Displays 25.03.2005, 18:37 Uhr

Saatkorn für eine deutsche Displayindustrie  

VDI nachrichten, Stuttgart, 24. 3. 05 – Das Institut für Bildschirmtechnik (IfB) in Stuttgart ist die einzige Hochschuleinrichtung in der westlichen Welt, die sich mit der Entwicklung von Aktiv-Matrix-Flachbildschirmen als System beschäftigt.

Warum braucht Deutschland ein Forschungsinstitut für Flachbildschirme, wo doch die meisten PC-Displays aus Taiwan oder Südkorea kommen? Diese Frage hat Norbert Frühauf schon hundertmal gehört, und die Antwort des Professors und Leiters vom Institut für Bildschirmtechnik (IfB) der Universität Stuttgart kommt wie aus der Pistole geschossen: „Wir müssen unser Know-how bewahren. Außerdem hat die Branche große Bedeutung für Deutschland, auch wenn hier keine Fertigung mehr stattfindet.“

Know-how, das gibt es hier tatsächlich genügend. Das Institut, 1989 mit Mitteln des Forschungsministeriums gegründet, sollte ein Saatkorn für eine deutsche Displayindustrie sein. Die Rechnung schien aufzugehen: Die Stuttgarter setzten sich sofort an die Spitze der Entwicklung bei Aktiv-Matrix-Displays. Damit sind Displays gemeint, bei denen jeder Bildschirmpunkt von einem eigenen Transistor gesteuert wird – heute der Standard.

Die Stuttgarter waren 1994 die einzigen außerhalb Japans, die Aktiv-Matrix-Displays im 14-Zoll-Format fertigen konnten. 1998 hatte man bereits einen technologischen Vorsprung von mehreren Jahren. Mitarbeiter einer Tochterfirma von Bosch hatten am Institut in Nachtschichten die Fertigungstechnik zur Serienreife gebracht. Doch im selben Jahr kam das Aus, weil Bosch keine Partner fand, die 500 Mio. € in eine Fabrik investieren wollten. „Das war ein großer Fehler“, findet Frühauf, „Bosch hätte viel Geld verdienen können“.

Die europäische Industrie profitiert dennoch. Auch wenn von den 35 Mrd. $, die heute jährlich für Flachdisplays ausgegeben werden, der Löwenanteil nach Südostasien fließt – etwa ein Drittel des Geldes fließt wieder zurück, vor allem nach Deutschland.

Europäische Firmen beherrschen den Markt für Laborequipment, zum Beispiel bei Vakuum- und Belichtungsanlagen, und erzielen damit viel höhere Margen als die Displayproduzenten in Asien. Ein Fotolithografie-Prozess, der heute in Asien zur Herstellung der Aktiv-Matrix verwendet wird, stammt aus Stuttgart, für bestimmte Technologien verkauft das Institut auch Lizenzen nach Asien.

Genau dieses Know-how ist es, das Norbert Frühauf halten und ausbauen möchte – auch wenn die Idee vom Saatkorn zunächst gescheitert ist. Deshalb sei auch gerechtfertigt, dass es in Stuttgart so ein Institut gebe – das einzige in der westlichen Welt, das sich mit Flachbildschirmen als System beschäftige.

„Wir sind ein Unikum“, schmunzelt der Professor. Andere Unis untersuchen Teilaspekte, nur in Asien gibt es heute zwei ähnliche Institute. Taiwan leistet sich sogar eine eigene Fakultät für Displaytechnik mit 17 Professoren.

Für viele Firmen ist das schmucklose Flachdachgebäude auf dem Stuttgarter Unicampus deshalb weiterhin Dreh- und Angelpunkt für ihre Entwicklungen. Entsprechend hoch ist der Drittmittelanteil: Rund 90 % des Etats von gut 3 Mio. € werben die 20 Mitarbeiter über Forschungsprojekte ein.

Einer der Kunden ist Merck: Der Konzern ist Weltmarktführer für Flüssigkristalle, die den Liquid-Crystal-Displays (LCD) ihren Namen geben. Dass sich die Darmstädter eine goldene Nase verdienen, ist kein Geheimnis: „Die Gewinnspannen sind riesig“, verrät Frühauf.

Die möchte sich Merck auch in Zukunft sichern. Deshalb hat man gerade Covion, eine frühere Hoechst-Tochter, gekauft. Das Frankfurter Unternehmen ist führend bei organischen Leuchtstoffen, die einmal in so genannten OLED-Displays zum Einsatz kommen sollen.

Weil die organischen Leuchtdioden in jedem Bildschirmpunkt selbst leuchten, sind diese OLED-Displays heller und schneller als LCDs und werden diese wahrscheinlich in einigen Jahren verdrängen. Bei organischen Displays reicht allerdings ein Transistor zum Schalten des Bildpunkts nicht mehr aus, die Aktiv-Matrix enthält dann jeweils vier bis sechs Transistoren. Norbert Frühauf ist davon überzeugt, dass die besten Prozesse zur Herstellung dieser komplizierten Matrix zurzeit in Stuttgart entwickelt werden, gemeinsam mit Thomson-Brand.

Im Keller des Instituts ist dazu in den letzten Wochen eine Anlage zur Herstellung von OLED-Displays installiert worden, inklusive Vakuumkammern zur Verarbeitung der luftempfindlichen organischen Leuchtstoffe. Darin sollen auch organische Transistoren gefertigt werden, eine Schlüsseltechnologie für flexible Kunststoffanzeigen der Zukunft.

Das Institut spielt also auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von elektronischem Papier, das beliebig oft bedruckt, gelöscht und als dünnes Display für Fahrpläne oder Preisschilder genutzt werden könnte. Damit das Know-how nicht wieder ungenutzt verpufft, pumpt das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den nächsten fünf Jahren 100 Mio. € in die OLED-Entwicklung. Frühauf ist optimistisch: „Das ist ein wichtiges Signal an die deutsche Industrie und die Chance, wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen.“ BERND MÜLLER

www.lfb.uni-stuttgart.de

Wir müssen unser Know-how bewahren.

Prof. Norbert Frühauf, Leiter des Instituts für Bildschirmtechnik, Universität Stuttgart

Von Bernd Müller
Von Bernd Müller

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