Arbeitsmarkt 02.12.2005, 18:41 Uhr

Anforderungen an Ingenieure hochgeschraubt  

VDI nachrichten, New York, 2. 12. 05 – Massives Outsourcing von Fertigung und Entwicklung nach Asien sowie die Nachwehen des Dotcom-Booms haben in den USA zu einem Überangebot an Ingenieuren geführt. Die Personalchefs und Fachbereichsleiter freuen sich über die hohen Anforderungen, die sie neuerdings an Ingenieure stellen können. Facharbeiter hingegen werden angeblich händeringend gesucht.

Für amerikanische Ingenieure wird die Jobsuche immer schwieriger. Hintergrund ist ein kontinuierlicher Anstieg der Absolventenzahl in den entsprechenden Studienfächern sowie eine zunehmende Verlagerung von Fertigungs- und Entwicklungsarbeitsplätzen ins asiatische Ausland. So graduierten die amerikanischen Universitäten im vorigen Jahr insgesamt rund 120 000 Ingenieure, das waren 4000 mehr als im Jahr zuvor und 10 000 mehr als 2001. Parallel dazu ging jedoch laut einem Bericht des Arbeitsministeriums die Gesamtzahl der Ingenieur-Arbeitsplätze von 2000 bis 2003 um 8,7 % zurück. Das betraf vor allem die fertigungs-orientierten Ingenieurarbeitsplätze, die meist durch Outsourcing nach Indien, China und Russland wegfielen. Doch inzwischen werden auch zunehmend Forschungs- und Entwicklungszentren (R&D) in diese Länder verlagert. Cisco, IBM, Intel, AMD, Texas Instruments, Sun und Whirlpool gehörten zu den ersten US-Unternehmen, die das gut ausgebildete Ingenieurpotenzial in diesen Ländern zu nutzen begannen.

Inzwischen gibt es fast kein Fortune-500-Unternehmen mehr, das nicht in diesen Ländern mit F+E-Zentren vertreten ist. Hauptgrund für diesen Trend ist vor allem das günstigere Gehaltsniveau. So verdient ein Chipdesigner in Indien nur etwa ein Fünftel von dem, was sein US-Kollege bekommt.

Ein weiterer Grund für das Überangebot an Ingenieuren sind die Spätfolgen des Dotcom-Booms, der damals zu einer immensen Ausbildungsschwemme bei den computerbezogenen Ingenieur-Disziplinen geführt hat. Trotzdem ist die US-Ingenieurschwemme bei den fertigungsbezogenen Disziplinen am größten. „Für die Stelle eines Schichtleiters bei einem Automobilzulieferer in Butler, Pennsylvania, bekam ich über 200 Bewerbungen“, berichtet Rich Carver, ein Personalberater in Pittsburgh. Von diesen 200 Bewerbern wurden nur sechs zu einem Gespräch eingeladen und die Stelle war in wenigen Tagen besetzt.

Bei anderen Firmen ist das Verhältnis von Ingenieur-Bewerbungen zu -Einstellungen noch schlechter. So gingen bei Microsoft im vorigen Jahr rund 100 000 Bewerbungen von Akademikern ein, doch nur 1000 davon wurden eingestellt. „Wir bekommen monatlich rund 60 000 Bewerbungen mit unterschiedlichem Background“, sagte eine Unternehmenssprecherin über die Attraktivität, bei der weltweit größten Softwareschmiede zu arbeiten. Für seine Spitzenpositionen in Forschung und Entwicklung stellt Microsoft inzwischen nur noch promovierte Wissenschaftler ein. „Die Bewerbungszahlen dafür sind so hoch, dass uns die Auswahl immer schwerer fällt“, sagt Rick Rashid, Chef des Forschungslabors in Redmont.

Keith Peden, Vicepräsident beim Rüstungskonzern Raytheon in Waltham, Massachusetts, sieht als Folge der gegenwärtigen Angebotsflut vor allem steigende Ansprüche auf der Unternehmensseite. „Wir können unseren Personalbedarf weiterhin problemlos abdecken, obwohl die Anforderungen exponentiell angestiegen sind“, bestätigt sein Personalchef William Swanson.

Diese höheren Ansprüche äußern sich einerseits in mehr Basisqualifikation und andererseits in mehr Spezialwissen. So stellt das Rüstungslabor Sandia nur noch Ingenieure mit einem Doktor- oder Master-Abschluss ein, während gleichzeitig manche Job-Beschreibungen detaillierte Programmiersprachen-Kenntnisse (C++) oder ganz spezielle CAD-Programm-Erfahrungen verlangen. Wabtec, ein Hersteller von Baugruppen für Lokomotiven in Wilmerding, Pennsylvania, verlangte jüngst in einer Stellenbeschreibung für einen Konstrukteur „Erfahrungen mit Pro/Engineer Wildfire 2.0“, einer 3-D CAD-Software, die erst seit Februar 2003 auf dem Markt ist.

Ein derartig detailliertes Anforderungsprofil hat den Vorteil, dass die Bewerbungsflut von Online-Bewerbungen besser gefiltert werden kann. „Wir setzen inzwischen zur Vorselektion von Internet-Bewerbungen erfolgreich Software-Filter ein, die nach bestimmten Schlagwörtern Ausschau halten und uns die Arbeit erheblich vereinfachen“, sagt Linda Olin-Weiss aus der Personalabteilung von Lockheed-Martin.

Im Gegensatz zum Überschuss an Ingenieuren fehlt es in den USA dagegen an geeigneten Facharbeitern in der Fertigung. So meint der US-Verband der Fertigungsindustrie (NAM), dass der Mangel bereits erhebliche wirtschaftliche Folgen hätte. In einer Umfrage unter den Mitgliedern berichten 81 % von „ernsthaften bis bedrohlichen“ Schäden durch den Mangel an geeignetem Fachpersonal. Insgesamt seien 10 % dieser Stellen unbesetzt. Besonders gravierend sei die Situation bei Schweißern und in der Bedienung von Fertigungszentren. „Ich könnte mindestens 15 Facharbeiter anstellen – falls ich sie finden würde“, sagt Ronald Bullock, Chef von Bison & Gear Engineering, einem Zulieferbetrieb mit 200 Mitarbeitern in Charles, Illinois.

Experten führen den Fachkräftemangel vor allem auf eine unzureichende Aus- und Weiterbildung der Industrie zurück. „Bei den meisten Unternehmen können im Durchschnitt nur 3 % der Belegschaft an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, und bei 22 % der Firmen ist es sogar weniger als 1 %“, sagt Michael Handel von der Northeastern University in Boston, der im vorigen Jahr eine Untersuchung über die Situation der US-Facharbeiter durchgeführt hat. Dass die Anforderungen in den letzten Jahren angestiegen sind, bestätigt auch Jerry Jasinowski, Chef der Research-Abteilung des NAM. Doch seiner Ansicht nach sei der Vorwurf, dass die Firmen sich zu wenig um die Mitarbeiterschulung kümmern würden, unbegründet. „Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass 50 % der Unternehmen in diesem Jahr mehr für die interne Schulung ausgegeben haben als im Vorjahr.“ H. WEISS

www.asee.org

www.dol.gov

Microsoft erhält 100 000 Anfragen im Jahr

 

Ein Beitrag von:

  • Harald Weiss

    Freier IT-Journalist, IT-Analyst und IT-Consultant in Kaiserslautern. Nach verschiedenen Positionen in Softwareentwicklung,  MarCom und PR, 17 Jahre President New York Reporters in New York. Seit 2016 freischaffend wieder in Deutschland.

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