Arbeitsmarkt 19.03.2010, 19:45 Uhr

Arbeitskräftemangel in China ist ein Problem für die Firmen  

Wo kürzlich Millionen Wanderarbeiter in der Weltwirtschaftskrise ihre Arbeitsstellen verloren, ist jetzt der Markt der Arbeitskräftemarkt wie leergefegt. Die „Weltfabrik“ China produziert wieder auf Hochtouren, und die Arbeiter kehren allerdings nicht unbedingt wieder in die Hochburgen zurück. Für Akademiker jedoch gibt es im Land des Lächelns weniger Grund zum Lächeln. VDI nachrichten, Hongkong, 19. 3. 10, cha

Vor den Schaukästen und Anschlagsflächen mit Jobangeboten in den chinesischen Städten Shenzhen, Shanghai, Shandong oder Peking herrscht dieser Tage kein Gedränge. Vor allem die exportorientierten Unternehmen haben sogar Personalprobleme. Die seit Jahresende wieder rollende Auftragswelle von Kunden aus Japan, Europa und Nordamerika hat sie überrascht.

Vergessen ist der Exporteinbruch in der zweiten Hälfte 2008, der binnen weniger Wochen nach offiziellen Angaben um die 20 Mio. Wanderarbeiter auf die Straße setzte. Im Februar lagen die Ausfuhren um 45,7 % über dem Vergleichswert des Vorjahres.

Vor allem die im Exportgeschäft dominierenden Regionen um Shanghai und in Hongkongs Nachbarprovinz Guangdong sind betroffen. Rund 2 Mio. Arbeitsplätze sind in Guangdong unbesetzt. Allein in Hongkongs Schwester-City, der 7 Mio. Einwohner zählenden Metropole Shenzhen, sind es zurzeit 1 Mio. Stellen. Zur Jahreswende hatte die Stadtverwaltung alarmiert vermeldet, dass 819 000 Jobs auf Interessenten warten. Huang Huiping vom Arbeitsamt in Guangdong schätzt, dass in einigen Betrieben an der Küste bis zu 80 % der Stellen unbesetzt sind. Ein Grund: Nicht wenige Wanderarbeiter finden eine Stelle im Inneren, vor allem im Westen des Landes. Ivo Hahn, der Direktor der Vermittlungsgruppe Stanton Chase in Hongkong: „Auch finanziell ist das mittlerweile dort für sie annehmbar und sie sind in der Nähe ihrer Familie. Diese Entwicklung wird zum langfristigen Trend.“ Nach dem National Bureau of Statistics (NBS) in Peking zogen es 29 % der Wanderarbeiter vor, am Ende des chinesischen Neujahrsfestes Mitte Februar nicht mehr zu ihrer Firma nahe der Ostküste zurückzukehren.

In der Region Shanghai, wo viele Unternehmen aus Taiwan oder Japan elektronische Produkte herstellen, sieht es nicht anders aus als in Guangdong. „Die Lage ist sehr ernst“, klagt Chou Peng-pang, der Chef der Quankang Electronic Technology. Firmen schickten mittlerweile selbst Werber in die Provinzen Anhui, Henan und Hunan, allerdings ohne sonderlichen Erfolg. Dass die chinesischen Medien über den engen Arbeitsmarkt berichten, hilft den Personalchefs nicht. Wie Chiu Chuang-Cheng, der CEO der Dahue Computer in Shanghai, herausfand, versuchen nicht wenige Arbeitnehmer die Firmen in Warteposition zu belassen und gegeneinander auszuspielen, bis attraktivere Angebote auf dem Tisch liegen.

Um die 100 €€(1000 Renminbi) montatlich verdienten die Wanderarbeiter in den Fabriken Shenzhens, Dongguans, Shanghais oder Guangzhous vor der Krise. Nun wird überall zugelegt. Ab April wird der z.B. der Mindestlohn in Shanghai um 15 % angehoben. Auch im Landesinneren steigen die Löhne. „Der Aufwärtstrend vor allem bei den niedrigeren Löhnen und Gehältern wird anhalten“, schätzt Ivo Hahn. „Die Unternehmen kommen nicht umhin, mehr zu bieten, um mitzuhalten.

Mehr zu verdienen wird vor allem für die jungen Leute immer wichtiger. Schauen sie nur auf die steigenden Mieten und Wohnungspreise. China ist nicht mehr das Land der billigen Arbeitskräfte und Produkte.“

Das hat auch Folgen für die ausländischen Firmen, die in China kostengünstig für den Export produzieren. „Unternehmen mit Fokus auf den chinesischen Markt betrifft das weniger, für sie ist nach wie vor die enorme Dimension des chinesischen Marktes das wichtigste Argument,“ meint Wolfgang Ehmann, stellvertretender Direktor der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Hongkong. „Für Hersteller von Konsumgüter, die in Europa, im pazifischen Raum oder Nordamerika auf den Markt kommen, wird der Standort China aber sicher weniger interessant. Das seit Jahresbeginn geltende Freihandelsabkommen Chinas mit den ASEAN-Staaten wirkt in die gleiche Richtung.“

Vor allem die Nachfrage nach ungelernten und kostengünstigen Arbeitskräften wird zunehmend zu einem Nadelöhr, sagen Insider wie Ivo Hahn voraus. Etwas anders schaut es in der Arena der Absolventen chinesischer Hochschulen aus. Es sei leider nicht einfach, Arbeitsplätze für die Hochschulabgänger zu finden, klagte Premierminister Wen Jiabao im März während der jährlichen Tagung des Nationalen Volkskongresses. Um die 7 Mio. Absolventen sind es Jahr für Jahr.

Derzeit suchen nach offiziellen Angaben um die 3 Mio. frischgebackene Akademiker einen Job. Chinas Arbeitsmarkt gleicht einer Pyramide: Viele Jobs für weniger Qualifizierte und Ungelernte am unteren Ende, zu wenig Jobs oben hingegen für Akademiker.

Allerdings weiß auch niemand was passiert, wenn Wen Jiabaos düstere Befürchtung richtig ist, dass die Weltwirtschaft Mitte des Jahres in eine weitere Rezession abtaucht. Das trockene Statement des stellvertretenden Direktor der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Hongkong dazu: „Auf jeden Fall wird managen in China wohl nicht einfacher werden.“

Das Auf und Ab des chinesischen Arbeitsmarktes bringt die Statistiker in Peking nicht aus der Ruhe. Stoisch beharren sie auf einer Arbeitslosigkeit von 4,3 %, auch wenn Regierungssprecher alarmiert über 20 Mio. neue Jobsucher berichten, wie Ende 2008. 4,3 % sind es, ohne Wenn und Aber, und das ununterbrochen seit 2002.

Kein Wunder, dass Analysten nicht nur jenseits chinesischer Grenzen den offiziellen Statistiken kein Glauben schenken. Aber auch innerhalb des Apparates in Peking kommen langsam die Dinge in Bewegung. An einem neuen System arbeitet das NBS. Und diesmal soll das Wohl und Wehe der 230 Mio. Wanderarbeiter eingerechnet werden. Bisher ist das nicht der Fall. Ab 2011 soll die neue Zählmethode offiziell gelten. Neue Zahlen werden allerdings nur vierteljährlich geliefert. J. HOEHN

Von J. Hoehn
Von J. Hoehn

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