Speichermedien 11.08.2000, 17:26 Uhr

„Secondary Storage“ spart Zeit und Geld

Automatische Wechselsysteme für optische Speichermedien, so genannte Jukeboxen, werden für die Datensicherung in EDV-Netzwerken immer wichtiger. Besonders DVD-Ram-Systeme sind sicher und kosten weniger als vergleichbare Festplattenspeicher.

Wachsende Datenfluten zwingen Firmen und Verwaltungen in der EDV zunehmend zu einem Spagat: Einerseits steigt der Bedarf an Speicherplatz, andererseits besteht der Wunsch, extrem schnell und jederzeit auf die Daten zugreifen zu können. Beides ist in der Praxis häufig nur schwer vereinbar.
Die Rettung der geplagten Anwender besteht deshalb nach Meinung von Experten, wie Jan Brustkern, dem Geschäftsführer des Bonner Speicherspezialisten Incom, in modernen Speicherstrategien. Diese werden zukünftig immer häufiger auf optimal aufeinander abgestimmten Kombinationslösungen basieren. Bei diesen Konzepten dürften in der Zukunft so genannte Jukeboxen (s. Kasten) auf Basis wiederbeschreibbarer DVDs eine immer größere Rolle spielen.
Jukeboxen sind prädestiniert, ein spezifisches Speicherproblem zu lösen, das in der Praxis oft übersehen wird: Der primäre Festplattenspeicher, über den der zeitkritische Datenaustausch abgewickelt wird, ist oftmals mit Daten belegt oder belastet, auf die nur selten zugegriffen wird. Dazu gehören etwa E-Mail-Dateien und Präsentationen. Schätzungsweise trifft das auf 70 % der auf Servern liegenden Datenmengen zu. Als Folge verlängert sich die Backup-Zeit deutlich.
Die Auslagerung dieser statischen Daten auf eine Jukebox löst das Problem auf wirtschaftliche Weise, so Dirk Schuma, Leiter Vertrieb und Marketing bei Smartstorage, einem Anbieter von Jukebox-Management-Software. „Untersuchungen zeigen, dass der Preis einer DVD-Ram-Jukebox-Lösung bei circa 25 % des Preises einer vergleichbaren Festplattenlösung liegt“. Damit liegen die Kosten nach Angaben von Schuma etwa in der Größenordnung von Bändern. DVD-Ram biete jedoch aufgrund des wahlfreien Datenzugriffs im Vergleich zu diesen allerdings deutlich bessere Leistungswerte.
Quasi als Nebeneffekt erobert sich so die für die Unterhaltungselektronik entwickelte DVD-Technik ein Standbein in der Unternehmens-EDV. Favorit ist die DVD-Ram-Technologie. Die Konkurrenz – die DVD-„plus“-RW- und die DVD-„minus“-RW-Allianz – streitet nach wie vor um einen gemeinsamen Standard. Die nur einmal beschreibbaren DVD-R-Medien haben ihre hauptsächlichen Einsatzbereiche in der klassischen (unveränderbaren) Datenarchivierung sowie dem professionellen DVD-Mastering.
Nach Ansicht von Horst Schellong, Leiter Entwicklung beim weltweit führenden Jukebox-Hersteller NSM Storage in Bingen, könnte es DVD-Ram als erstem optischen Medium gelingen, in der kommerziellen EDV auf breiter Front Fuß zu fassen. Speziell als leistungsfähiger Hintergrundspeicher, in so genannten „Secondary Storage Anwendungen“, setzen führende Jukebox-Hersteller wie NSM, JVC oder Plasmon verstärkt auf die DVD-Ram-Technik.
Die doppelte Speicherkapazität der nächsten DVD-Ram-Generation von 4,7 GByte dürfte die Nachfrage weiter steigern. Das erwarten auch die Hersteller, etwa Norbert Lindner, zuständiger Sales und Marketing Manager beim DVD-Ram-Laufwerkshersteller Hitachi. Die neuen Medien seien ab Herbst dieses Jahres lieferbar.
Die DVD hat gute Chancen, sich zur dominierenden Jukebox-Technologie zu entwickeln. Die Bedeutung der CD-Technologie im Jukebox-Bereich lässt aufgrund der geringen Kapazität nach und die magneto-optische Technik findet wegen ihres im Vergleich hohen Preises wenig Resonanz.
Der Jukebox-Markt befindet sich im Umbruch. Generell sinken die Verkaufszahlen, aber der Bedarf bei großen Jukeboxen stiegt, so Untersuchungen der US-Marktforscher von IDC. „Die Einsatzgebiete für Jukeboxen werden zukünftig in den Bereichen Secondary Storage, Datenarchivierung, in vertikalen Segmenten wie der Medizintechnik und im Internet-Umfeld liegen“, prognostiziert IDC-Spezialist Wolfgang Schlichting.
Wie ein effizienter Einsatz von DVD-Ram-Jukeboxen als Secondary Storage in unternehmensweiten Speicherkonzepten aussehen kann, zeigt die von Incom entwickelte Storeasy-Lösung. Die Anwendung erweitert den Netzwerkspeicher für die Sicherung individueller Client-Daten.
Die wesentlichen Systemmodule von Storeasy sind ein Server/Administrator-Tool, die Client-Software und eine DVD-Ram-Jukebox. Sie kann wahlweise mit ein, zwei oder drei Laufwerken konfiguriert und – je nach Bestückung – mit bis zu 135 DVD-Ram-Medien à 2,6 GByte Brutto-Speicherkapazität bestückt werden. Für das Backup von Client-Daten stehen damit zusätzliche Ka bis zu 310 GByte Speicher zur Verfügung.
Der Netzwerkadministrator kann in der Jukebox beliebig große Speicherräume einrichten und den einzelnen Nutzern als Erweiterung ihres lokalen Festplattenspeichers zuweisen. Dazu definiert er einmalig die Anzahl der Medien in der DVD-Ram-Jukebox pro Benutzer und erteilt die entsprechenden Zugriffsrechte.
Der Benutzer haftet bei diesem System für einen Datenverlust. Über die Storeasy-Client-Software kann er die Art und die Zeitintervalle seiner persönlichen Sicherungsjobs definieren.
„Zum einen werden Daten und Versionsstände aus laufenden und abgeschlossenen Projekten sicher aufbewahrt, zum anderen braucht der Administrator im Fehlerfall kein aufwendiges System-Restore heranziehen, um verloren gegangene oder ausgelagerte Daten selektiv zu rekonstruieren. Das spart nicht nur Zeit, sondern vor allem Kosten“, so Incom-Geschäftsführer Jan Brustkern. SIEGFRIED DANNEHL
Technisches Stichwort

Jukeboxen

Bei der Datenspeicherung werden zwei Arten von automatischen Wechselspeichersystemen unterschieden: solche für Magnetbänder, so genannte Bandbibliotheken (Tape Libraries) und Wechsler für diverse optische Medien, die unter dem Oberbegriff Jukeboxen zusammengefasst werden. Jukeboxen unterstützen – je nach Bauform – Medien der Formate CD (Compact Disk), DVD (Digital Versatile Disk), MO (Magneto-optische) oder WORM (Write Once Read Many).
Jukebox-Lösungen sind fehlertolerante Systeme. Sie liefern selbst bei Ausfall eines Laufwerks weiterhin Daten – und das ohne Datenverlust. Grund für die hohe Datensicherheit von Jukeboxen ist die berührungslose Datenabtastung. Die Medienoberfläche wird weder durch die Schreib-/Leseköpfe der optischen Laufwerke noch durch die Robotik der Jukebox berührt.
Der Wechselmechanismus moderner Jukeboxen übertrifft mit 2,5 Mio. fehlerfreien Wechselzyklen (MSBF = Mean Swaps Between Failure) häufig die Fehlerrate (MTBF = Mean Time Between Failure) moderner Speicherlaufwerke.
Innerhalb von Speicherarchitekturen wie NAS (Network Attached Storage) und SAN (Storage Area Networks) kommen Jukeboxen in einer Vielzahl von horizontalen und vertikalen Anwendungen zum Einsatz. Sie reichen vom Dokumenten-Management über Lösungen im Audio-/Video-Segment bis zur Nutzung von DVD-Ram-Jukeboxen als universeller Sekundär-Speicher. sd

Ein Beitrag von:

  • Susanne Donner

    Susanne Donner ist studierte Chemikerin und schreibt als Wirtschaftsjournalistin über Technik- und Medizinthemen u.a für die Wirtschaftswoche, GEO, FAZ und ingenieur.de.

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