Expatriates 26.10.2012, 19:55 Uhr

Abenteuer Ausland auf Zeit

Einige Jahre im Ausland zu arbeiten, stillt nicht nur die Abenteuerlust. Ein Auslandseinsatz fördert zudem Karrieren. Expatriates sind auf Zeit versetzte Mitarbeiter und oft in ähnlichen Lebensphasen. Deshalb tun sich Unternehmen schwer, genügend geeignete Kandidaten zu finden.

Auslandseinsätze fördern Karrieren.

Auslandseinsätze fördern Karrieren.

Foto: pexels.com/picjumbo.com

Wenn in Deutschland Frühling ist, ist in Südafrika Herbst. „Das ist die schönste Jahreszeit“, sagt Jürgen Seitz. Mit dem Sommer endet die Regenzeit, dann folgen sonnige Tage und Temperaturen um die 20 °C.

Seitz (39) erlebt bereits den zweiten Frühling in Südafrika. Im März 2010 zog er mit Frau und einjährigem Sohn nach Pretoria, im September 2011 kam Mona auf die Welt. Der stolze Papa ist Wirtschaftsingenieur und als Expatriate von BMW für einige Jahre nach Südafrika versetzt. Seitz arbeitet im Werk in Rosslyn, einem Vorort von Pretoria. Er ist auf eigenen Wunsch für den Produktionsanlauf des neuen 3-er-Modells nach Südafrika gezogen. Die Zeit ist für ihn ein „Highlight in meinem Berufsleben“. Und ein Auslandsaufenthalt ist fast schon notwendig für die Karriere.

Expatriates sind Mitarbeiter, die Unternehmen vorübergehend in einer ausländischen Niederlassung einsetzen. Rechtlich sind das interne und zeitlich befristete Versetzungen mit neuen Arbeitsverträgen. Der Zeitrahmen liegt zwischen einem und drei, mitunter auch bei fünf Jahren, wenn es die ausländischen Arbeitsgesetze zulassen. Etwa 1000 Entsandte hat BMW zurzeit. „Und es werden immer mehr“, sagt Oliver Grundmann, der bei BMW in München als Leiter Human Resources International für die Einsätze von und nach Amerika, Europa und Südafrika zuständig ist.

Der typische Expatriates ist männlich

Expatriates sind häufig zwischen 30 und 40 Jahre alt, männlich, haben eine mitreisende Partnerin und Kleinkinder. Etwas mehr als die Hälfte der Entsandten haben technische Berufe, und auch mit kaufmännischem Hintergrund werden es immer mehr. „Früher ging es vorwiegend um die Lösung technischer Aufgaben, heute zunehmend um den Aufbau interkultureller Kompetenz“, sagt Grundmann. BMW ist davon überzeugt, dass interkulturelle Teams die Anforderungen der Kunden in einem globalen Markt besser verstehen und erfüllen können. Daher versetzt der Automobilbauer immer mehr Mitarbeiter ins Ausland.

Mehr als 100 weitere Expatriates sucht BMW aktuell für China – als Entwickler und für ein neues Produktionswerk im Nordosten, in Tiexi – und rührt dafür ordentlich die Werbetrommel. „Wir haben in unserem Forschungs- und Innovationszentrum in München ein China-Haus erreichtet, in dem sich Interessierte schlau machen können“, so Grundmann. Je mehr Auslandsmitarbeiter gebraucht würden, umso mehr Aufwand müsse betrieben werden, um geeignete Mitarbeiter zu finden. Bis zum Jahresende sollen rund 500 weitere Mitarbeiter nach China entsandt sein.

BMW hat mit denselben Problemen zu kämpfen, wie viele andere Unternehmen auch: Junge Mitarbeiter würden gerne gehen, doch ihnen fehlt die Erfahrung. Wenn sie älter sind, haben sie Familie und wollen nicht mehr von zu Hause weg. Andreas Bittner: „Die chinesische Provinz ist als Standort wenig reizvoll, ältere Mitarbeiter ab 50 Jahren werden von den Unternehmen zu wenig berücksichtigt und meist sind die Stellen so speziell, dass nur eine Handvoll an Bewerbern in Betracht kommt.“

Expatriates erfüllen eine Doppelfunktion

Bittner ist Psychologe und geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Interkulturelles Management in Rheinbreitbach. Das Unternehmen bietet Unternehmen und dessen Mitarbeitern interkulturelle Beratung und Trainings an. Bittner stellt fest, dass die Entsendungen eine Doppelfunktion haben: „Es soll die vakante Position im Ausland besetzt werden, die Entsendung dient zugleich der Personalentwicklung.“ Ein Auslandsaufenthalt ist heutzutage Standard im Lebenslauf angehender und gestandener Manager.

„Wer im Ausland war, macht leichter Karriere“, sagt Cornelia Hafner. Sie ist bei Kärcher in Winnenden, Hersteller von Reinigungsgeräten, zuständig für Entsendungen. 15 Expatriates hat das Unternehmen zurzeit entsandt, überwiegend Ingenieure, die meisten in der Nähe von Schanghai, dem Fertigungsstandort des Unternehmens in China.

Jetzt sucht das Unternehmen weitere Mitarbeiter für China, hat die Stellen ausgeschrieben und 30 Interessierte für eine Informationsveranstaltung eingeladen. Kärcher bereitet seine Mitarbeiter durch interkulturelle Trainings auf ihren Einsatz vor, sie können in einem Online-Test ihre interkulturellen Fähigkeiten testen und sie dürfen sich ihre neue Heimat auf Zeit für eine Woche auf Firmenkosten anschauen. Erst dann müssen sie sich entscheiden.

Expatriates: „Häufig wird die Reintegration unterschätzt“

„Häufig wird die Reintegration unterschätzt“, weiß Hafner. Bei der Rückkehr könne der Chef ein anderer, ebenso neue Kollegen in der Abteilung hinzugekommen sein. So es überhaupt in den alten Bereich geht, wenn nicht gleich in eine andere Abteilung, vielleicht sogar als Führungskraft. Alle Expatriates bei Kärcher haben einen Mentor, der sich um eine neue Stelle nach der Rückkehr aus dem Ausland kümmert.

Auch die Entsandten von BMW haben einen Mentor in der Heimat – und wenn sich mehrere Mitarbeiter um eine Stelle bewerben, genießen die Rückkehrer Priorität gegenüber anderen Kandidaten. Seitz bleibt noch bis Ende März 2014 in Pretoria, dann geht es für die Familie zurück nach Deutschland, weil der Sohn eingeschult wird. Auch deshalb ist Seitz ein typischer Expatriate.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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