Autotest 30.10.2009, 19:43 Uhr

Vielfahrer sparen im Autogasbetrieb  

Autogas verbrennt im Vergleich zu Benzin umweltfreundlicher – trotz des prinzipbedingten Mehrverbrauchs. Bis zum 30. November gibt es bei Subaru die Umrüstung von Neuwagen auf Autogas gratis: Kunden, die Impreza und Forester mit der LPG-Anlage Ecomatic kaufen, sparen so 2900 €. Und wie fährt sich ein derartiger Forester? Problemlos und angenehm, doch bei Umrüstkosten in der Höhe braucht er einen langen Amortisationslauf. VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 10. 09, wop

Boxermotoren und permanenter Allradantrieb sind bei Subaru Programm. Bei allen originären Modellen der Automarke gehören sie zur Basistechnik. Seit Jahren wird auch die fachgerechte Fahrzeugumrüstung auf den zusätzlichen Betrieb mit flüssigem Autogas (LPG) angeboten. Rechnet sich die Umrüstung auf Flüssiggas?

Der SUV Forester in der aktuellen 3. Generation, er gesellte sich vor zwölf Jahren erstmals zu den Klein- bis Mittelklassewagen der Marke, konsumiert als 2.0X-Benziner (110 kW 196 Nm) selbst bei schonender Fahrweise im Mittel je 100 km über 11,0 l.

Eine Antriebsalternative ist seit 2008 der 2,0-l-Boxerdiesel (108 kW; 350 Nm), der sich im Fahralltag mit 8,3 l/100 km begnügt. Aber mit dem seidenweich und kraftvoll arbeitenden Dieselvierzylinder kostet der Forester 30 100 € in der Basisversion – das sind 5500 € mehr als der 2.0X-Benziner.

Der Forester startete als Mischung aus Kombi und SUV und ist heute ein astreines Sport Utility Vehicle. Neben dem permanenten Allradantrieb verfügt er über eine Getriebeuntersetzung, eine Niveauregulierung an der Hinterachse sowie ein Berganfahrhilfe – und schneidet im Vergleich mit den Konkurrenten gut ab, das gilt besonders im Gelände.

Nicht allein im Gelände vorteilhaft ist sein niedriger Schwerpunkt, der mit den Boxermotoren erzielt wird. Die Karosserie ist übersichtlich, das Raumangebot gut und der Federungskomfort ordentlich. Der Fahrer bedient eine leichtgängige, direkte Lenkung und hat am Fahrverhalten und der Fahrsicherheit nichts Generelles zu bemäkeln.

Der Boxerdiesel ist zwar teurer als der 2.0X, macht aber mehr Spaß als der durchzugsschwache Benziner, der auf Autogasbetrieb umgerüstet nicht spritziger wird. Das zeigten Fahrten mit dem Forester 2.0X Exclusive Ecomatic, der mit 5-Gang-Schaltgetriebe in der höchsten Ausstattungslinie Exclusive 32 000 € kostet plus 2900 € für den LPG-Betrieb.

Bei der Umrüstung verdrängt der LPG-Tank (67 l) das Reserverad (dafür gibt es ein Pannen-Set) aus seiner Mulde im Gepäckraum und durch die separat verlegten Leitungen fließt das Gas zu den Injektoren vor die Einlassventile der Zylinder. Die Einspritzung ist elektronisch geregelt. Am Armaturenbrett ist die LPG-Funktionseinheit fixiert, per Knopfdruck wählt der Fahrer dort, ob mit Gas oder Super gefahren werden soll. Die Anlage ist TÜV-zertifiziert und verändert nicht die Sicherheit des nun bivalent betriebenen Pkw. Beim Einbau der Ecomatic-Gasanlage in Neuwagen gewährt Subaru drei Jahre Garantie bzw. bis 100 000 km.

Die Umrüstung war eine „Abrüstung“. Der schon durchzugsschwache 2,0-l-Benziner (Firmenangabe: 11,0 s von 0 – 100 km/h) gibt sich im Gasbetrieb subjektiv noch schwächer und wer das max. Tempo (ca. 180 km/h) erreichen will, braucht einen langen Anlauf. Das wird in Kauf genommen, will man doch am Kraftstoff sparen.

Autogas ist bis Ende 2018 noch steuerlich begünstigt. Der Literpreise für LPG liegt zwischen 0,60 € und 0,66 € . Volltanken beim Testwagen kostet so dann nur 22,70 € – der „leere“ LPG-Tank (67 l) ließ nur max. 34,45 l einströmen (bei der zulässigen Füllung von 80 % wären theoretisch fast 54 l möglich).

Der Verbrauch im Gasbetrieb schreckt auf den ersten Blick. Doch durch die geringere Dichte des LPG gegenüber Benzin entsteht ein volumetrischer Mehrverbrauch, der je nach Gasanlage zwischen 5 % bis 20 % liegen kann. Bei defensiver Fahrweise und Tempo 130 km/h auf Autobahnen wurden auf 100 km durchschnittlich 11,5 l LPG verbrannt. Dafür sind bei einem Preis von 0,63 €/l nur 7,25 €/100 km zu bezahlen.

Autogasumrüstung halbiert die Tankkosten, braucht aber 36 000 km zur Amortisation

Mit 15,40 €/100 km ist der Benzinbetrieb doppelt so teuer, da der 2.0X-Boxer 11,6 l/100 km konsumierte – gerechnet mit aktuellem Durchschnittspreis von 1,328 €/l (ADAC). Aber beim resultierenden Bonus von 8,15 €/100 km hätten sich die 2900 € für eine Umrüstung erst nach rund 36 000 km amortisiert.

Doch es gibt auch einen Malus: die geringe LPG-Tankstellendichte. Zwar rechnet der Deutsche Verband Flüssiggas derzeit mit über 5000 LPG-Stationen in Deutschland, die Testfahrten zeigte aber, dass die Zahl nicht ausreicht.

Wer stets im städtischen Umkreis unterwegs ist, hat seine LPG-Stammtankstelle. Bei Fahrtstrecken in die Region und auf dem Autobahnnetz sollte ein „Gasfahrer“ Tankmöglichkeiten vor dem Trip heraussuchen, sonst drohen teure „Super-Fahrten“.

Es ist festzuhalten, dass im Mittel die Testverbräuche je 100 km relativ hoch sind: LPG 11,5 l (227 g CO2/km) und Super 11,6 l (274 g CO2/km). Der teure Boxerdiesel schneidet mit 8,3 l/100 km (220 g CO2/km) besser ab. W. PESTER

Von W. Pester

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