IFA 2009 04.09.2009, 19:42 Uhr

TV-Käufer auf der Suche nach der Einfachheit  

Wenn sich Herr und Frau Mustermann ab heute auf der Berliner IFA (4. bis 9. September) nach neuer Konsumelektronik umsehen, werden vor allem bedienerfreundliche Geräte bei ihnen punkten können. Erst danach, so eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom, entscheidet z. B. bei Fernsehgeräten der Preis über den Kauf. VDI nachrichten, Berlin, 4. 9. 09, rb

Herr Mustermann träumt von einem hochauflösenden Flachbildschirm in XXL. Damit kann er große Bilder und Kino zu Hause erleben, denn er gehört zu den 60 % der Zuschauer, die laut Jürgen Nadler, Leiter Produkttests der Stiftung Warentest, den Qualitätszuwachs durch hochauflösende Bilder (HD) heute tatsächlich visuell wahrnehmen können. Im Prinzip interessiert er sich auch für die Palette an Zusatzgeräten: HDD-Rekorder, Camcorder, Blu-ray-Player. Die digitale Settop-Box ist ein Muss und soll dem Markt 2009 ein Wachstum um 10 % auf fast 450 Mio. € bescheren.

Frau Mustermann hat kein Auge für HD, sie findet die Hybrid-TV-Geräte viel faszinierender. Wenn sie zu den 13 Mio. Surfern zählt, die pro Monat Youtube anklicken, könnte sie die Videos auf ihrem TV-Gerät endlich im Großformat sehen. „Youtube könnte ein größerer Kaufimpuls im TV-Segment sein als HD“, mutmaßt Michael Schidlack, Bereichsleiter Consumer Electronics (CE) & Digital Home der Bitkom. TV-Geräte von heute bieten aber noch mehr: Zeitversetztes Fernsehen, Steckplätze für SD-Speicherkarten. 37 % der Verbraucher möchten sich ihre Digitalfotos auf dem Fernseher ansehen.

Mustermanns sind am Ende ganz glücklich. Die neuen TV-Geräte, heißt es, lassen sich im Prinzip alle mit allem vernetzen: Digitalkamera, PC, Musikanlage, Videorekorder – kein Problem. Erst später, zu Hause, könnten sie merken, ganz so einfach geht es nicht. „Kein Konsument versteht das“, sagt Klaus Illgner-Fehn, Direktor des Münchner Instituts für Rundfunktechnik. Aber zu Hause schlägt der „Schnittstellen-Wahnsinn“, so Illgner-Fehn, der Hersteller nicht selten voll zu. „Der Stecker passt, aber das Bild bleibt schwarz.“ Scart, HDMI, Coax, Cinch wollen einfach nicht miteinander und die Vielfalt der Standards – DSL, DVB-T, -C, -S, DRM – tut das Ihre.

Komplette Home Networks lassen sich genauso planen wie Einbauküchen

Möchten Mustermanns ihren Fernseher oder andere Endgeräte vernetzen, ein ganzes Home Network einrichten und dabei auf der bedienerfreundlichen Seite sein, sollten sie zurzeit vielleicht alle Geräte von einem Hersteller beziehen. „Komplexität kann ich nur reduzieren, indem ich Nutzer möglichst intuitiv anspreche. Oder durch Herstellerwelten, die eine homogene Hardware, entsprechende Betriebssysteme, Protokolle und Applikationen über alle ihre Produkte hinweg anbieten“, erklärt Illgner-Fehn.

Mustermanns könnten stattdessen auch zu teureren Endgeräten greifen, die mehrere Schnittstellen-Varianten anbieten oder über Softwarelösungen zur Schnittstellenintegration verfügen.

Vielleicht wäre es hilfreich, wie derzeit schon rund 14 % der Verbraucher, einen CE-Dienstleister in Anspruch zu nehmen, der ihnen das komplette Home Network plant, wie man es von der Einbauküche her kennt.

Vielleicht werden Mustermanns aber abwarten, ob der Markt demnächst bedienerfreundlichere Geräte anbietet. Bitkom-Experte Schidlack macht ihnen Hoffnung: „Wir haben einen Höhepunkt der Komplexität erreicht. Ich denke, die Geräte werden jetzt einfacher.“

Apple mache heute schon vor, wie man Design und Usability zu einem Erfolgskonzept verbinden könne. Auch Verbraucherschützer Nadler kann sich gut vorstellen, dass Apples iPhone mit seinem Schiebeschalter, den auch LG bei seinen Handys und Falk bei Navigationsgeräten verwendet, Schule macht. Im Prinzip gehe es darum, für die digitale Welt Bedienkonzepte zu entwickeln, die dem Anwender vielschichtige sinnliche Erlebnisse bieten. So wie der digitale Schiebeschalter das manuelle Anschalten des Laptops virtuell nachempfinde, könnten sicher grundsätzlich mechanische Konzepte in virtuelle, standardisierte „Tastenfelder“ übersetzt werden. „Die Aus-Taste ist dann z. B. immer rot.“

Hersteller wie Philips arbeiten daran, das Internet noch fernsehtauglicher, den Fernseher noch internetfähiger zu machen. Philips bietet mit Net TV seit 2008 interaktives Fernsehen und hat ein eigenes Portal eingerichtet, das den bequemen Zugriff auf Entertainment- und Informationsangebote erlauben soll. Der Content für Net TV wurde in einem speziellen Format, in CE-HTML hinterlegt. Der Ansatz locke viele Inhalteanbieter. „Wir bieten derzeit als Einziger am Markt ein Portal mit freiem Internetzugang“, sagt Volker Blume, Technischer Produktmanager Television bei Philips. Die Nutzer können den Zugriff auf Inhalte für ihre Bedürfnisse personalisieren. Navigiert wird über die Fernbedienung. „Net TV braucht einen Chip mehr im Gerät. Der kostet nur rund 0,55 $, aber viele Hersteller sparen ihn lieber ein.“ Jetzt hofft Philips auf neue Standards der Landesmedienanstalt, um sich dann als Plattformanbieter zu etablieren.

Bleibt zu hoffen, dass die Mustermanns auch ohne Administratorschulung in ihrem Wohnzimmer nicht scheitern müssen und dass sie auf der IFA genügend bedienerfreundliche Geräte finden. Nadler, Schidlack, Illgner-Fehn und Blume, die das Thema Usability als Experten des diesjährigen Bitkom Endgeräte-Lab 2009 in Düsseldorf diskutierten, sind grundsätzlich zuversichtlich. Verbraucherschützer Nadler weiß: „Wenn etwas zu kompliziert ist, verschwindet es von alleine, denn es wird einfach nicht verkauft.“ H. FREIMANN

Von H. Freimann

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