Hardware 23.02.2001, 17:28 Uhr

Wenn die Viren attackieren . . .

Immer mehr Deutsche legen sich einen Computer zu. Oft kosten PC und Software stolze Summen. Doch diese elektronischen Geräte richtig zu versichern, ist nicht einfach.

Längst gehört der PC dazu wie Kaffeemaschine oder Toaster. Über 20 Mio. Rechner stehen laut World Bank inzwischen in deutschen Wohnungen. Das entspricht etwa 47 % der privaten Haushalte, errechnete das Statistische Bundesamt. Die Menge überrascht weniger, eher schon der Wert, der sich damit in Küchen, Kammern und Kinderzimmern versteckt. Bei einem Preis für PC, Monitor, Drucker und Software von 4000 DM summieren sich so 80 Mrd. DM. Gibt es hierfür Versicherungen? Immerhin stellen Brand, Diebstahl, Feuchtigkeit, Kurzschluss oder Viren-Attacken realistische Gefahren dar.
„Das Angebot der Assekuranz für private Nutzer ist nicht besonders“, sagt Katharina Henrich vom Fachmagazin Finanztest und entblößt damit eine Schwachstelle im deutschen Versicherungswesen. „Die Versicherer haben die PC-Policen auf Unternehmen und Freiberufler abgestimmt“, bestätigt Georg Wandke von der Württembergischen und Badischen Versicherung. Ein Grund sei das geringe Verlangen von Privatleuten sowie der potenziell hohe Verwaltungsaufwand von Millionen Kleinverträgen. Tatsächlich vertrauen die meisten Nutzer von Computern, die das teure Stück aus rein privatem Interesse bedienen, der Hausratversicherung. Alle nicht beruflich verwendeten elektronischen Geräte – und damit auch PC – sind über diesen Vertrag geschützt: allerdings nur vor den üblichen Gefahren, wie Diebstahl, Sturm oder Brand. Bei höherer Gewalt, Kurzschluss, Hackerangriff oder Viren-Chaos zahlen Versicherungen nicht.
Zwar bieten einige wenige Assekuranzunternehmen, wie der Direktversicherer Onsecure, Policen speziell für Hardware- und Softwareunfälle an, „doch für den Normalverbraucher sind sie zu teuer“, sagt Katharina Henrich. Prämien von 300 DM bis 500 DM jährlich sowie mehrere hundert DM Selbstbeteiligung sind ein stattlicher Preis für Sicherheit. Je teurer die Anlage und je umfassender der Schutz, desto kostspieliger sei auch die Versicherung, erklärt Wolfgang Scholl. Der Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät daher: „Genau absprechen, welche Hardware- und Softwareteile für bestimmte Gefahren mit welcher Versicherungssumme abgedeckt werden sollen.“ Ein weiterer Stolperstein beim kompletten PC-Schutz: Firmen, wie Onsecure, verlangen bei ihrer Absicherung vor Viren vom Kunden, dass er seine Daten regelmäßig sichert. Ein cleverer Schachzug: Die Rekonstruktion der Daten werde deshalb nach Meinung von Daniel Gläser, Sicherheitsexperte der Stiftung Warentest, nur selten länger als einen Tag dauern.
Die Differenz zwischen dem Wert der vielen Millionen Personal Computer hier zu Lande und ungünstigen Angeboten der Versicherungswirtschaft hat T-Online erkannt. Beim größten deutschen Internetdienst ist seit dem 1. Juni 2000 in der Grundgebühr der Tarife Eco, Pro und Dsl flat ein PC-Schutzbrief enthalten. Durch ihn sollen laut T-Online „nahezu alle Sachschäden versichert“ sein. Damit zeigt sich die Offerte des Provider-Riesen zumindest der normalen Hausratversicherung gewachsen. So unterliegt der Vertrag den allgemeinen Bedingungen für die Elektronik-Versicherung (ABE). Und die gewährleisten Ersatz nicht nur bei Brand, Diebstahl oder Überschwemmung, sondern auch bei Bedienungsfehlern, Fahrlässigkeit, Kurzschluss sowie bei höherer Gewalt. Weniger kundenfreundlich zeigt sich das Angebot hingegen bei Entschädigungsleistung und Selbstbeteiligung: Die Höchstsumme der Versicherung beträgt „nur“ 3000 DM. Und beim Schadenfall müssen 100 DM selbst gezahlt werden.
Vorteilhaft für den T-Online-Kunden – nur für die gilt die Police – präsentiert sich wiederum der Geltungsbereich. Versichert sind nämlich der gesamte PC mit Rechnereinheit, Monitor, Drucker, Tastatur, Maus, Scanner sowie ein mögliches externes Modem. Damit endet die Liste. Notebooks, Laptops, Palmtops und Handys gelten als nicht versichert. Auch für die Rekonstruktion von geklauten, vernichteten oder von Hackern und Viren beschädigte Daten stehen T-Online und sein Versicherer, die Württembergische und Badische Versicherungsaktiengesellschaft (Wüba), nicht gerade. Aus gutem Grund: Bei bisher knapp 6 Mio. Kunden in Deutschland könnte das ein teurer Spaß werden. Ein „Killer“ wie der im Frühjahr 2000 aufgetauchte „I love you“-Virus hätte für die Wüba fatale Folgen. Millionen Geschädigte könnten Ansprüche anmelden. Der enge Geltungsbereich sowie die zeitliche Begrenzung aller Verträge bis Ende dieses Jahres verdeutlichen den Versuchs-charakter des Angebots. Als zusätzliches Verkaufsargument für weitere Internet-Zugänge macht sich eine kostenlose Versicherung aber zweifellos gut.
Ein Umstand, der Wettbewerber kalt lässt. Viag Interkom offeriert und plant laut Pressereferent Roland Kuntze keinen PC-Schutzbrief. Auch AOL-Sprecher Carsten Meincke sagte nach „mehreren Gesprächen im Haus“, „…dass eine Computer-Versicherung derzeit keine Priorität besitzt“. Gleichzeitig gab er jedoch zu, dass eine derartige Police Sinn mache. Ob Konkurrent T-Online sein Angebot auf dem Markt lässt, bleibt abzuwarten. „Bisher halten sich die Schadenfälle im kalkulierten Rahmen“, sagt Georg Wandke. Über die Zukunft des Vertragswerks wollte sich die Wüba jedoch nicht äußern. MATTHIAS KUTZSCHER

Ein Beitrag von:

  • Matthias Kutzscher

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