Vergleichstest 29.05.2009, 19:41 Uhr

Opels Hoffnungsträger Insignia macht eine gute Figur  

Opel Insignia und Toyota Avensis. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt der Insignia für Opel als Rettungsanker und als Aufbruchsignal. Seit wenigen Monaten auf dem Markt hat er sich gut verkauft. In der Mittelklasse muss er sich u. a. mit dem ebenfalls neuen Toyota Avensis messen. Für die neue Limousine von Opel spricht ihr Design und die Ausgewogenheit in vielen Disziplinen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 29. 5. 09, wop

Grundsätzlich sind sich Opel Insignia und Toyota Avensis in der gefahrenen Stufenheckversion sehr ähnlich. Das fängt schon bei den Fahrzeugabmessungen an, geht über das Innenraumangebot und die Norm-Kofferraumgröße weiter und endet schließlich bei den Preisen. Das Cockpit wirkt im Insignia gefälliger, doch die Instrumente des hochwertig verarbeiteten und ansprechend gezeichneten Interieurs könnten teilweise besser ablesbar sein. Bedingt durch die hinten abfallende Dachform ist die Kopffreiheit für großgewachsene Fondpassagiere im Insignia etwas eingeschränkt.

Bei der Motorisierung machen sich Insignia 2.0 CDTI und Avensis 2.0 D-4D kaum etwas vor: Beide Limousinen treten im Test mit kräftigen 2,0-l-Dieselmotoren an. Die Common-Rail-Direkteinspritzer leisten 96 kW (Opel) und 93 kW (Toyota), erreichen 300 Nm bzw. 310 Nm Drehmoment bei dieseltypisch niedrigen Touren.

Bei den Fahrleistungswerten hat mal der Avensis, mal der Insignia die Nase geringfügig vorn. Ebenfalls sehr eng zusammen liegen die zwei im Verbrauch mit durchschnittlich knapp 7 l/100 km. Der größere Tank verhilft dem Insignia zu mehr Reichweite. Wenn der Toyota-Diesel zurückhaltend gefahren wird, ist er noch sparsamer als sein Kontrahent.

Im Insignia 2.0 CDTI bewährt sich der lang übersetzte sechste Gang vor allem bei gleichmäßiger Autobahnfahrt. Zumindest solange nicht besonders starke Steigungen das Runterschalten notwendig machen. Die von den Rüsselsheimern gewählte Lösung ist aber dennoch vernünftig, weil nur so das kräftige Drehmoment des Dieselaggregats in niedrigen Touren zum Spritsparen bei höherem Tempo voll genutzt wird. Das Absenken des Drehzahlniveaus, z. B. auf 2000 min-1 bis 2500 min-1 bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h, liegt zudem bei neuen Motoren im Trend.

Unterschiedlich abgestimmt sind die Fahrwerke. Der Insignia ist eher straff ausgelegt, Querfugen oder kurze Wellen teilen sich schon mal mit, ohne dass es von den Insassen als zu hart empfunden wird. Beim aufpreispflichtigen Fahrwerkssystem Flexride mit geregelten Dämpfern erscheint die Stufe „Tour“ (statt: „Sport“) als die beste Einstellung. Die Seitenneigung hält sich dann in Grenzen, das Handling ist fast schon leichtfüßig zu nennen.

Sitzposition und Ergonomie stimmen im Insignia. Selbst beladen macht sein Fahrwerk die Sache gut. Also fast nur Lob? Nein, mancher wünscht sich auf Unebenheiten mehr Geschmeidigkeit u. a. in der Lenkung und auch der Dieselmotor könnte ruhiger arbeiten.

Insgesamt etwas schwerfälliger als der Opel kommt der Toyota daher, obwohl er 80 kg weniger Leergewicht hat. Die Seitenneigung in schnellen Kurven und bei Richtungswechseln ist bei ihm stärker ausgeprägt. Beladen (er verträgt eine etwas höhere Zuladung) nehmen die Wankbewegungen noch zu. In der Disziplin Komfort fällt das geringe Geräuschniveau im Avensis auf. Die für große Fahrer ziemlich hoch installierten Sitze sind ziemlich weich gepolstert – der Lederbezug im Testwagen war rutschig.

Als Basismodell kostet der Opel Insignia Selection 2750 € mehr als sein Pendant Toyota Avensis mit 24 950 €. Aber wer kauft schon das „nackte“ Grundmodell? Interessant wird, dass sich mit zunehmender Wunschausstattung die Preisdifferenz zu Gunsten des Insignia umkehrt.

In der Ausführung Insignia 2.0 CDTI Edition steht der Opel für 28 655 € in der Preisliste, einschließlich Premium-Paket für 30 945 € und besitzt dann feine Details wie Lederausstattung und Radio-DVD-Anlage mit integriertem Navigationssystem. Soll der Toyota Avensis 2.0 D-4D Executive in der Ausstattung etwa gleichziehen, kostet er statt 29 100 € dann 34 725 €. Extras wie Schiebedach und Spurwechselassistent kann Toyota anders als Opel nicht liefern.

INGO REUSS/WOP

Von Ingo Reuss/Wolfgang Pester

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