Karriere 25.04.2008, 19:34 Uhr

Augen der anderen zum Leuchten bringen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 4. 08, cha – „Ich interessiere mich für Menschen. Und ich gehe Problemen nicht aus dem Weg, sondern versuche sie zu lösen.“ Jill Doppelfeld-Watson (44) ist Chefin des Test- und Innovationszentrums von Vodafone in Düsseldorf. Die Ingenieurin und Mutter von zwei Kindern hält nicht viel von Hierarchien. „Die Augen der Mitarbeiter zum Leuchten zu bringen, das ist die Aufgabe, das ist Führungsstil.“ Und eine Herausforderung, die sie gern annimmt.

Dass Jill Doppelfeld-Watson sich nicht im großen Büro verschanzt und möglichst viel Kontakt zu ihren Mitarbeitern sucht, liegt vielleicht daran, dass sie ihre Karriere nicht geplant hat. Sie hat nach eigenen Angaben stets um der Projekte willen gearbeitet, hat gern Teams gebildet und auch gern die Führung übernommen, aber nicht, um die Karriereleiter hinaufzusteigen. Das habe sich eben so ergeben. Wenn sie von sich erzählt, von den Projekten und ihrem Werdegang klingt alles authentisch. Da ist nichts Gekünsteltes, nichts Einstudiertes, sie wirkt bestimmt und sachlich, aber zugänglich, offen und humorvoll.

Regelmäßig geht sie durch ihre Arbeitsbereiche, führt Gespräche. Sie meint, dass Leute viel zu viel Respekt haben vor Hierarchie. „Ich habe einmal zu jemandem gesagt: Es kann nicht sein, dass Du mich jetzt anders behandelst, nur weil ich in einer Führungsposition bin. Entweder man hat grundsätzlich Respekt, aber nicht, weil die Person in eine andere Position gewechselt ist.“

Jill Doppelfeld-Watson möchte erreichen, dass Mitarbeiter die Scheu verlieren, und dass sie Verantwortung übernehmen, auch einmal ein Risiko eingehen. „Eines habe ich noch nicht herausbekommen, aber ich arbeite daran: Wann haben wir aufgegeben, Sachen zu probieren? Warum hören wir heute nach einmal probieren auf und sagen, dass es nicht klappt? Da spielt Angst eine Rolle.“ Und die will sie abbauen, die Mitarbeiter aus der Reserve locken. „Das ist mein persönlicher Ehrgeiz, in meinem kleinen Kosmos zu beweisen, dass es anders geht.“

Das gilt auch für Menschen, die schon lange dabei sind und die ersten Silberstreifen im Haar haben und allzu oft fälschlicherweise als nicht mehr innovativ genug angesehen werden. Sie möchte ihnen, den erfahrenen Kräften, ein Umfeld geben, wo diese vor Begeisterung für ihr Tun ein Leuchten in den Augen haben. Ein hehres Ziel, und sie sagt auch: „Die Leute wissen sehr wohl, dass ich sehr viel fordere.“

Das hat sie auch schon immer von sich selbst, obwohl es ihr meist leicht fiel.

Als Jugendliche war sie Leistungssportlerin im Trampolinturnen, schon da hatte sie eine Vermittlerinnenrolle innerhalb der Gruppe inne, später wurde sie Trainerin. In der Schule gab es keine Probleme, die lief so nebenher, Mathe und Physik waren ihre Lieblingsfächer. Nach dem Abitur ging es erstmal nach Kanada als Au-pair-Mädchen, um die Englischkenntnisse aufzubessern. Damals lernte sie auch gleich ihren späteren Mann kennen, wie sie Trampolinturner und Student der Elektrotechnik. „Als ich gesehen habe, was der im Studium an Mathematik braucht, habe ich gedacht, das ist kein Hexenwerk, das schaffe ich auch.“ Beide gingen nach Deutschland. Sie studierte in kürzester Zeit in Hannover, zwei Monate nach dem Diplom an der FH ging es mit Sack und Pack nach Kanada.

Doch nach einigen Monaten kamen beiden Zweifel. Sie entschieden sich für die Rückkehr nach Niedersachsen. Jill Doppelfeld-Watson heuerte bei D2 in Hannover als Funknetzplanerin an, doch sehr schnell übernahm sie andere, weiter gehende Aufgaben. Es war die Pionierzeit des Unternehmens, Nachtsessions waren normal, „jeder übernahm x Tätigkeiten, das war selbstverständlich“.

2000 kam der Ruf in die Vodafone-Zentrale nach Düsseldorf. Sie wurde Hauptabteilungsleiterin und übernahm zusätzlich die Festnetzplanung. Dazu gehörte, die Vermittlungsstellen in den einzelnen Regionen in Deutschland zu verbinden. Als Funk- und Festnetzbereich zusammengelegt wurden, war es Jill Doppelfeld-Watson, die die beiden Bereiche ineinanderführte, „um einen gemeinsamen Blick zu erzeugen“.

Das hört sich nach sehr langen Arbeitstagen an, nach typischer Karriere-Einsamkeit, nach wenig Hobbys und viel Verzicht. Aber Jill Doppelfeld-Watson hat nicht verzichtet, auch nicht auf Kinder. Sie hat zwei (elf und 16 Jahre alt), und die finden es gut, dass ihre Mutter arbeitet. Und als sie die typische Frage gefragt wird, bleibt sie freundlich: „Klar können Sie mich fragen, wie ich das alles geschafft habe und schaffe, es wäre nur gut, wenn das auch Männer in Führungspositionen gefragt würden.“ Ihr Mann habe nie nach einer Führungsposition gestrebt und hat deshalb mehr Zeit. Und natürlich müsse alles gut organisiert sein. Sie selbst verbringt so viel Zeit wie möglich mit den Kindern, richtet manchmal die Hobbys so ein, dass die Kinder mitmachen können: Eine Zeitlang mochte sie beispielsweise das Nähen besonders, da haben die Kinder mitgemischt. „Ich würde sagen, ich weiß trotz weniger Zeit für die Kinder mehr über sie als mein Mann. Ich bekomme eher mit, wenn etwas nicht in Ordnung ist, ich erkenne das an der Stimme“, sagt sie.

In ihrem Personalbogen steht, die Managerin mag Veränderungen, ist mutig, vertrauensbildend, zuverlässig und neugierig. All das kommt ihr auch bei der Aufgabe zugute, die sie seit letzem Jahr zu bewältigen hat.

Sie baut das hauseigene Test- und Innovationszentrum in ein Dienstleistungszentrum auch für andere Firmen um. Die Mannschaft, etwa 150 Ingenieure, richtet sich neu aus. „Man muss den Blickwinkel um 180 Grad schwenken. Wir sind nach wie vor für Integrationsarbeit und Innovationen im eigenen Haus zuständig. Aber jetzt arbeiten wir auch für andere Kunden. Das erfordert Change-Management. Und Change ist ja oft negativ besetzt. Die Mitarbeiter sollen das aber als spannend empfinden. In diesem Prozess befinden wir uns jetzt. Das macht sehr viel Spaß.“ CLAUDIA HANTROP

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

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