Kripo testet intelligente 3D-Zwillinge von Tatorten
Digitale Zwillinge von Tatorten ermöglichen Ermittlern dank KI eine spätere, interaktive Spurensuche, Objektanalyse und präzise Rekonstruktion.
Der Tatort eines Gewalterbrechens kann meist nur für einen kurzen Zeitraum von der Kripo genutzt werden. Ein digitaler Zwilling soll langfristig Ermittlungen ermöglichen.
Foto: Smarterpix / Corepics
Auch wenn reale Polizisten den „Tatort“-Drehbuchautoren oft unrealistische Abläufe vorwerfen, trifft ein Aspekt fast immer zu: Der Ort eines Gewaltverbrechens steht den Ermittlern nur kurze Zeit zur Verfügung. Die Polizei kann öffentliche Bereiche nicht dauerhaft absperren, und auch Eigentümer reinigen und nutzen ihre Privatwohnungen oder Fahrzeuge irgendwann wieder.
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Digitale Zwillinge ermöglichen Ortserkundung nach Monaten
Was aber, wenn ein Detail für die Ermittler erst viel später wichtig wird? Schon heute setzen Behörden wie das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) 3D-Modelle von Tatorten ein. Die Beamten nutzen dafür Hunderte oder Tausende Fotografien. Diese digitalen Daten helfen der Kripo, Abläufe lange nach der Spurensicherung zu rekonstruieren oder Räume exakt zu inspizieren. So ermittelt die Polizei auch Wochen oder Monate nach einem Verbrechen virtuell „vor Ort“.
KI-Software: Wenn Ermittler dem Tatort Fragen stellen
Künftig sollen diese 3D-Modelle noch deutlich mehr leisten. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) arbeiten derzeit gemeinsam mit dem BLKA daran, die virtuellen Abbilder mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) interaktiv zu machen. Das Ziel: Die Kripo soll den digitalen Zwilling nicht nur betrachten, sondern ihm konkrete Fragen stellen können.
„Ich suche eine rote Jacke“ oder „Zeige mir alle scharfen Gegenstände“ – solche Anfragen beantwortet die neue KI-Software künftig direkt. Dafür entwickeln die Forschenden Methoden, die Objekte im digitalen Tatort-Abbild automatisch erkennen, klassifizieren und inventarisieren. Das System hebt die gefundenen Gegenstände im Modell optisch hervor, sodass die Ermittler sie unmittelbar in ihre Arbeit einbeziehen können.
Schnellere Datenverarbeitung für ein digitales Gesamtbild
„Unser langfristiges Ziel besteht darin, unterschiedlichste Spurenarten in einem gemeinsamen virtuellen Raum zusammenzuführen und in Beziehung zu setzen. So vollziehen Ermittlerinnen und Ermittler künftig deutlich einfacher nach, welche Zusammenhänge zwischen Objekten, Orten und möglichen Abläufen bestehen“, erklärt Projektleiter Michael Greza.
Das Team hat zudem bereits ein Verfahren entwickelt, das die Erstellung der 3D-Tatorte massiv beschleunigt. Da bei der Spurensicherung große Mengen an Fotos anfallen, filtert die neue Methode automatisch redundante Aufnahmen heraus. Das reduziert den Aufwand bei der Datenverarbeitung enorm.
Aktuell programmiert das Forschungsteam Funktionen, um räumliche Beziehungen zwischen Objekten zu analysieren. Dies ermöglicht beispielsweise präzise Sichtlinienberechnungen: Die Ermittler prüfen so direkt am Rechner, ob sich Personen von bestimmten Positionen aus gegenseitig sehen konnten oder welche Bereiche eines Raumes einsehbar waren.
Uni und Kripo arbeiten Hand in Hand
Wissenschaftler und Kriminalfachleute treiben die Entwicklung gemeinsam voran und passen die Methoden fortlaufend an die Praxis an. Während die TU München grundlegende Verfahren der Künstlichen Intelligenz und Datenanalyse erforscht, liefert das Bayerische Landeskriminalamt die nötige Praxiserfahrung. So entstehen genau passende KI-Lösungen für konkrete kriminalistische Einsatzszenarien.
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