Hardware 04.06.1999, 17:21 Uhr

Xerox setzt auf Dienstleistungen

Fast die Hälfte des in einem Unternehmen vorhandenen Wissens existiert nur in den Köpfen der Mitarbeiter. Mit Applikationen zum Dokumenten-Management will Xerox dieses Potential erschließen helfen.

Noch heute behandeln wir unser Wissen wie in der Steinzeit“, meint Rick Thoman, President und CEO von Xerox. „Trotz aller Diskussionen um das papierlose Büro seit gut 30 Jahren, ist das auch heute noch ein ungelöstes Problem.“ Xerox, vor allem bekannt als Hersteller von Fotokopierern, arbeitet seit einiger Zeit an seinem Image als „Document Company“. Eine breit angelegte Informationskampagne und strategische Partnerschaften sollen jetzt den Richtungswechsel weg vom reinen Hardwareanbieter dokumentieren.
Aus diesem Grund waren Thoman und sein gesamtes Management Ende April nach Londen gereist, um der europäischen Fach- und Wirtschaftspresse das neue Unternehmen Xerox zu präsentieren. Thomans Ziele sind ehrgeizig: Bei staginierendem Umsatz – 4,3 Mrd. Dollar im 1. Quartal 1999 -, aber steigendem Gewinn soll der Anteil von Software und Services rund um das Dokumentenmanagement von derzeit rund 15 % auf 50 % in acht bis zehn Jahren ansteigen.
Schon auf der letztjährigen Herbst-Comdex in Las Vegas präsentierte Thoman, damals noch COO, einige futuristisch anmutende Technologien, die vor allem aus dem PARC, dem Palo Alto Research Center, von Xerox stammen. Diese Denkfabrik, aus der u. a. auch die grafischen Benutzeroberflächen des PC entstammen, präsentierte u. a. intelligente Büroklammern, die drahtlos mit dem PC kommunizieren können oder elektronisches Papier, in dem halbseitig gefärbte Kügelchen per elektrischem Feld ein Bild aufs Papier zaubern – und bei Bedarf auch wieder löschen.
Thoman unterstreicht die lange Tradition, die die digitale Informationsbearbeitung bei Xerox hat: „Schon vor fast 30 Jahren schrieb ein Forscher im PARC: ,Das viele Papier hin- und herschieben in unseren Büros wird schon bald ersetzt werden durch Menschen, die die meiste Zeit vor dem PC verbringen.““ Das erinnert an die Vision eines Bill Gates von den „Informations at your fingertips“ und so war es wohl konsequent, daß Thoman und Microsoft-President Steve Ballmer vor knapp zwei Wochen eine Technologie- und Marketingpartnerschaft verkündeten, um das intelligente Wissensmanagement im Büro zu verbessern.
Papier wird dabei, da ist sich Thoman sicher, seine Rolle behalten, aber der Umgang mit dem in Dokumenten gespeicherten Wissen müsse verbessert werden. Schon um dem wachsenden Volumen Herr zu werden. Thoman: „Nach den letzten Marktuntersuchungen wird sich die Zahl vernetzter, Dokumentenverarbeitender Systeme in den nächsten fünf Jahren verdoppeln, werden derzeit rund die Hälfte aller 3,4 Billionen E-Mails weltweit ausgedruckt und wird sich die Zahl kopierter und ausgedruckter Dokumente von 1995 bis 2005 verzehnfachen.“
Er nennt weitere Fakten: Rund 46 % des Wissens eines Unternehmens existiert in Dokumenten, davon 26 % auf Papier und 20 % elektronisch; weitere 42 % existieren nur in den Köpfen der Mitarbeiter. Insgesamt, so besagt eine Untersuchung der Delphi Consulting Group, sind derzeit nur 12 % dieses Wissens in irgend einer Art von Datenbank gespeichert. „Das heißt“, so resümiert der Xerox-Chef, „daß der Löwenanteil des Wissens einer Firma im wahrsten Sinne des Wortes außer Kontrolle ist: Es geht jeden Abend aus der Tür nach Hause – oder wandert möglicherweise zum Wettbewerb.“
Für den strukturierten Umgang mit Dokumenten hat Xerox eine Reihe von Applikationen entwickelt. Sie umfassen die verschiedenen Stadien der Verarbeitung von der Entstehung über den Zugriff, die Verteilung und die Verfügbarmachung von Dokumenten, z. B. Ask-Once, Docushare oder Eureka. Der Dokumentenbegriff ist dabei aus Xerox-Sicht bewußt weit gefaßt – egal ob Papier oder digital. Gemeinsam mit Microsoft wird die Applikation Document Centre, eine Lösung für netzwerkweites Scannen, Faxen, Kopieren und Drucken, in Exchange integriert und damit laut Thoman zur Brücke zwischen der digitalen und der papiernenen Dokumentenwelt. Thoman: „Das ist eine Zweibahnstraße. Digital zu Papier geht simpel per Laserdruck – erfunden von Xerox hier im PARC. Mit unserem Document Center ist auch die Gegenrichtung, das Scannen, eine einfache Sache per Knopfdruck geworden.“
Für verschiedene Indurtiezweige, z. B. die Fertigungsindustrie, die Prozeßindustrie, aber auch öffentliche Verwaltungen und den Umwelt- und Gesundheitsschutz, hat Xerox 17 Lösungen entwickelt. Louis van Overbeek, Geschäftsführer der deutschen Xerox-Niederlassung in Düsseldorf, nennt beispielhaft die automatische Erstelllung eines Handbuches, begleitend zum Herstellungsprozeß eines Produktes. So könnten z. B. Automobilhersteller dem Kunden ein Handbuch liefern, in dem nur die speziellen Ausstattungsvarianten des jeweiligen Modells enthalten sind.
Auch hierzulande unternimmt Xerox große Anstrengungen, um vom Image des reinen Kopiererherstellers wegzukommen. Dazu gehören rund 5 Mio. DM Werbebudget, um den Markennamen neu zu positionieren.
JENS D. BILLERBECK
Wissen in den Köpfen soll künftig besser digital erschlossen werden. Dazu setzt Xerox neben seinen Applikationen auch auf neue Werbespots.
Xerox-Chef Thoman: „Wir sind, was wir wissen.“

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