DIHK besorgt 13.05.2014, 14:38 Uhr

Arbeitskosten in Deutschland 34 % über EU-Schnitt

Unternehmen bezahlen in Deutschland durchschnittlich 31,70 Euro für eine Arbeitsstunde. Damit liegen die Stundenkosten 34 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt schon vor einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Dabei haben sich die Kosten im Vergleich zu 2012 kaum verändert.

Ein Schweißer im Werk Bautzen des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers Bombardier Transportation: Bei den Arbeitskosten in der Industrie liegt Deutschland deutlich über dem EU-Schnitt.

Ein Schweißer im Werk Bautzen des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers Bombardier Transportation: Bei den Arbeitskosten in der Industrie liegt Deutschland deutlich über dem EU-Schnitt.

Foto: dpa

In Deutschland bezahlt ein Arbeitgeber in der Privatwirtschaft für eine Arbeitsstunde 31,70 Euro – das ist 34 Prozent mehr als der EU-Durchschnitt von 23,70 Euro. Die Bundesrepublik landet damit auf Platz 7 im EU-Vergleich der Arbeitskosten 2013, den das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlich hat. Das ist oberes Mittelfeld. Allerdings haben sich die Kosten nur moderat erhöht, nämlich um 2,1 Prozent im Vergleich zu 2012. In anderen Ländern gab es dagegen zum Teil kräftige Lohnsteigerungen von bis zu acht Prozent, in einigen Krisenländern wie Portugal (-1,8 %) und Griechenland (-9,4 %) gingen dagegen die Lohnkosten zum Teil stark zurück.

In Griechenland (Platz 16) ist eine Arbeitsstunde mit 14,10 Euro deutlich günstiger, in Schweden (Platz 1) mit 43 Euro und Frankreich (Platz 5) mit 35 Euro hingegen erheblich teurer als in Deutschland. Auch direkte Konkurrenten wie die Niederlande (32,50 Euro), Belgien (41,20) und Dänemark (39,80) haben höhere Arbeitskosten als Deutschland.

Wer richtig billig produzieren will, der muss schon nach Ost- und Südosteuropa ausweichen. Im Schlusslicht Bulgarien kostet die Arbeitsstunde nur 3,70 Euro, Rumänien als Vorletzter kommt auf 4,70 Euro. Aber auch in Ländern, in denen viele Unternehmen als Zulieferer für deutsche Unternehmen arbeiten, sind ausgesprochen günstig. Das gilt für Polen mit 7,40 Euro Kosten pro Arbeitsstunde genauso wie für Tschechien (10,40 Euro) und die Slowakei (8,80).

Arbeitskosten in der Industrie werden zum Geschäftsrisiko

Sorgenfalten bereitet dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ein anderes Ergebnis der Studie: Eine Stunde Arbeit ist speziell in der deutschen Industrie mit 36,20 Euro mittlerweile 48 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt. „Die gute Lohnentwicklung stützt zwar unsere Binnenkonjunktur und macht uns unabhängig vom Ausland. Auf Dauer ist das aber keine gute Entwicklung, denn unsere Wettbewerbsfähigkeit leidet“, erklärt DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Unternehmen würden in steigenden Arbeitskosten vermehrt ein Geschäftsrisiko sehen. So hatte Airbus im Januar angekündigt 2600 Industriearbeitsplätze in Deutschland zu streichen.

Im EU-Ländervergleich entsteht auch beim produzierenden Gewerbe ein gigantisches Gefälle. Während eine Arbeitsstunde in Schweden (Platz 1) 44,80 Euro und in Belgien (Platz 2) 42,60 Euro kostet, müssen Arbeitgeber in Polen (Platz 23) mit 6,80 Euro und in Bulgarien (Platz 27) mit drei Euro deutlich weniger in die Tasche greifen. Im Durchschnitt kostet eine Stunde in der europäischen Industrie 24,40 Euro.

Preisanstieg in der Privatwirtschaft begann im Jahr 2011

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft steigen immer schneller. Zwischen 2004 und 2010 lag das Wachstum unterhalb des EU-Durchschnitts. Im Jahr 2011 kehrte sich diese Entwicklung um. Bis 2013 lag der Anstieg über dem Durchschnitt. Das verdeutlicht ein Vergleich mit Frankreich. Von 2004 bis 2010 stiegen die Arbeitskosten in Frankreich jährlich mit plus 3,4 Prozent fast zweieinhalb Mal so stark wie in Deutschland (1,4 Prozent). Ab 2011 lag der Anstieg in Deutschland mit 2,7 Prozent schon deutlich über dem in Frankreich (1,9 Prozent).

Auch ein Blick auf die Lohnnebenkosten ist interessant: Im EU-Durchschnitt zahlte ein Arbeitgeber in der Privatwirtschaft pro 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 31 Euro Nebenkosten. Deutschland liegt im Vergleich mit 27 Euro im unteren Mittelfeld. Am günstigsten ist es für Unternehmer in Dänemark (15 Euro) und Malta (10 Euro). Spitzenreiter sind hingegen Schweden (51 Euro), Frankreich und Belgien (jeweils 47 Euro) sowie Italien (41 Euro). Zu den Lohnnebenkosten zählen Sozialversicherung, betriebliche Altersversorgung und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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