Karriere 30.03.2001, 17:29 Uhr

Auf der Überholspur in die Chefetage

Koffer schleppen, Kaffee kochen – so lauten die typischen Klischees über die Aufgaben des Vorstandsassistenten. Assistieren heißt heute aber inhaltlich arbeiten. Trotzdem fordert die Nähe zum Chef auch ihren Tribut.

Das ist häufig die Umschreibung für den Vorstandsassistenten: „Die rechte Hand des Chefs“. „Assistenz bedeutet immer stärker strategische und konzeptionelle Aufgaben übernehmen“, erklärt Susanne Culo, Beraterin im Bereich High-Potentials bei Kienbaum Executive Consulting in Gummersbach. Der Assi-Job ist ihrer Ansicht nach Einstiegschance für die Macher von Morgen.
Jung, auslandserfahren, exzellenter Studienabschluss, möglichst promoviert und dazu bereits erste Erfahrungen im Berufsleben – die Anforderungen an Vorstandsassistenten sind extrem hoch. Genau wie die Chancen Im Gegenzug lockt der Direkteinstieg in: den Management-Olymp und gutes Geld. Längst sind es nicht mehr nur Banken und Versicherungen, die ihre Kronprinzen über die Assistenz großziehen. „Auch Industrieunternehmen beginnen verstärkt, die Stelle auszuschreiben,“ erklärt Rainer Schulze, Leiter von Marketing und Kommunikation bei der Firma Access. Der Experte des Kölner Recruitingdienstleisters weiß: Bei Energieversorgern, Maschinenbauunternehmen und vor allem in der Autoindustrie ist Vorstandsassistenz heute eher die Regel als die Ausnahme.
Was die Einsteiger in diesem Job erwartet, können Interessenten schon im Bewerbungsgespräch herausfinden. „Man erkennt schnell, ob man als Depp, der die Ablage sortiert, endet“, sagt Matthias Mono. Der Volkswirt weiß, wie man den Assistenzjob erfolgreich meistert. Anderthalb Jahre lang assistierte er dem Personalvorstand einer Tochtergesellschaft der Allianz. Trotz abgeschlossener Banklehre, Studium, Promotion und einem Jahr Praktikum in London musste auch Mono mit den typischen Hilfsjobs starten: Er bereitete das Tagesgeschäft vor, protokollierte Sitzungen und wertete Statistiken aus. „In den ersten Monaten als Full-time Job“, erinnert sich Mono.
Die große Chance für die Karriere kam mit der Routine: Neben den klassischen Assistentenaufgaben konnte Mono bald seine besonderen Fähigkeiten in eigenen Projekten beweisen. Seine Themen: Personalentwicklung und -führung. Hier sammelte Mono Erfahrungen, die ihm noch heute zugute kommen. Mittlerweile ist er Personalleiter bei der Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik in Neuenburg, einem Maschinenbauunternehmen mit über 1000 Mitarbeitern.
Natürlich reizt High-Potentials wie Mono auch die finanzielle Seite: Zwischen 80 000 DM und 130 000 DM jährlich liegen nach Einschätzung von Kienbaum die Verdienstmöglichkeiten. Ein deutliches Plus gegenüber anderen Einsteigerjobs. Die individuellen Fähigkeiten des Kandidaten und seine beruflichen Erfahrungen bestimmen sowohl Aufgabenbereich als auch Gehalt.
Doch es geht nicht nur ums Geld. Viel interessanter ist die Symbiose mit dem Chef. Mono hat in seinem ehemaligen Vorgesetzten einen Lehrer und Mentor fürs Leben gefunden, der ihn noch heute in allen wichtigen Entscheidungen berät. „Es gibt wenige Jobs, wo die Chemie so wichtig ist“, sagt Mono. Da man jeden Schritt des Meisters mitverfolgt, wird der Vorgesetzte zum Vorbild – für gute wie schlechte Angewohnheiten. „Man verhält sich fast wie ein Kind, das die Eltern nachahmt“, erinnert sich Matthias Mono an seine Zeit als Assistent.
Wegen des engen Verhältnisses muss man sich an die Gewohnheiten des Chefs anpassen können. Und das fängt mit dem Tagesablauf an. „Am besten schon da sein, wenn er kommt und noch bleiben, wenn er geht.“
Im Zentrum der Macht arbeiten bringt aber nicht nur Vorteile. „Du zeigst an allerhöchster Stelle, was du kannst, aber auch, was du nicht kannst“, erklärt Britta Giesen, ehemals Vorstandsassistentin beim Maschinenbauunternehmen KSB in Frankenthal. Das Problem: „Wenn etwas schief äuft, ist es für jeden im Unternehmen sofort offensichtlich.“ Auch Mono kann von ähnlichen Erfahrungen berichten: „Der Vorstand ist intolerant: Jeder Fehler des Assistenten fällt schließlich auf den Chef zurück.“ Läuft etwas gut, kassieren andere die Lorbeeren.
Oberstes Gebot für die Assistenten ist darum: Geistige Flexibilität, hohe Belastbarkeit und die Fähigkeit, sich selbst zurücknehmen zu können. Man ist viel in Feuerwehrbereitschaft, oder wie Giesen es ausdrückt: „Trouble-Shooter – da im Einsatz, wo es brennt.“
Wichtig war für Britta Giesen bei den wechselnden Aufgaben vor allem, das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Für die promovierte Wirtschaftsingenieurin mit zusätzlichem amerikanischen Master und vier Jahren Berufserfahrung war von Beginn ihrer Assistententätigkeit klar, dass Dabeisein nicht alles ist: „Ich habe nur in Projekten gearbeitet, in denen ich auch wirklich inhaltlich etwas beitragen konnte.“
Vom Vorstand aus hat man die Vogelperspektive und kann alles überschauen.“Ein wahnsinniger Vorteil gegenüber dem normalen Einstieg.“ So hat Britta Giesen ihre Assi-Zeit auch genutzt, um das Unternehmen kennen zu lernen, für das sie heute als Leiterin von Strategie und Marketing arbeitet.
Vorstandsassistenten leben auf einer Überholspur auf Zeit. Für die meisten ist es nur ein kurzer Trip – aus gutem Grund: Der Posten in der schwindelnden Höhe des Sprungbretts bringt auf Dauer Isolation mit sich. „Auch der Vorstand kriegt nicht alle Einzelheiten des Alltagsgeschäfts der verschiedenen Abteilungen mit“, sagt Giesen. Selbst die Kollegen lernt man nur durch die rosarote Brille kennen. Mono: „Alle wissen um deine Nähe zum Chef und sind ausgesucht freundlich.“ Deshalb raten Experten, sich nach etwa zwei Jahren aus dem Schatten des Chefs in die eigene Karriere-Spur einzuordnen. JUDITH LUIG

Von Judith Luig
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