Karriere 01.04.2011, 19:52 Uhr

„Alleinunterhalter wie Daniel Düsentrieb sind lange ausgestorben“

Thomas Lindner ist keiner, der predigt, dass Technologiebegeisterung bereits im Kindergarten beginnt. Der neue VDMA-Präsident ist ein Macher. Bald schon wird es in seiner Heimat Albstadt ein neuartiges Bildungsmodell geben. Es soll langfristig den Ingenieurmangel lindern.

VDI nachrichten: “Wettbewerbsfähigkeit beginnt im Klassenzimmer“ wurden Sie in einem Artikel zitiert. Was bringt Schülern eine ständige Wettbewerbssituation?

Lindner: Es ist einfach zu spät, wenn Qualifikation erst an der Hochschule oder im Betrieb stattfindet. Sie muss viel früher ansetzen, schon vor dem Klassenzimmer, nämlich im Kindergarten. Das sind heute oft eher Aufbewahrungsstationen, als dass sie der frühkindlichen Entwicklung dienen. Daran muss sich etwas ändern.

Wie?

In der frühkindlichen Erziehung könnten wir deutlich mehr Lerninhalte vermitteln. Nicht im Sinne von Schulwissen, sondern im Sinne von lernendem Spielen.

An Ihrem Wohnort in Albstadt soll Pädagogik in diese Richtung gehen.

Ja, wir haben gemeinsam mit dem Staatlichen Seminar für Lehrerfortbildung und Didaktik eine mehrstufige Fortbildungsreihe unter dem Motto ‚Naturwissenschaftliche Bildung für Erzieherinnen und Grundschullehrer’ konzipiert. Die Seminare wurden begeistert angenommen und waren regelmäßig ausgebucht.

Uns zeigte das: Es gibt ein hohes Bedürfnis bei Pädagogen, sich technisches Wissen anzueignen und an die Kinder weiterzugeben. Aus dieser Fortbildungsidee ist mittlerweile mit unserer Unterstützung der Naturwissenschaftliche Stützpunkt Albstadt entstanden, der Weiterbildungsangebote für Erzieher bis hin zum Gymnasiallehrer anbietet.

Ließe sich Albstadt auf Deutschland übertragen?

Dazu müsste bundesweit definiert werden: Was soll eigentlich das Lernziel einer Hauptschule oder eines Gymnasiums sein, wie messe ich diese Lernziele, welche Teilziele ergeben sich daraus?

Erst dann kann man sagen, welche Ressourcen notwendig sind, um die definierten Ziele zu erreichen. Wir sind in Albstadt in dieser Frage wohl schon ein wenig weiter.

Sie engagieren sich in Albstadt über die Groz-Beckert-Stiftung in Sachen Bildung und Sie haben vor, eine Bildungslandschaft auf der Alb nach Ihren Vorstellungen zu etablieren. Gedeiht Ihr Projekt?

Ja, zurzeit läuft eine Architektenausschreibung. Das Konzept sieht eine Integration von Kindergarten, Ganztagesbetreuung und Grundschule vor für Kinder im Alter von drei Monaten bis 10 Jahren.

Fernziel wird wohl sein, junge Leute für ein Ingenieurstudium zu begeistern?

Ja, um dem Ingenieurmangel zu begegnen.

Ein anderer Ansatz könnte doch auch sein, dafür zu sorgen, dass nicht jeder Zweite am Ingenieurstudium scheitert.

Auch auf diese Frage ein eindeutiges Ja. Ich will drei Gründe nennen: die Eingangsqualifikationen müssen transparenter sein.

Jeder der zum Beispiel Maschinenbau studiert, muss wissen, dass Mathematik und Physik die wichtigsten Fächer sind. Wer hier Defizite hat, könnte vor Studienbeginn systematisch geschult werden.

Und es gibt manche Professoren, die in hohen Durchfallquoten eine persönliche Erfolgsstory sehen. Das darf nicht sein.

In diesem Jahr dürften gut 20 000 Maschinenbauingenieure mit ihrem Studium fertig werden. Damit hat die Branche doch genügend Auswahl bei der Besetzung offener Stellen.

Wir gehen davon aus, dass wir nur ein Viertel der Absolventen bekommen können. Das liegt mit daran, dass es im Maschinen- und Anlagenbau mehr kleinere und mittelständische Firmen gibt als in anderen Industrien. Mit diesen buhlen wir um Absolventen und Professionals, die auch gebraucht werden.

Die großen Konzerne der Automobilindustrie zum Beispiel bezahlen meist mehr als ein kleiner Mittelständler aus unserer Branche. Das macht unseren Unternehmen das Leben schwer. Hinzu kommt der Bekanntheitsgrad, der bei der Arbeitgeberwahl eine große Rolle spielt: Nach wie vor wollen halt die meisten zu BMW und Mercedes gehen.

Welche Skills braucht ein Maschinenbauingenieur heute unbedingt?

Er braucht ein fundiertes und durchaus breites Grundlagenwissen in den technischen Disziplinen – von der Werkstoffkunde bis zur Thermodynamik, von der Konstruktionslehre bis hin zu betriebswirtschaftlichen Kenntnissen.

Eine Branche mit einer Exportquote von 75 % braucht Ingenieure mit ausgeprägten Fremdsprachenkenntnissen. Da gehe ich inzwischen so weit zu sagen, dass Englisch selbstverständlich sein und gar nicht mehr geprüft werden sollte. Eigentlich müsste eine weitere Fremdsprache dazukommen.

Als drittes finde ich wichtig, dass sich die jungen Leute in den sozialen Netzwerken eines Unternehmens zurechtfinden. Wie verhalte ich mich, wie kommunikations- und kooperationsfähig bin ich? Das sind zunehmend wichtige Themen, weil Alleinunterhalter wie Daniel Düsentrieb schon lange ausgestorben sind. PETER ILG

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