Hardware 01.09.2000, 17:26 Uhr

Peinliche Panne: Rückrufaktion für Pentium III

Der Pentium 4, die Dot.Station und die Multimedia-Architektur Xscale waren die Highlights auf dem Intel Developer Forum. Als fehlerhaft zurückgerufen wurde hingegen der Pentium III in der 1,13 GHz-Variante.

Waren das noch Zeiten, als der weltgrößte Chiphersteller Intel die ganze Branche und ihre Medien mit dem „Pentium“ als einzige relevante Prozessorneuheit in Atem halten konnte. Jetzt, wie auf dem letzten Intel Developer Forum deutlich sichtbar, ist das alles ganz anders: An mehreren Produktfronten zugleich muss Intel-Chef Craig Barrett seinen Status als technologiemächtiger Innovator beweisen und in weit ausholenden Strategievisionen Intels führende Rolle bei den zukünftigen Halbleiterplattformen für den Internet-E-Commerce und für mobile Consumergeräte abstecken. Dass ein so breites und buntes Bouquet neben bedeutenden Errungenschaften auch ein paar Flops enthält, ist unausbleiblich.
Erstes Beispiel: der Pentium 4. Er ist der nächste Hoffnungsträger in Intels weitergehender 32-bit-Evolution (als Backup zur 64-bit-Generation mit dem immer noch nicht fertigen Itanium). Der Pentium 4 – Taktfrequenz: 1,4 GHz, 42 Mio. Transistoren (Pentium III: 24 Mio.), 400-MHz-Frontside-Bus („Net-Burst“), 20-stufige Befehls-Pipeline mit neuem, effizienten Prädiktionsalgorithmus – soll noch vor Jahresende erscheinen. Damit soll er wieder zum Spitzenreiter der PC-Prozessoren werden.

Taktfrequenz von 2 GHz bis Ende 2001 – Analysten erwarten bis zu 10 GHz

Auf dem IDF demonstrierte Albert Yu, Intels Vizepräsident für Prozessorarchitekturen, einen Pentium-4-PC mit 400-MHz-Rambus-Direkt-Ram. Ergebnis: wesentlich höhere Bildraten für Streaming Video und selbst gegenüber dem Pentium III bessere 3D-Grafikpräsentation. Taktfrequenzen von 2 GHz sind laut Yu bis Ende 2001 erreichbar. Er zeigte eine solche Konfiguration auf offener Bühne, ohne spezielle Kühlung des Prozessorchips. Optimistische Analysten sehen die Evolution des Pentium 4 auf 10 GHz Takt.
Doch im Moment rennt der Athlon des ewigen Rivalen AMD mit 1,1 GHz dem Pentium III (1,0 GHz) immer noch einen Schritt voraus. Denn nach Schluss des IDF verlautete, dass die seit Ende Juli ausgelieferten, mit 1,13 GHz um einen Hauch schnelleren und beinahe 1000 Dollar teuren Pentium-III-Prozessoren von Intel zurückgerufen werden müssen. Grund: Gewisse Applikationen frieren bei bestimmten Codesequenzen und Chiptemperaturen ein.
Ist das eine Wiederholung der peinlichen Arithmetikfehler des Original-Pentium aus den frühen 90er Jahren? Wohl kaum, denn bislang hat nur IBM nennenswerte Stückzahlen von PCs mit 1,13-GHz-Pentium-III verkauft. Die Rückrufaktion gilt auch für sie. Der Versandhändler Dell hatte sich mit Auslieferungen vorsichtig zurückgehalten.
Ähnlich temperiert sind die letzten News über Itanium, den ersten 64-bit-Prozessor der IA-64-Serie. Er ist seit sechs Jahren in der Entwicklung und soll nun Mitte nächsten Jahres erscheinen. Statt mit 800 MHz Takt, wie von den meisten Beobachtern erwartet, kommt er allerdings zunächst nur mit 733 MHz. „Der 800-MHz-Itanium ist zurzeit im Laborstadium“, sagt Michael Fister, Leiter der Enterprise Platform Group. Intel-CEO Craig Barrett gab in seiner Keynote-Demo einen Vorausblick auf die Verwendung des Itanium in einem Server-Cluster: E-Commerce-Transaktionen für 15 000 simultan bediente Kunden.
Doch auch in der zukunftsträchtigen 64-bit-Prozessorklasse hat Intel schneller als erwartet den Wettbewerb im Nacken: AMD transponiert mit dem „Sledgehammer“ die traditionsreiche Intel-X86-Familie und deren unübersehbare Zahl von Anwenderprogrammen effektvoll in die 64-bit-Welt. Und Compaq weist mit den ersten Samples des 64-bit-Prozessors „Alpha“ (noch vom Minirechner-Pionier DEC konzipiert und für Compaqs „Wildfire“- Server vorgesehen) unübersehbar auf die soeben erreichte Rekordmarke 1 GHz.
Voll auf die Tube drückt Intel in einem anderen Zukunftssegment für schnelle und vor allem sparsame Prozessoren: der mobilen Consumerkommunikation über das Internet. Da ist Intels Marktanteil mit 15 % wesentlich bescheidener als bei den „Wintel“-PCs mit 80 %. Mit dem brandneuen „Xscale“ hat man nun einen robusten Nachfolgetyp des Strong-Arm-Prozessors, der ebenfalls aus dem DEC-Nachlass stammt.
Xscale ist nicht nur ein Prozessor, sondern eine Prozessor-Archtiktur für schnelle aber sparsame Multimedia-Anwendungen. Xscale ist so sparsam, dass er manchen Beobachtern als „Crusoe-Killer“ gilt. Die vom Start-up Transmeta vorgestellten Crusoe-Prozessoren galten bislang als das Nonplusultra der dynamischen Spannungs- und Leistungsregelung. Intels Xscale verbraucht bei 1 GHz (und 1,75 V) eine Leistung von 1,75 W.

Vorstoß des Branchenprimus gegen etablierte DSP-Chips

Die ersten Xscale-Typen mit 600 MHz will Intel noch in diesem Jahr liefern. Als Hybride kombinieren sie den Xscale-Risc-Prozessor (mit IA-32-Pipeline und Multimedia-Befehlssatz) mit der von Analog Devices entwickelten „Frio“-Architektur zur digitalen Signalverarbeitung. Damit wagt Intel einen neuen Vorstoß gegen die etablierten DSPs TMS320C54X von Texas Instruments.
„Intel sieht im Kommunikationsbereich jetzt wesentlich stärker aus als noch vor einem Jahr“, meint David Wu, Analyst bei ABN-Amro. Ron Smith, Intel-Vizepräsident und Leiter des Bereichs Wireless Communications, ist ebenso „bullish“ über die Aussichten von Xscale: „Wir werden diese Architektur als Kern in jedem Teil der drahtlosen Internet-Infrastruktur und deren Klienten verwenden.“
Andere Neuheiten, die nur kurz gestreift sein sollen: der geplante Neuansatz für den Advanced Graphics Port, jetzt in der Version AGP8x. Er zielt mit Datentransferraten von 2 Gigabytes pro Sekunde auf den Pentium 4. Der Pentium III „Xeon“ für Highend-Workstations und Server soll mit einer Taktrate von 1 GHz noch im laufenden Quartal das Licht des OEM-Marktes erblicken. Neue Anstrengungen gelten auch dem Netzwerkprozessor IXP1200, den Intel ebenfalls von DEC übernommen hatte. Einen speziellen Internet-PC stellte Intel unter dem Namen „Dot.Station“ vor. Er ist für Linux ausgelegt.
Für viele überraschend kam Barretts Fürsprache der Peer-to-Peer-Kommunikation von PCs. Zurzeit ist sie eher als berüchtigter Napster-Swap von MP3-Musikdateien bekannt. Doch die direkte Vernetzung der PC-Klienten ohne die als Zentralrechner fungierenden Server ermöglicht eine effiziente Parallelisierung der Arbeit von Entwicklungs- und Marketing-Teams. Im Gegensatz zu den passiven Netzwerk-Computern übernehmen PCs dabei Serverfunktionen: Dateitransfer oder Virenschutz und verteilte, datenintensiven Berechnungen oder Simulatonen.
„Peer-to-Peer-Computing könnte ebenso wichtig für die Zukunft des Internets werden wie der Web-Browser für seine Vergangenheit“, meint Intels Chief Technology Officer Pat Gelsinger. „Mit P-to-P können Unternehmen existierende Teraflop-Prozessorleistungen und Terabytes an Speicherkapazität nutzen, um heutige Anwendungen effizienter zu machen und absolut neue Zukunftsanwendungen zu eröffnen.“ Dazu hat Gelsinger eine Peer-to-Peer Working-Group initiiert. Neben mehreren Dotcom-Startups sind auch HP und IBM dabei. WERNER SCHULZ

Von Werner Schulz
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