Arbeitsmarkt 14.03.2003, 18:24 Uhr

40-Stunden-Woche ist die Regel

Beim Systemhaus Triaton hat die Gewerkschaft einem Haustarif zugestimmt, der eine 40-Stunden-Woche zulässt sowie Sonderzahlungen, die sich am Ertrag orientieren.

Tarifgehälter bis 111 000 l im Jahr, eine 40-Stunden-Woche, eine Jahressonderzahlung, die sich auch am Unternehmensgewinn orientiert – das sind Eckpunkte des Haustarifvertrags, der jetzt für die mehr als 2000 Mitarbeiter des Systemhauses Triaton GmbH in Krefeld abgeschlossen wurde. Federführend in der Tarifgemeinschaft, die diesen Abschluss erreichte, ist die IG Metall.
„Richtungsweisend für die Informationstechnik-Branche“ nennt Oliver Burkhard, IG-Metall-Tarifsekretär, die Einigung. Vorbildlich sind dabei nicht die einzelnen Strukturmerkmale, sondern das Prozedere: Einer IT-Firma, die drei unterschiedliche Mütter hat, wird ein Tarif maßgeschneidert. Und mit diesem Tarif will das Systemhaus in einer Branche konkurrenzfähig bleiben, in der Tarife die Ausnahme sind. „Derzeit heißt es wie bei McDonald’s: Take two, pay one, nimm zwei Programmierer, bezahle nur einen“, berichtet Peter Chylla, Chef der Triaton GmbH und Vorstand bei der Triaton-Muttergesellschaft ThyssenKrupp Serv AG in Düsseldorf. Triaton entstand aus den IT-Häusern der früheren Stahlhütten Hoesch AG (Dortmund), der Fried. Krupp GmbH (Essen), der Thyssen AG (Düsseldorf) und des HiServ-Systemhauses des früheren Chemiekonzerns Hoechst AG (Frankfurt/Main). Die Mitarbeiter der Häuser waren bei der IG Metall – sowohl im Metall- wie im Stahltarif –, bei der IG Chemie – jetzt IGBCE – und der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG/jetzt Gewerkschaft ver.di) organisiert.
Es galten Arbeitszeiten von 35 bis 40 Stunden in der Woche sowie höchst unterschiedliche Vergütungen und Sozialbedingungen. Ein Jahr lang kostete es, bis diese Regelwerke durch einen Haustarif abgelöst wurden. „Dabei ist klar, dass nicht jeder gewinnen kann“, meint Triaton-Chef Chylla.
Für die IG Metall, die in der Tarifgemeinschaft mit ver.di und der IGBCE die Gespräche führte, ist wichtig, dass die Entgelte in der Summe gestiegen sind. Dass es aus Sicht dieser Gewerkschaft „gewöhnungsbedürftig“ ist und „unsere klassische Klientel erschreckt“, wieder eine 40-Stunden-Woche fest zu schreiben, räumt Tarifsekretär Oliver Burkhard unumwunden ein. Schließlich hatte die IG Metall die 35-Stunden-Woche erstritten und sogar eine 32-Stunden-Woche diskutiert. Bei Triaton ist sogar bei einzelnen Projekten eine 48-Stunden-Woche möglich, die dann über einen Zeitraum von einem Jahr wieder ausgeglichen werden muss.
Auch die Einstufung der Mitarbeiter in „Rollen- und Entgeltbänder“, die eine hohe Spreizung der Gehälter für vergleichbare Tätigkeiten zulässt, ist für eine Gewerkschaft nicht typisch. Das gilt auch dafür, dass Teile des 13. Gehalts vom Jahresgewinn abhängen – bei Triaton-Verkäufern zu einem größeren Teil als bei Innendienstlern.
Selbst Tariferhöhungen werden nicht einheitlich an alle Mitarbeiter ausgezahlt: Wird beispielsweise eine Erhöhung von 3 % abgeschlossen, so fließen 2 % an alle, das verbliebene 1 % – also ein Drittel der Gesamterhöhung – wird je nach der „Performance“ des Einzelnen ausgezahlt: „Leistung kann belohnt werden“, wie Chylla und Burkhard es sehen, „Bezahlung nach dem Nasenprinzip“, wie Kritiker aus dem Betrieb es sehen.
Trotzdem sind die drei Gewerkschaften und die Triaton-Geschäftsführung mit dem Vertragswerk zufrieden. Er reiht sich ein in Haustarife, die auf die Hightech-Firmen maßgeschneidert wurden. Die „Eintrittskarte“ für diese Tarifverhandlungen erhielt die IG Metall meist über den Alt-Konzern – so etwa beim früheren Daimler-Benz-Systemhaus debis. Dort handelte die Gewerkschaft einen metallnahen Tarifvertrag aus, der auch jetzt noch gilt, obwohl debis inzwischen von der Telekom-Tochter T-Systems übernommen wurde.
Auch die Rheinmetall Informations-Systeme – das IT-Haus von Rheinmetall mit 1500 Beschäftigten in ganz Deutschland – hat einen metallnahen Haustarif mit einer 38,5-Stunden-Woche. Dieser greift auch aktuell noch, obwohl inzwischen IBM Deutschland die Firma gekauft hat. Dabei hatte IBM schon vor Jahren ihr Unternehmen aus den Tarifen der IG Metall heraus gelöst und mit der DAG abgeschlossen.
MARTIN ROTHENBERG

Ein Beitrag von:

  • Martin Rothenberg

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