Displays 02.06.2006, 19:22 Uhr

Spezialglas für LCDs sichert satte Gewinne  

Die Anforderungen an immer größere Gläser müssen mit den ab 1. Juli in der EU geltenden neuen Gesetzesregelungen zur Vermeidung von Schadstoffen in der Elektronik unter einen Hut gebracht werden.

Spezialglas für LCDs sichert satte Gewinne  

Spezialglas für LCDs sichert satte Gewinne  

Hersteller für die Komponenten von Flachbildschirmgeräten müssen möglichst nah ran an die Fabs, die Produktionsstätten, der großen LCD-Hersteller. So investiert der Glasspezialist Corning derzeit für Sharp kräftig in die Fertigung von Muttergläsern der 8. Generation (Gen 8). Sharp gilt als Begründer des derzeitigen LCD-Fernsehgerätebooms und investiert selbst heftig in neue Fabriken.

Nicht nur am Heimatstandort Corning im US-Bundesstaat New York, sondern direkt vor Ort in Ostasien ist dabei die Devise – so dicht wie möglich an die Hauptabnehmer Sharp und Samsung sowie den taiwanischen LCD-Spezialisten AU Optronics. Teilweise, wie beim Südkoreaner Samsung, sogar per Joint Venture für Fertigungskapazitäten der neuesten, achten Mutterglas-Generation mit größeren Ausgangsformaten für immer größere Displays.

Damit setzt Corning auf die immens gestiegene Nachfrage nach optisch anspruchsvollen, immer dünneren (< 1 mm) und leichteren Gläsern für Laptops und Flachbildfernseher. Jetzt kommt noch ein Spagat hinzu: Die Gläser müssen nicht nur immer größer werden, sondern auch noch neuen Umweltrichtlinien entsprechen. Im Lichte der EU-Direktive ROHS (Restriction of Hazardous Substances), die Gefahrenstoffe wie Blei und andere Schwermetalle aus Elektronikprodukten verbannt, heißt es : umweltfreundliche, leicht recycelbare Materialien.

Für den traditionsreichen Konzern, der schon die Glaskolben für Edisons erste Glühlampen geblasen hat, ist das eine erfolgreiche, ja überlebenswichtige Strategie. Beim abrupten Einbruch der kommunikationsfreudigen New Economy vor fünf Jahren waren vor allem die euphorisch agierenden Telecom-Ausrüster als Abnehmer von Cornings Glasfaserkabeln ausgefallen.

Damals brach mehr als die Hälfte des Umsatzes einfach weg. Corning stand 2002 buchstäblich vor dem Ruin. Keiner der mächtigen institutionellen Kapitalanleger wollte sich noch an den von 100 $ auf 2 $ abgestürzten Corning-Aktien die Hände schmutzig machen.

Die kurz entschlossene massive Fokussierung auf Flachgläser für Flüssigkristalldisplays (LCD) brachte die Rettung, auch im immer opportunistischen Urteil der Analysten: „Corning ist die erfreuliche Story einer spektakulären Wiedergeburt“, ließ Kevin Landis von Firsthand Capital Management im kalifornischen San Jose Mitte April im Wall Street Journal verlauten – und gab damit das Signal für einen neuen spekulativen Run auf den alten Konzern.

Corning hält derzeit mehr als 60 % des Marktes für LCD-Glas. Konkurrenten sind unter anderem der deutsche Glasspezialist Schott und als Hauptwettbewerber die japanischen Nippon Glass und Asahi Glass. Mit den angekündigten Investitionen könnte Cornings Marktanteil jedoch weiter steigen. Zugleich ist das ein spektakulärer Erfolg gegenüber den japanischen LCD-Meistern. Cornings Displayglasgeschäft (Umsatz 2005: 1,7 Mrd. $) ist dazu äußerst profitabel.

Also lehnt sich Corning mit 1 Mrd. $ zur Erweiterung der Glasfertigung weit in den Wind der boomenden Märkte. Neben dem 174-Mio.-$-Investment in Japan fließen auch 425 Mio. $ in Cornings Fertigungsbasis im taiwanischen Taichung.

Doch schon neigen sich die rasanten Anstiege des LCD-Glassektors im ersten Quartal des Jahres in flachere Regionen – der richtige Zeitpunkt also für einen technisch versierten Großhersteller, auf hohe Volumina und nachhaltig distinktive Innovationen zu setzen. Mit der neuen Glassorte Eagle XG, im März auf der renommierten US FPD Conference des Marktforschers Displaysearch schlagzeilenträchtig angekündigt, ist Corning ein großer Wurf gelungen. James Clappin, Präsident von Corning Display Technologies, ließ es sich nicht nehmen, das neue Produkt persönlich vorzustellen. „Eagle XG ist ein umweltfreundliches Glas und das erste seiner Art. Der Wert für unsere Kunden wird sich erst richtig zeigen, wenn zukünftige Umweltauflagen eingeführt werden.“

Erstmals steht jetzt ein Glassubstrat bereit, das keinerlei Schwermetalle wie Arsen, Antimon und Barium mehr enthält und auch ohne Fluorine und Chlorine auskommt. Schwermetallzusätze dienen traditionell der optischen Verfeinerung der Gläser, insbesondere der Blasenfreiheit. Seit der Popularisierung der Flachbildschirme sind auch die Ansprüche an deren Glassubstrate dramatisch gestiegen: Geringere Glasdichte und besserer chemische und thermische Stabilität sind gefragt.

„Die sich schnell ändernde LCD-Industrie und die Zuwächse bei großen Hochleistungsdisplays erfordern die kontinuierliche Weiterentwicklung der LCD-Glassubstrate“, sagt Pete Bocko, Forschungsdirektor bei Corning. In der Umweltfreundlichkeit sieht Bocko einen signifikanten Fortschritt der Glastechnologie. „Damit will Corning den immer strikteren Anforderungen der Umweltauflagen einen Schritt voraus bleiben.“ Das Eagle XG-Glas kommt im Format 1,5 m x 1,85 m auf den Markt – dem Format für die Fabs der Gen 6, die zurzeit einen Großteil der marktgängigen LCDs herstellen.

Ob Cornings Investment in die LCD-Gläser immer im Vordergrund bleiben wird, ist fraglich. Noch wächst der Marktanteil der Flüssigkristallbildschirme bei den Fernsehgeräten weltweit stürmisch: um knapp 20 % dieses Jahr und bis zu 30 % im nächsten. Einschließlich 2007 wird damit der Markt für LCD-Gläser um 37 % wachsen.

Auch das Geschäft mit den Glasfasern wird sich nach Ansicht der Analysten bald mit den per Internet angelieferten Videodiensten wieder beleben. Gut, wenn man da, wie Corning, einen Fuß mit passender Schuhgröße in der Tür hat. WERNER SCHULZ

Von Werner Schulz
Von Werner Schulz

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