Autotest 07.11.2003, 18:27 Uhr

Wettfahrt unter Brüdern

Nach langem, beschwerlichem Weg fand der Audi A8 seine Position in der Pkw-Oberklasse. Mit dem Phaeton hat der VW-Konzern seit 2002 eine zweite Top-Limousine im Angebot. Das Luxusmodell aus Wolfsburg kämpft nun um die Gunst der Käufer. Im direkten Vergleich der Power-Diesel, Phaeton V10 TDI und A8 4.0 TDI, hat der Audi mit seinem V8-Aggregat die Nase leicht vorn.

Der Dieselmotor hat heute seinen Platz in der Motorisierung von Nobelfahrzeugen. Er ist geräusch- und schadstoffarm, kraftvoll sowie leistungsstark und bietet hohen Fahrkomfort. Das beweisen die großvolumigen Diesel im Audi A 8 und VW Phaeton.
Auf dem Papier erscheint der Phaeton V10 TDI leistungsmäßig als überlegen, immerhin handelt es sich hier mit zehn Zylindern um den „Weltmeister“ in dieser Disziplin. Er leistet nicht nur stramme 230 kW, sondern bringt mit 4,921 l Hubraum überlegene 750 Nm auf die Kurbelwelle. Das sind 100 Nm mehr als sein Konzernbruder Audi A8 4.0 TDI – der sich trotzdem keineswegs hinter ihm verstecken muss. Wegen seines niedrigeren Gesamtgewichts kann er etliche Trümpfe ausspielen. 450 kg weniger sind ein Wort.
Zwar macht die Aluminium-Karosserie den A8 mit 2030 kg nicht zum Leichtgewicht, aber die 2480 kg des Phaeton wollen in Schwung gebracht werden. Der größere V10-Motor hat am Mehrgewicht nur einen kleinen Anteil, der Haupteffekt kommt von der schwereren Stahlkarosse des Phaeton. Den A8 bewahrt Aluminium vor Übergewicht. Sie trägt nicht zuletzt zu den niedrigeren Verbrauchswerten bei.
Mit 10,5 l/100 km liegt der Praxisverbrauch des Audi V8-TDI um 1,5 l unter dem des Phaeton V10 TDI; Resultate unter 10 l/100 km sind bei zurückhaltender Fahrweise mit beiden durchaus möglich. Auch wenn in dem Segment wohl nicht so sehr auf den Konsum geachtet wird, es bleiben der ökologische Vorteil und die große Reichweite.
Wegen des Gewichtsvorteil ist es nicht verwunderlich, dass der A8 bei den Messwerten gleich zieht: Von 0 auf 100 km/h beschleunigt er in 7,2 s statt 6,9 s nur geringfügig langsamer als der Phaeton, und bei beiden egalisiert der elektronische Tempobegrenzer ohnehin bei 250 km/h den Vortrieb.
Kraft im Überfluss: Die Beschleunigung der Limousinen ähnelt der eines Sportwagens, Überholvorgänge werden sehr schnell absolviert, selbst an besonders langen Autobahnsteigungen geht beiden Power-Dieseln nie die Puste aus. Will ein Fahrer die souveräne Kraft voll nutzen, dann empfiehlt sich beim A8 die Automatik-Position „S“ statt „D“. In der Stellung „Dauerbetrieb“ wirkt sein Achtzylinder relativ schlapp und läuft auch ein wenig brummig. In der sportlichen „S“-Getriebeabstimmung werden die Insassen dann sachte in die Polster gedrückt.
Nicht ganz so ausgewogen reagiert der Phaeton V10 TDI auf den Gaspedaldruck beim Anfahren; zumindest subjektiv empfindet der Fahrer eine gewisse Anfahrschwäche. Dann allerdings geht es vehement zur Sache.
Von den technischen Unterschieden bei Karosserie und Motoreinspritzung (Audi: Common Rail; VW:Pumpe-Düse) abgesehen, überwiegen die Gemeinsamkeiten: Beide Top-Limousinen verfügen über ein aufwändiges Fahrwerk mit Luftfederung, haben Allradantrieb und Sechsgang-Automatik. Im Fahralltag zeigen sich dennoch im Verhalten einige Abweichungen. So reagiert der Phaeton V10 TDI stärker auf Lastwechsel in schnellen Kurven und wirkt in Fahrdynamiktests aufgrund seiner weicheren Abstimmung nicht so fahraktiv wie der A8 4.0 TDI. Dafür bietet der Phaeton wiederum einen Komfort, den man in dieser Klasse suchen muss auf der Autobahn ist der Phaeton unübertroffen.
Der A8 dagegen ist agiler, er lenkt in Kurven spontaner ein, Wankbewegungen fallen geringer aus. Bei langsamer Fahrt reagiert er, wenn man mit ihm noch nicht vertraut ist, fast schon zu feinfühlig. An den Lenkkräften kann es nicht liegen, denn die sind wie beim Phaeton durch die Servounterstützung so minimiert, dass das hohe Vorderachsgewicht kaum zu spüren ist. Vor allem das Rangieren gelingt bei beiden mühelos. Bei höherem Tempo vermisst mancher beim Phaeton in Kurven die exakte Rückmeldung.
Beide bieten im Komfort dank der Luftfederung ein außerordentlich hohes Niveau. Das dokumentieren sie z.B. in der Art, wie sie lange Bodenwellen wegbügeln. Höchstes Niveau wird auch bei Verarbeitung und Materialauswahl im Innenraum geboten. Das Audi-Cockpit ist dabei sportlicher gestaltet, die Mittelkonsole mit Bediensystem schlanker. Das Interieur im Phaeton wirkt nobel, zum Teil aber auch etwas klobig. Der Seitenhalt der Sitze könnte für Schmalwüchsige besser sein.
Der A8-Fond wirkt großzügiger als der des VW Phaeton, bei dem die Kopffreiheit eingeschränkt ist. Die indirekte Belüftung im Luxus-VW ist, solange sie ohne offene Düsen auskommt, angenehmer. Getrennte Wege bei der Positionierung der Feststellbremse: Beim Phaeton stört sie etwas im Fußraum, beim A8 übernimmt das ein elektronischer Schalter in der Mittelkonsole.
Im Preisvergleich der Top-Modelle hat der Audi A8 4.0 TDI nur auf den ersten Blick einen 7300-€-Vorteil. Wenn er entsprechend ausgestattung wird wie sein Konzernbruder, so muss der Käufer annähernd den gleichen Betrag bezahlen wie beim VW Phaeton V10 TDI: 84 200 €.
INGO REUSS/WOP

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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