weil sich gewerblich Beschäftigte und hoch Qualifizierte nicht über eine Ergebnisbeteiligung einigen konnten. Die Gewerblichen wollten einen Festbetrag, die Angestellten einen prozentualen Anteil vom Gehalt. HARTMUT STEIGER

 

Ein Beitrag von:

  • Hartmut Steiger

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