Spielkonsolen 23.11.2001, 17:31 Uhr

Xbox: Das teuerste Spielzeug aller Zeiten

Pünktlich zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts brachte Microsoft die Xbox am 15. November in Nordamerika in die Läden. Die Spielkonsole soll laut Bill Gates die Zukunft des Videospiels sein. Für Microsoft geht es vor allem darum, sich langfristig einen Platz im wachstumsträchtigen Digital-Entertainment-Markt zu sichern.

Der Markt für Videospielkonsolen ist zur Zeit fest in japanischer Hand. Sony ist seit Jahren erfolgreich und führend mit der PlayStation und Nintendo hat einen sicheren Platz in den Herzen der spielenden Jugend mit dem GameCube. Jetzt hat der amerikanische Softwarehersteller Microsoft den Einstieg in diesen etablierten Markt gewagt. Am 15. November nach Mitternacht verkaufte Bill Gates persönlich die erste Xbox in New York zum Preis von 300 Dollar.

Für den Verkaufsstart in Nordamerika öffnete die Spielzeug-Kette Toys“R“Us extra ihren neuen Flagship Store am Times Square zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung. Über tausend Fans hatten sich vor dem Geschäft eingefunden, um noch in der ersten Verkaufsnacht ihre Xbox zu ergattern.

Microsoft will bis zum Jahresende 1,5 Mio. Konsolen ausliefern, aber ob das den Bedarf deckt, ist ungewiss. Schließlich waren schon die Vorbestellungen für die Xbox im Handel innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Und auch am ersten Verkaufstag gab es kaum ein Geschäft in den USA, das bei Ladenschluss noch eine Xbox im Regal hatte. Also standen Jugendliche wie der erste Xbox-Käufer Edward Glucksman aus New Jersey lieber 16 Stunden lang an, um ganz sicher zu gehen, dass sie die Konsole nach Hause tragen können.

Die Xbox überholt vor allem in ihrer technischen Ausstattung die Modelle der Wettbewerber. Im Prinzip steckt in ihr ein PC. Herzstück ist ein Pentium III Prozessor mit 733 MHz. Der Grafikchip von Nivida bietet mit einer Rechenleistung von 125 Mio. Polygonen pro Sekunde mehr als die Playstation2 (75 Mio.) und der GameCube (12 Mio.). Neu ist auch eine Festplatte von 8 GByte, die zum Speichern von Spielständen oder Musik genutzt werden kann.

Über eine Zusatzkomponente können auch DVDs auf der Konsole abgespielt werden. Ein weiteres technisches Highlight ist der integrierte Dolby Digital Sound, der mit dem entsprechenden Soundsystem digitalen Raumklang wiedergeben kann. Was entscheidend für den Erfolg der Xbox werden kann, ist der eingebaute Ethernet-Adapter für einen Breitband-Internetzugang.

Diese Ausstattungsmerkmale würden bei einem PC heute zwischen 500 und 700 Dollar kosten. Und auch die Xbox kostet mehr, als der Verbraucher dafür bezahlt. Schätzungen gehen davon aus, dass Microsoft pro Gerät 400 Dollar in der Herstellung bezahlt. Morgan-Stanley-Analystin Mary Meeker prognostiziert, dass Microsoft bis zum Break-Even im Jahr 2004 über 1 Mrd. Dollar Verlust mit der Xbox machen wird. Doch die Subventionierung der Hardware in den ersten Jahren ist in diesem Markt normal.

Dreamcast-Hersteller Sega gab die Produktion seiner Konsole auf, weil das Unternehmen die hohen Verluste für die Hardware nicht mehr in Kauf nehmen wollte. Der Gewinn mit den Spielkonsolen kommt in den ersten Jahren hauptsächlich aus den Spielen. Und zwar sind Spiele entscheidend, die Kultstatus erreichen und die es nur exklusiv auf einem System gibt. Das ist auch die Killerapplikation, die über den Aufstieg oder Fall von Microsofts Spielbox entscheiden wird.

Noch sind die ersten Spiele für eingefleischte Videospieler nicht überzeugend. Von den Kritikern ist vor allem zu hören, dass Performance eben nicht alles ist, sondern Kreativität gewinnt. Und da sind die Spiele von Nintendo und Sony dem Neuling Microsoft noch weit voraus. Auf dem GameCube von Nintendo heißt der ultimative Held Mario, der schon seit einigen Jahren zum Kult geworden ist. Sony dominiert die Liste der Top Ten im Spielemarkt gleich mit mehreren Titeln.

Um die Kunden zu begeistern, muss die Xbox erst einmal die Spiele-Hersteller für sich begeistern. Nur ein beachtlicher Anfangserfolg wird auch skeptische Spiele-Entwickler von der Notwendigkeit, mit der Xbox zu arbeiten, überzeugen. Alles eine Frage der Zeit und des Geldes. Mit 25 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr sollte Microsoft für diese langfristige Strategie gerüstet sein.

In diesem Weihnachtsgeschäft wird Sony ganz klar den meisten Umsatz nach Hause tragen. Microsoft wird wohl anfangs mit Nintendo um den zweiten Platz kämpfen. Im nächsten Jahr kann das schon anders aussehen. Dann will Microsoft einen Online-Spiel-Service launchen, der über den Ethernet-Anschluß neue Features zu den Spielern bringt. Online-Gaming wird laut einer Gartner-Studie im Jahr 2005 ein notwendiges Feature jeder Spielkonsole sein. Wenn das Spiel gegen den Computer zum hundertsten Mal gespielt ist, gibt es nur noch wenige Überraschungen, während ein menschlicher Gegenspieler immer wieder mit seinen Manövern verblüffen kann. HARALD WEISS

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