Autotest 16.07.1999, 17:22 Uhr

Viel Spaß beim Sparen

das 3-l-Auto. Der weltweit erste viersitzige Pkw mit einem Verbrauch von 2,99 l/100 km heißt Lupo 3L TDI und wird von VW am 23. Juli im Markt eingeführt.

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Das 3-l-Auto einen: VW-Chef Ferdinand Piëch. Er erschreckte die Branche 1991 mit seiner Vision, einen derartigen Pkw noch vor dem Ende des 20. Jahrhunderts anzubieten. Auch sollte kein einfach abgespecktes Auto entstehen, sondern ein vollwertiger Pkw für vier Personen, gut motorisiert und ausgerüstet mit moderstem Sicherheitsstandard und dem vom Kunden gewünschten Komfort. Das Ergebnis, was Konzernlenker Piëch und seine Ingenieure ab dem 23. Juli offerieren, überzeugt – sie sind zu beglückwünschen. Es bleibt jetzt zu hoffen, daß sich die große Resonanz bei der öffentlichen Diskussion um das 3-l-Auto nun auch im Verkauf widerspiegelt.
VW präsentiert mit dem Lupo 3L TDI einen Maßstab für derartige Fahrzeuge. Im Konzern gilt der Kleine gar als Technologieträger mit seinen intelligenten Leichtbaulösungen und Innovationen im Antriebsstrang. Sein komfortabler 1,2-l-Dreizylinder-Dieselmotor (45 kW/61 PS 140 Nm) mit Pumpedüse-Direkteinspritzung, Euromix-Verbrauch 2,99 l/100 km, läuft klaglos und geräuscharm. Er macht den Spar-Lupo zum Spaß-Auto, weil er zwar mit dem Diesel geizt, sich aber trotzdem durchzugsstark und spritzig gibt. Ebenso verfügt der „Öko-Wolf“ über die sehr guten Fahreigenschaften der Modellreihe, die VW 1998 einführte.
Eigentlich muß sich der Fahrer des 3-l-Lupo nur in einem Punkt umgewöhnen: dem Schalten. Wie bei einer Automatik gibt es bei ihm kein Kupplungspedal. Läßt Frau oder Mann am Steuer den Schalthebel im automatischen „Economy“-Modus, ist lediglich Gas zu geben. Die Elektronik wählt den richtigen Gang und hilft Kraftstoff sparen: Sie aktiviert die Stop-Start-Funktion – steht der Fuß 4 s auf der Bremse, wird der Motor abgestellt, beim Loslassen des Bremspedals springt er sofort wieder an. Die Elektronik kuppelt aus, wenn während der Fahrt Gas weggenommen wird – der Motor läuft sparsam im Leerlauf. Tritt aufs Gas- oder Bremspedal, schon ist wieder eingekuppelt – beim Verzögern, um die Bremswirkung des Motors zu nutzen gleichzeitig sinkt in diesem „Schubbetrieb“ bei Diesel der Verbrauch auf Null, weil dann bei ihnen kein Kraftstoff eingespritzt wird. Das funktioniert alles unauffällig und führt zum 3-l-Verbrauch.
Die Normwerte kommen der Praxis sehr nah. Auf einer Strecke über Berg und Tal von 105 km Länge konsumierte der von den VDI nachrichten gefahrene Lupo im Economy-Modus 2,84 l auf 100 km. Die Strecke hatte daran jedoch einen kleinen Anteil: geringer Verkehr, wenig Ampeln und die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten (wegen wachsamer Polizei) waren 50 km/h, 70 km/h und 90 km/h.
Will jemand den 3-l-Lupo sportlicher und dennoch ohne Schalten bewegen, kann er dies. Per Tastendruck (Mittelkonsole) wechselt er – auch bei voller Fahrt – in den „Autoshift“-Modus. Nun setzt die Elektronik automatisch andere Schaltpunkte und deaktiviert die Stop-Start-Funktion.
Doch auch handschalten läßt sich das automatisierte Direktschaltgetriebe mit fünf Gängen. Links von der rechten Gasse (Automatik) – mit den üblichen Positionen für Parken (Stop), rückwärts (R), Leerlauf (N) und hier „E“ für Economy – ist der „Tiptronic“-Modus angeordnet. Durch Antippen des Hebels nach vorn bzw. hinten wird hoch oder runtergeschaltet (freilich auch hier ohne Economy-Funktion).
Das sportliche Fahren bei großem Volllastanteil, im Autoshift-Betrieb bzw. mit Tiptronic, läßt den Verbrauch ansteigen. Das Meßgerät am Lupo 3L TDI der VDI nachrichten protokollierte einen Konsum von 3,76 l/100 km. Ganz rasant fahrende Lupo-Lenker mit „Bleifuß“ auf dem Gaspedal brachten es auf einer sehr kurzen Testrunde mit Tiptronic sogar auf 5,5 l/100 km.
„Ausreißer“ im Verbrauch mit 5 l/100 km dürften sich im Fahralltag nicht einstellen, da wird wohl der Durchschnittsverbrauch zwischen 3 l und 4 l auf 100 km die Regel sein. Das verspricht mit dem 34-l-Tank eine Reichweite im „E“-Modus von etwa 1000 km.
Überlisten läßt sich die Getriebe-Elektronik in keinem Betrieb. Abwürgen oder Überdrehen sind nicht möglich, sie wirkt dem entgegen. Auch sind die Schaltübergänge komfortabel abgestimmt, d. h. die Zugunterbrechung beim Gangwechsel drängt sich Fahrer und Insassen nicht auf, sie ist in etwa vergleichbar mit der bei handgeschalteten Getrieben.
Mit dem Lupo 3L TDI macht das Kraftstoffsparen richtig Spaß. Wohl auch, weil auf nichts verzichtet werden muß, was ein vollwertiges Auto ausmacht: ansprechende Motorleistung mit gutem Drehmoment, adäquater Komfort, hoher Sicherheitsstandard sowie überzeugende Fahreigenschaften. Neben dem Kraftstoffsparen kann sich der Halter auch über eine Kfz-Steuergutschrift von insgesamt 2200 DM freuen: 1000 DM erhält der Lupo 3L Diesel, weil er mit 81 g CO2/km weniger als 90 g CO2/km ausstößt, und 1200 DM dafür, weil er als erstes Dieselauto überhaupt die scharfen D4-Abgasgrenzwerte unterschreitet. Somit meldet sich das Finanzamt erst im siebten Jahr und verlangt dann erstmals die Kfz-Steuer von 324 DM pro Jahr.
Doch alles Sparen hat seinen Preis. Besonders dann, wenn VW mit technischer Raffinesse und intelligenter Werkstoffkombination das Fahrzeuggewicht im Vergleich zum Standard-Lupo beim 3L TDI um 150 kg auf 830 kg (ohne Fahrer) runterschrauben mußte. Sind doch allein die Materialkosten für die verwendeten Leichtmetalle, wie Aluminium (Al) und Magnesium (Mg), wesentlich höher – laut VW sei Al rund dreimal und Mg fünfmal teurer als Stahl.
Bei allen Freudentränen umweltbewußter Autofans wiegt die eine Träne über den Kaufpreis schwer. Der Lupo 3L TDI kostet 26 900 DM, das entspricht dem Golf-Einstiegsmodell. Gegenüber dem Lupo 1.7 SDI (44 kW/60 PS) ergibt sich ein Mehrpreis von von 4100 DM, die jedoch laut VW durch die wertvollere Ausstattung des 3L TDI mehr als ausgeglichen sei. Zieht man jedoch die Kfz-Steuergutschrift ab, mindert sich der Preis des Lupo 3L TDI auf 24 700 DM. Auf einen Betrag, der sich dessenungeachtet rechnen dürfte, wenn nicht ganz für die Freude „am Sparen“ gleichwohl für umweltbewußtes Autofahren.
Ein gutes Geschäft wird der Lupo 3L TDI für VW sicherlich nicht. Denn dort ist man froh, „wenn wir die Kosten decken“, erklärte Produktionsvorstand Folker Weißgerber. Bei dem schwer einzuschätzenden Markt für dieses Auto rechnet VW mit einem Absatz von 5000 bis 10 000 Einheiten im Jahr. „Alles was über 5000 Bestellungen liegt, würde uns freuen“, hieß es.
Ferdinand Piëch, der „Vater“ des 3-l-Autos, kann stolz sein, was die Mitarbeiter von VW zur Verwirklichung des Projektes geleistet haben. Klar wurde ihm jedoch auch, daß die Herstellungskosten für eine weitere deutliche Senkung des Kraftstoffverbrauchs überproportional steigen würde. Deshalb ließ er die Forschung am „2-l-Auto“ einstellen. Piëch: „Für ein 2-l-Auto müsse der Kunde rund 60 000 DM ausgeben, dazu sei niemand bereit.“
WOLFGANG PESTER
Der VW Lupo 3L TDI, das weltweit erste „3-l-Auto“, ist alles andere als ein karges Sparmobil. Er ist in Innenraum, Sicherheit, Fahrleistungen und Komfort ein vollwertiger Pkw. Zu seiner Serienausstattung gehören u.a. Fullsize-Airbags für Fahrer und Beifahrer, Gurtstraffer und -kraftbegrenzer, Kopfstützen hinten, ABS, autom. Direktschaltgetriebe mit Tiptronic sowie Bordcomputer, elktr. Zusatzheizung und Leichtmetallräder.
Ist die Schaltfunktion „E“, Economy-Modus, aktiviert, fährt man automatisch und im Sparbetrieb. In der linken Gasse, Tiptronic-Modus, wird rauf und runter handgeschaltet.
Das Dreispeichen-Sportlenkrad signalisiert: Freude am Fahren trotz Sparen.

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