Hardware 26.02.1999, 17:20 Uhr

Wettbewerb auch bei High-End PC

folgerichtig Pentium III genannt.

Die nächste Generation der Mikrorozessoren ist da. Heute stellt Intel den Nachfolger seiner bewährten Pentium-II-Serie vor: folgerichtig Pentium III genannt. Lange Zeit, in Intels weit vorauseilenden Produkt-Roadmaps, wurde der P III unter dem exotischen Namen „Katmai“ geführt. Offensichtlich kehrt der weltführende Halbleiterhersteller wieder zum einfacher überschaubaren Nummernsystem für seine Chips zurück.
Auch die 70 zusätzlichen Multimediabefehle für 3D-Grafik, Streaming Video, Audio, digitale Bild- und Sprachverarbeitung, heißen statt „Katmai New Instructions“ jetzt „Internet Streaming SIMD Extensions (single instruction multiple data). Diese Zusatzbefehle und höhere Taktraten untercheiden den PIII vom P II.
Auf Verbesserungen für die Anwender, PC-Hersteller und Softwareanbieter auf der einen Seite, Info-Profis und Consumer auf der anderen Seite, zielt der neue Pentium-III-Prozessor: als Plattform für funktional reichere Inhalte (vor allem: 3D) und schnelle Konnektivität im Netz. „Ganz gleich, ob Sie Consumer, Kleinfirma oder Großunternehmen sind – der Pentium III gibt Ihnen Eigenschaften, die Sie vorher nicht zur Verfügung hatten“, umriß Intel-CEO Craig Barrett letzte Woche auf einem Presse-Preview seine neue Wunderwaffe. Der P III soll Intels Führungsposition und zugleich die Vitalität des PC-Prinzips auf Jahre hinaus festigen und erhalten.
Der Aufwand dafür ist gewaltig. Das Einführungs-Marketing für den P III beläuft sich auf 300 Mio. Dollar. Eindrucksvoll auch der Presse-Preview vor einer Woche: ein Event, der die geschlossene Unterstützung der System- und Programmanbieter demonstrierte. Mehr als 200 von ihnen zeigten im San Jose Convention Center ihre Plattformen und Inhalte auf der Basis des P III. „Die Industrie ist hier“, meinte Intel-VP Mike Aynar, „um einen ersten Blick darauf zu geben, wie der Pentium III das Internet und den PC um die Qualitäten eines echten Consumer-Massenmediums bereichert.“
Die Nummer 2 im PC-Prozessormarkt reagierte prompt: AMD präsentierte genau zwischen Intels Preview- und Vorstellungstermin den eigenen K6-3. Der kommt mit ähnlichen Eigenschaften und Benchmark-Daten, wenn auch etwas später auf den Markt. Gerade im unteren Preissegment der Billig-PC hatte Intel noch vor Wochenfrist durch vorgezogene Preisreduktion der Celeron-Prozessoren bei AMD das Gewinnbild des laufenden Quartals vermasselt. Immerhin hat AMD laut Statistik des Marktforschers Mercury Research im vergangenen Jahr mit geschickter Produkt- und Preispolitik seinen Marktanteil von 6,7 % auf 16,1 % gesteigert und Intels dominante Position von 86,2 % auf 76,1 % zurückgedrängt. Cyrix bzw. National Semiconductor hält in diesem Sektor ca. 6 % Marktanteil.
Beide Chips, Intels P III und AMDs K6-3, zielen nun auf das obere Leistungssegment der PC. Entsprechend, um 500 Dollar, liegen sie im Preis. Doch beide sollen bald in allen Preiskategorien den bestehenden Produktfächer der P-II- und K6- bzw. K6-2-Chips ersetzen. „Sie werden Pentium-III-Maschinen anfangs um und unter 2000 Dollar sehen“, kündigte Intel-Vizepräsident Paul Otelini an. „Allmählich werden sie dann in den Mainstream übergehen.“
Die ersten Versionen des P III sollen mit Taktraten von 450 MHz und 500 MHz kommen. Eine 550-MHz-Version ist für das zweite Quartal geplant. (AMDs K6-3 will sich zunächst mit 400 MHz und 450 MHz begnügen.) Intels nächsthöhere Ausführung, der Pentium III Xeon, soll schon im März erscheinen. Der Xeon ist für hochkalibrige Workstations und Server gedacht. Der Endpunkt ist wohl 800 MHz.
Die Architektur des P III mit seinem „Frontside“-Bus von 100 MHz entspricht im wesentlichen dem Pentium II. Anders als der K6-2 (mit 256 KByte Level-2-Cache) kommt der P III anfangs ohne den Onchip-Zwischenspeicher. Das drückt auf die Geschwindigkeit. Im Hinblick auf Intels unermüdlichen Push für die Video-Interaktivität per ISDN oder 56K-Analogmodem ist der Befehlssatz des P III für die Echtzeit-Video-Kompression nach MPEG-2 optimiert.
Der entscheidende Qualitätsgewinn des P III liegt in der Graphik: mit höheren Wiederholungsraten beim Bildaufbau und mit wesentlich feinerer Modellierung (Rendering) von Figuren und Objekten. „Bisher war die 3D-Graphik durch die Prozessoren eingeengt“, urteilt Dean McCarron von Mercury Research. Mit dem P III lassen sich Oberflächentexturen viel lebendiger und ansprechender gestalten. Sie stellen höhere Ansprüche an die Rechenleistung, mit zahlreichen hochgenauen Gleitkomma-Operationen.
Allerdings erzeugt der P III auch ein politisches Problem: Bei 500 MHz Takt nähert er sich der von der US-Regierung gesetzten Grenze von 2000 MTOPS (Millionen theoretischer Operationen pro Sekunde) für die Exportkontrolle. Neue gesetzliche Regelungen müssen geschaffen werden, bevor der P III auf den Markt kommt. Die amerikanischen PC-Hersteller wollen die Exportbegrenzung auf 12 000 MTOPS angehoben sehen.
Bei den Software-Anwendungen für den neuen Prozessor hat das Internet-Portal Excite vorerst den Vogel abgeschossen. Die adressierbaren Dienste und Daten stehen nicht mehr in Fenstern oder Rahmen. Sie schweben als langsam drehende Datenkarussells (auch im Hintergrund und am Bildrand klar lesbar) im Raum. Sie lassen sich per Maussteuerung heranholen und selektieren. „Excite Extreme“ – das Eintauchen in die virtuelle Realität ist nicht mehr fern.
Ähnlich attraktiv gstaltet die bekannte Hightech-Ladenkette „The Sharper Image“ ihre Web-Präsentation mit dem P III: Bereits 20 populäre Produkte des Katalogs kann man dreidimenional im Raum drehen und manipulieren – bei CD-Spielern auch den zugehörigen Sound.
Um den Einstieg in den dreidimensionalen E-Kommerz zu beschleunigen, kümmert sich Intel um die Infrastruktur. Für die ersten Benutzer von Pentium-III-PCs gibt es den „Intel WebOutfitter“ Service im Internet. Web Outfitter soll den Zugang zu den verfügbaren Inhalten, Tools und Tips bündeln und auffindbar machen – bis die umfassende 3D-Welt des Internet alltägliche Wirklichkeit geworden ist.
WERNER SCHULZ

Von Werner Schulz
Von Werner Schulz

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