Karriere 07.10.2005, 18:40 Uhr

Angst ist ein schlechter Berater

Einen guten Berufseinstieg zu finden ist nicht leicht – gerade heute. Vor dem Hintergrund der schwierigen Arbeitsmarktlage haben auch Ingenieure allen Grund, sich Gedanken zu machen, ob und wie sich die eigenen Vorstellungen erfüllen lassen. Zu übertriebener Angst oder gar Panik gibt es jedoch keinen Grund. Wichtig, raten Experten, ist es vor allem, sich frühzeitig mit den möglichen Problemen beim Übergang von der Hochschule in die Wirtschaft auseinander zu setzen.

Angst essen Seele auf“, hieß einer der Filme von Rainer Werner Fassbinder. Und das trifft auch für manchen Berufsanfänger zu, der auf dem Sprungbrett in seine berufliche Karriere steht. „Bitte bleiben Sie authentisch“, rät deshalb Astrid Knott, Mitarbeiterin von KoBra, Koordinierungs- und Beratungsstelle für den Berufseinstieg der Ruhr-Universität Bochum (RUB).
Denn viele AbsolventInnen, die überall gelesen und gehört haben, dass Selbstmarketing gefragt ist, stehen völlig verunsichert vor ihrem ersten Vorstellungsgespräch. Wie soll man sich nun präsentieren? Diese Frage bewegt sie alle.
Dabei ist sicher den allermeisten Personalchefs klar, dass auch zur Schüchternheit neigende Bewerber das Zeug zu erstklassigen Mitarbeitern haben – nur sollten sie sich nicht unbedingt darauf versteifen, ins Marketing oder in den Vertrieb zu gehen.
„Ich bin überzeugt: Je konkreter man vorbereitet ist, umso weniger Platz ist für Angst. Nervosität, Angespanntheit wird immer bleiben, denn eine Stresssituation ist ein Bewerbungsgespräch allemal“, so die Erfahrung von Astrid Knott. Es helfe aber nicht, krampfhaft zu versuchen, eine Rolle zu spielen, weil das auf Dauer nicht durchzuhalten sei.
Denn es gibt ja auch noch die Probezeit, und ein Drittel aller neuen Arbeitsverhältnisse endet bereits binnen eines halben Jahres.
Was bringt es also, wenn Kommilitonen und Freunde bewundernd die Zusage für das vermeintlich attraktive Traineeprogramm in einem Großkonzern kommentieren, aber das eigene Feeling schon während des Praktikums im Unternehmen nicht stimmt?
Überhaupt: So schwer es für den Bewerber sein mag, den passenden Job zu finden, so schwer ist es auch für die Unternehmen. Sie sind trotz eines grundsätzlichen Überangebotes an Arbeitnehmern ebenfalls auf der Suche nach den richtigen Bewerbern, die dem Anforderungsprofil entsprechen.
Regelrecht devotes Auftreten, nach dem Motto „Ich mache alles, was Sie wollen, und das für 25 000 € im Jahr“ zeigt dabei allerdings nicht, dass sich jemand eine führende Rolle im Unternehmen auch wirklich zutraut, umschreibt Astrid Knott das Problem.
Jeder junge Berufseinsteiger solle sich deshalb frühzeitig überlegen, ob Unternehmen und Jobprofil tatsächlich zu ihm passen, betont Petra Begemann, Autorin zahlreicher Karriereratgeber mit langer Erfahrung auch in der persönlichen Beratung und dem Coaching von High Potentials. „Ich glaube, dass sich die Jobeinsteiger oftmals über die falschen Dinge Sorgen machen.“
Häufig werde die eigene fachliche Qualifikation in Frage gestellt, wollen Berufsanfänger vor allem durch fachliches Know how und kompetentes Auftreten den gerade gefundenen ersten richtigen Arbeitsplatz sichern.
Doch wenn wirklich etwas schief geht, ist es in der Regel die berühmte Chemie, die nicht stimmt. „Den Satz: “Ich hätte es eigentlich wissen müssen“ höre ich in sehr häufig“, berichtet Petra Begemann. Ihr Rat: Jeder solle, auch wenn es manchmal schwer fällt, auf seine innere Stimme hören, Warnsignale beachten und lieber gezielt Feedback einholen, als den Kopf in den Sand zu stecken.
Doch auch, wenn nach dem erfolgreichen Einstellungsgespräch alles gut läuft, gibt es so etwas wie den typischen Einsteigerblues, von dem aber auch erfahrene Jobwechsler getroffen werden können. Schließlich bewegt man sich in dieser Situation auf neuem Terrain, muss sich erst zurechtfinden, kennt die Spielregeln in der neuen Firma noch nicht.
Von einem Anfänger wird aber auf keinen Fall verlangt, dass er gleich Bäume ausreißt und eine tolle Projektidee an die nächste reiht. Wichtiger ist, Signale auszusenden wie: Ich möchte mich hier zurechtfinden, ich will wissen, wie es hier läuft, damit ich euch alle schnell unterstützen kann. „Man sollte engagiert, interessiert und motiviert sein, aber nicht besserwisserisch und altklug auftreten und vor allem sich selbst nicht das Leben dadurch unnötig schwer machen, dass unrealistische Ziele gleich zu Anfang anvisiert werden“, erläutert Petra Begemann.
Häufig unterschätzen Anfänger auch, wie viel Kraft solch ein Jobeinstieg kostet, deshalb sollte das Privatleben nach Möglichkeit nicht zusätzlich belasten, sondern im Idealfall Hilfe bieten – vielleicht ließe sich im privaten Umfeld sogar ein informeller Mentor finden, wenn das Unternehmen selbst keinen „Paten“ in der Einarbeitungsphase stellt.
Dennoch sind viele Studierende auf den Wechsel in den Beruf schlecht gerüstet, so Diplom-Psychologe Norbert Philippen von der Zentralen Studienberatung der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.
Philippen meint damit weniger das fachliche Rüstzeug. Die Ängste seien insgesamt, angesichts der aktuell eher schlechten Rahmenbedingungen, größer geworden, beträfen auch das Private, wenn beispielsweise durch den ersten Job eine Trennung vom Lebenspartner unausweichlich wird.
Der Großteil der Studierenden stolpere – mit oder ohne Angst – einfach in den Beruf hinein. Diejenigen, bei denen sich berechtigte Unsicherheiten vor der ungewissen Zukunft in destruktive Angst wandeln, hätten diese Entwicklung jedoch meist durch rechtzeitiges Bewusstmachen der Probleme des Berufseinstiegs verhindern können, weiß Norbert Philippen.
Habe ich ein Programm, falls ich Angst bekommen sollte? Und wenn ich kein Programm habe, wo finde ich dann eins?
Diese Fragen sollten sich alle Studierenden bereits während des Studiums stellen, doch gerade Ingenieure zeichneten sich durch eine gewisse Beratungsresistenz aus, wenn es um Softskills und um die eigenen Persönlichkeitsmerkmale geht. „Ich denke manchmal, dass ich den Ingenieuren eher ein Baggerseminar verkaufen könnte, als eines zum Thema “Wie kann ich mit Ängsten leben“, schildert Norbert Philippen seine Erfahrung, die er insbesondere mit Absolventen der RWTH gemacht hat.
Zugleich warnt er vor dem Karriereknick gleich zu Anfang, von dem man sich dann umso schlechter erholen könne, da die Gründe für solch eine „Niederlage“ von den Betroffenen wegen ihrer fehlenden Lebens- und Berufserfahrung nur schwer einzuordnen seien.
Selbstbewusste Absolventen könnten natürlich auch ohne Anleitung in sich hineinschauen, um den mentalen, im Vergleich zum Studium ganz anderen Anforderungen im Job gerecht zu werden. Denn ohne eine entsprechende „Software“ für Konflikte beispielsweise und mit zu großem Harmoniedrang gehen auch Absolventen mit erstklassigem Abschluss im Beruf unter. „Andererseits gibt es aber auch ein bestimmtes Ingenieurselbstbewusstsein“, konstatiert Norbert Philippen. Das drücke sich dann so aus: Ich bin nicht vollkommen, aber ich bin gut drauf. Was ich eventuell brauche, einen Mentor oder sonstige Hilfen, kann ich mir holen. „Das ist pulvertrocken gedacht, aber um solche Typen mache ich mir wenig Sorgen.“ MANFRED BURAZEROVIC

Ein Beitrag von:

  • Dr. Manfred Bergheim

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