Xing & LinkedIn 03.06.2015, 11:45 Uhr

46 % der Unternehmen checken Social-Media-Profile der Bewerber

Fast jedes zweite Unternehmen prüft die Social-Media-Seiten der Bewerber – noch bevor es zu einem Vorstellungsgespräch kommt. Wilde Partybilder sind allerdings nicht der Grund für eine Absage. Das hat der Digitalverband Bitkom in einer Studie herausgefunden.   

"Azubi-Speed-Dating" bei Bosch: Personalchefs achten nicht nur auf das persönliche Auftreten der Bewerber. Immer mehr checken auch Social-Media-Profile, in 62 % der Fälle noch vor dem Vorstellungsgespräch.

"Azubi-Speed-Dating" bei Bosch: Personalchefs achten nicht nur auf das persönliche Auftreten der Bewerber. Immer mehr checken auch Social-Media-Profile, in 62 % der Fälle noch vor dem Vorstellungsgespräch.

Foto: Andreas Arnold/dpa

Wenn Unternehmen die Social-Media-Profile von Jobinteressierten checken, stürzen sie sich meist auf Xing und LinkedIn (39 %). Weniger wichtig sind die eher privat ausgerichteten Plattformen Facebook und Twitter (24 %). Zu diesem Ergebnis kommt der Branchenverband Bitkom. Der Digitalverband hat 408 Personalverantwortliche in Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern zu ihrer Strategie beim Bewerbercheck befragt.

„Profile in Sozialen Netzwerken sind oft aussagekräftiger als eine kurze Bewerbung“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Deshalb werden Personalabteilungen künftig noch häufiger darauf zurückgreifen, um sich ein Bild von Kandidaten zu machen.“

Vorstellungsgespräche platzen wegen Social-Media-Profilen

Der Onlinecheck kann Bewerbern leicht einen Strick drehen: 15 % der Personalchefs haben sich nach dem Check schon einmal dafür entschieden, das Vorstellungsgespräch platzen zu lassen oder Kandidaten den Job doch nicht anzubieten.

Vor und auch nach dem Bewerbungsgespräch nutzen Personalmanager die Profile in sozialen Netzwerken, um sich ein Bild zu machen.

Vor und auch nach dem Bewerbungsgespräch nutzen Personalmanager die Profile in sozialen Netzwerken, um sich ein Bild zu machen.

Foto: Bitkom

Und was stößt ihnen am meisten sauer auf? In 90 % der Fälle sind es Widersprüche zu den Bewerbungsunterlagen. 32 % der Personalverantwortlichen berichten zudem von inkompetenten fachlichen Aussagen der Kandidaten, 6 % haben beleidigende Äußerungen gefunden.

Politische Ansicht spielt beim Onlinecheck meist keine Rolle

Die Personalchefs wissen genau, worauf sie achten müssen: Im Mittelpunkt ihres Interesses steht beim Onlinecheck die fachliche Qualifikation (89 %). Zudem registrieren sie öffentliche Äußerungen zu Fachthemen (72 %) und zum Unternehmen und seinen Wettbewerbern (56 %). Interessant sind auch Hobbys der Kandidaten (44 %) und Fotos von privaten Aktivitäten (34 %). Uninteressant hingegen sind für die meisten Personalchefs die politische Ansicht der Bewerber (4 %) und die Anzahl seiner Kontakte in den Netzwerken (5 %).

Ausgelassene Partybilder überraschenderweise unwichtig

Und was ist, wenn Bewerber auf Facebook Fotos posten, auf denen sie besoffen Bierdosen auf dem Kopf balancieren? Das ist gar nicht so schlimm, zeigt die Bitkom-Studie. „Kein Personalentscheider ist so weltfremd, dass er Bewerber aussortieren würde, weil sie ausgelassen feiern“, sagt Rohleder, relativiert aber auch: „Es gibt aber Grenzen bei dem, was öffentlich ins Netz gestellt werden sollte.“ Beim Besoffen-Bierdose-Balancieren also besser die Hose anlassen.

Personaler nutzen soziale Netzwerke vor allem, um sich über die Qualifikationen der Bewerber zu informieren.

Personaler nutzen soziale Netzwerke vor allem, um sich über die Qualifikationen der Bewerber zu informieren.

Foto: Bitkom

Und wann führen Personalchefs die Onlinechecks durch? Das ist ganz verschieden, zeigt die Studie: 62 % Prozent prüfen die Social-Media-Profile vor dem Vorstellungsgespräch, 39 % danach, 30 % bei der ersten Sichtung der Unterlagen. 12 % stürzen sich noch einmal vor der Vertragsunterzeichnung auf die Profile.

Die Bitkom rät dazu, Onlineprofile kontinuierlich zu pflegen. Rohleder: „Ein bewusst gepflegtes Profil kann die Bewerbungsunterlagen ergänzen, die eigenen Qualifikationen unterstreichen und das Bild eines Kandidaten abrunden.“ 

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