23.08.2002, 18:21 Uhr

Arbeit im Ausland Härtetest für die Karriere

Viele Unternehmen locken ihre Mitarbeiter ins Ausland, lassen sie aber vor Ort und auch bei ihrer Rückkehr oft im Stich. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter 494 Expatriates in 30 international aktiven deutschen Firmen.

Das Angebot klang vielversprechend: Nachdem er mehrere Jahre als Fertigungsingenieur bei einem renommierten Automobilzulieferer gearbeitet hatte, sollte Frank Müller (Name geändert) in der amerikanischen Tochterfirma seines Unternehmens eine eigenständige Fachabteilung aufbauen. Neben der Führungsposition lockte eine Gehaltserhöhung. „Außerdem konnte ich in einem Land zu arbeiten, in dem ich bereits ein Studienjahr verbracht habe,“ erzählt Frank Müller. Doch die Begeisterung für den Job in den USA ließ schnell nach. „Ich fühlte mich die meiste Zeit von meiner Firma im Stich gelassen“, resümiert er.
Kein Einzelfall: Die meisten Expatriates – so heißen die ins Ausland entsandten Mitarbeiter im Fachjargon – sind mit den Arbeits- und Lebensbedingungen an ihren Einsatzorten zufriedener als mit der Entsendungsgestaltung durch ihr Unternehmen. Nur jeder Dritte fühlt sich vor, während und nach der Entsendung von den Mitarbeitern der Personalabteilung gut betreut. So lautet das Ergebnis einer Studie der Bayreuther Betriebswirtin Claudia Einfalt. Sie hatte 494 Expatriates aus 30 international tätigen deutschen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen befragt.
„Schon bei der Vertragsgestaltung fühlen sich fast alle ins Ausland entsandten Mitarbeiter über den Tisch gezogen“, berichtet Claudia Einfalt. Frank Müller hatte den Vertrag noch nicht einmal in der Tasche, als er seinen ersten Arbeitstag in den USA antrat. „Mein Gehalt wurde daher erst mit einiger Verspätung auf mein Konto eingezahlt“, erzählt er. „Meine Eltern sprangen mit fast 5 000 € ein, damit ich Auto, Möbel und Miete bezahlen konnte.“ Und weiter: „Ich musste Hals über Kopf die neue Stelle antreten. Und mein Arbeitgeber war nicht einmal bereit, meine familiäre Situation zu berücksichtigen“, erzählt er enttäuscht. Die Mitarbeiter der Personalabteilung setzten sich außerdem weder für ein Visum noch für eine Arbeitserlaubnis für Müllers langjährige Lebensgefährtin ein.
Ein weiteres Beispiel: Martin Schneider (Name geändert) hat zwei Jahre in den USA gearbeitet – für eine 100-prozentige Tochterfirma seines früheren Arbeitgebers in Deutschland: „Wegen meiner Zeit in den USA bin ich nach meiner Rückkehr aus der Betriebskrankenkasse ausgeschlossen worden“, erzählt er. Außerdem seien die im Ausland verbrachten Jahre nicht auf seine Firmenrente anerkannt worden. Martin Schneider war in den USA für die Qualitätskontrolle von ABS-Systemen zuständig. Da diese in Mexiko produziert wurden, war er dort häufig auf Dienstreise – und stolperte in etliche interkulturelle Fettnäpfchen. „Manche der mexikanischen Kollegen haben auf einmal kein Wort mehr mit mir gesprochen“, erzählt er. „Und ich wusste zunächst nicht, warum“. Ein mexikanischer Hotelier – eine Zufallsbekanntschaft – klärte Martin Schneider schließlich über die kulturellen Unterschiede zwischen Mexikanern, Deutschen und Amerikanern auf. Heute weiß Schneider z. B., dass mexikanische Kollegen oft lieber eine kleine Lügengeschichte erfinden, bevor sie zugeben, etwas nicht zu wissen. „Man darf sie dann keinesfalls bloßstellen“, sagt Schneider. „Sonst verlieren sie ihr Gesicht und die Zusammenarbeit scheitert“.
Ein interkulturelles Training hätte der mexikanischen Missstimmung sicherlich vorbeugen können, glaubt Schneider. Wie die meisten der von Claudia Einfalt befragten Expatriates fühlte er sich von seinem Unternehmen nicht ausreichend auf das Arbeiten in einer fremden Kultur vorbereitet. „Den Personalabteilungen im Stammhaus fehlt es an Zeit, aber auch am nötigen Problembewusstsein“, glaubt Claudia Einfalt. Martin Schneider sieht das anders. „Viele Unternehmen schicken Mitarbeiter ins Ausland, damit sie dort Probleme lösen. Wie sie das genau bewerkstelligen, interessiert niemanden in Deutschland“, sagt er. Schneider zog seine Konsequenzen: Zurück in Deutschland wechselte er zu einem anderen Unternehmen.
Frank Müller dagegen arbeitet heute wieder als Dienststellenleiter in dem Unternehmen, das ihn in die USA entsandt hatte. „Bis wenige Wochen vor meiner Rückkehr stand immer noch nicht fest, wie meine künftige Stelle in Deutschland aussehen würde“, erzählt er. Immer wieder erinnerte er seine Vorgesetzten in Deutschland an seine baldige Rückkehr. „Jedoch erst als ich andeutete, dass ich das Unternehmen verlassen würde, bot man mir meinen heutigen Job an“. So oder ähnlich ergeht es vielen Expatriates. Jeder zweite der Befragten in Claudia Einfalts Studie bemängelt, dass sein Arbeitgeber keine Pläne für die berufliche Laufbahn der aus dem Ausland zurückgekehrten Mitarbeiter bereit hält.
Hat sich das Engagement für seine jetzige Stelle gelohnt? Frank Müller ist sich nicht sicher. „Einerseits arbeite ich wieder in einer Führungsposition“, sagt er. Andererseits verdiene er nur wenig mehr als vor seinem Auslandsaufenthalt. Auch seine Amerika-Erfahrung nutzt er an seinem heutigen Arbeitsplatz nur wenig. Nachdem er drei Jahre Erfahrungen im amerikanischen Geschäftsleben gesammelt hat, betreut er nun europäische Kunden. „Ich werde ein bisschen so behandelt, als habe ich mich in den drei Jahren in den USA nicht weiter qualifiziert“. Dennoch: Seine Jahre in den Vereinigten Staaten möchte Müller jedoch nicht missen. „Möglicherweise kann ich meine Erfahrungen eines Tages in einer anderen Firma einsetzen“, sagt er.
MONIKA WIMMER

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