Fachkräftemangel 04.12.2009, 19:44 Uhr

Altersstruktur: Risikofaktor für Ost-Betriebe  

Die Mehrheit der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie ist auf die Knappheit an Arbeitskräften nicht vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Arbeitsmarktforschers Burkart Lutz vom Zentrum für Sozialforschung an der Universität Halle. Er rechnet mit härter Konkurrenz um Arbeitskräfte und stärkerer Lohnspreizung. VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 12. 09, has

Noch zehren die Metall- und Elektrounternehmen in den neuen Ländern von dem großen Angebot an Arbeitskräften, vor allem an Schulabgängern, deren Zahl in den ersten Jahren nach der Wende stark gestiegen ist. Doch bald schon werde sich sich das Ungleichgewicht zu Lasten der Arbeitgeber verändern, schreibt Lutz in seiner Untersuchung, die er für die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung erstellt hat. Die Ursachen: Eine sinkende Geburtenrate und der Wegzug von per saldo 1,1 Mio. Menschen in die alten Bundesländer seit 1990.

Viele Betriebe haben den künftigen Fachkräftemangel nicht erkannt oder sich durch Zahlen blenden lassen, meint Lutz. Denn der Anteil der Facharbeiter ist höher als im Westen, der Anteil der Ungelernten geringer.

Vor diesem Hintergrund hätten Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen zehn Jahren, als die Schulabgängerzahlen in den neuen Ländern hoch waren, die Chance „viel zu wenig genutzt“, um ihre Mannschaften zu verjüngen, sagt Lutz. Anders lasse sich kaum erklären, dass die Zahl der unter 35-jährigen Mitarbeiter gesunken, die Zahl der über 51-jährigen jedoch gestiegen ist.

Ein Rezept gegen Überalterung und einen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist die Ausbildung, sagt Christian Haag, Werksleiter bei KSB in Halle, einem Hersteller von Pumpen. Von den rund 500 Beschäftigten am Standort Halle sind 40 Auszubildende. Das Durchschnittsalter beträgt ohne Lehrlinge gut 46 Jahre.

Die Finanzkrise erleichtert die Gewinnung von Fachkräften

Auch bei MSG in Halle-Ammendorf gibt es Bedarf an Fachkräften, sagt Geschäftsführer Uwe Albrecht. Das Unternehmen ging 2006 aus dem Waggonbau Ammendorf hervor. Damals wurden 36 Mitarbeiter beschäftigt, heute sind es 175, das Durchschnittsalter liegt bei 45 Jahren und ist damit, wie Albrecht sagt, „zu hoch“.

MSG bildet zwar nicht selbst aus, ist aber an eine überbetriebliche Ausbildungsstätte angebunden. Dort absolvieren die Lehrlinge den theoretischen Teil, die praktische Ausbildung erfolgt bei MSG. Ausgebildet wird in technischen (Mechaniker, Lackierer) und in kaufmännischen Berufen. Auch wenn es nach der Finanzkrise einfacher geworden sei, Fachkräfte zu rekrutieren, seien Lackierer oder Schweißer noch immer schwer zu bekommen, sagt Albrecht. MSG müsse strenge Vorgaben seines Kunden Deutsche Bahn erfüllen. Wer z. B. als Schweißer eingestellt werden möchte, muss eine Arbeitsprobe abliefern, die auf Herz und Nieren geprüft wird.

Trotz dieser Hürde sind in den vergangenen Jahren die Auszubildenden unbefristet übernommen worden – über die zwölf Monate hinaus, die der Metalltarifvertrag vorsieht und an den sich der Haustarif von MSG anlehnt.

Neben der beruflichen Ausbildung gehen KSB und MSG noch einen anderen Weg, um Fachkräfte zu binden: Sie beschäftigen Studenten im Praxisverbund. Dabei wird eine gewerbliche Berufsausbildung mit einem Ingenieurstudium verbunden. Diese Initiative wurde von Arbeitgebern und der IG Metall gegründet. Bei KSB haben nach Angaben von Betriebsrat Steffen Gebauer vier Auszubildende diese Kombination gewählt, bei MSG nach Angaben von Geschäftsführer Albrecht eine junge Frau. Zudem schreiben zwei Ingenieure ihre Diplomarbeit in Kooperation mit MSG. Eine geringe Wertschätzung von Metallberufen gebe es bei jungen Menschen nicht mehr, sagt Manfred Pettche von der IG-Metallverwaltungsstelle Dessau. Das sei in den Nach-Wendejahren anders gewesen, als in der Metallindustrie viele Arbeitsplätze weggefallen waren. Heute gebe es mit der Übernahme nach der Lehre wenig Probleme.

Metallberufe haben ihren schlechten Ruf aus den Nach-Wendejahre abgelegt

Schwierigkeiten bei der Suche nach Mitarbeitern hätten vor allem Zulieferbetriebe, die nicht in der Lage seien, attraktive Löhne zu zahlen, sagt KSB-Werkleiter Haag. KSB Halle ist tarifgebunden in der Metall- und Elektroindustrie, das Gehaltsniveau sei vergleichbar dem in Rheinland-Pfalz. Mittelfristig erwartet Haag für die Region jedoch Probleme bei der Gewinnung von Mitarbeitern – vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Schulabgänger seit 2005 um 35 % gesunken.

Nur eine Minderheit der ostdeutschen Metall- und Elektrobetriebe werde von der künftigen Knappheit auf dem Arbeitsmarkt wenig oder kaum betroffen sein, glaubt Arbeitsmarktforscher Lutz. Das seien jene, die sich, vorausschauend handelnd, auf die Knappheit einstellten sowie jene Betriebe, für die gut ausgebildete Kräfte nicht entscheidend seien, weil sie auf prekäre Beschäftigung und gering qualifizierte Kräfte setzten.

Den Großteil der Betriebe hingegen werde der Mangel an Fach- und Führungskräften „hochgradig unvorbereitet“ treffen, weil sie sich in dem bisherigen Überangebot gut eingerichtet hätten, sagt Lutz. Er erwartet, dass es beim Wettbewerb um knappe Arbeitskräfte zu unübersichtlichen Gehaltsstrukturen und einer größeren Lohnspreizung kommen wird, von der vor allem jüngere gut Ausgebildete profitieren werden – zu Lasten älterer und langjähriger Mitarbeiter. HARTMUT STEIGER

Von Hartmut Steiger
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