Autotest 06.02.2004, 18:28 Uhr

Opel Meriva bietet Mercedes A-Klasse Paroli

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 2. 04 – Opel hat mit dem Meriva einen Minivan im Angebot, der es gut mit der A-Klasse von Mercedes aufnehmen kann. Als 1.7 CDTI stellt der Rüsselsheimer das gegenüber dem rund 4.600 € teureren Stuttgarter A170 CDI in der Langversion unter Beweis.

Anfangs war die A-Klasse von Mercedes-Benz konkurrenzlos. Sie hatte manche Hürden zu nehmen, darunter den Elchtest, der sie erst zum Kippen und dann fast zum Straucheln brachte. Doch dank des serienmäßigen Antischleudersystems ESP und anderer Maßnahmen wurde sie nicht nur ein sicheres, sondern auch ein erfolgreiches Modell. Inzwischen in die Jahre gekommen und vor der Modellablösung stehend, muss die A-Klasse es mit den Youngstern des Segments aufnehmen. Zu ihren jüngsten Konkurrenten zählt seit Mitte 2003 der Opel Meriva. Im direkten Vergleich zeigt der Neue, wo seine Qualitäten liegen und wer in der Van-Klasse mit dem größten Steigerungspotenzial die Nase vorn hat.
Mancher mag denken, die beiden sind nicht miteinander zu vergleichen. Doch dem ist nicht so. In der Fahrzeuglänge ist selbst die gefahrene Langversion der Mercedes A-Klasse noch 26,6 cm kürzer als der auf dem Opel Corsa basierende Meriva. Ihre Kraft schöpfen beide Turbodiesel aus 1,7-l-Aggregaten mit Common-Rail-Direkteinspritzung. Der Meriva 1.7 CDTI bietet mit 74 kW etwas mehr als der A 170 CDI L mit 70 kW.
In den Fahrleistungen verteilen sich kleine Vorteile, die jeder der zwei Kontrahenten herausfährt, zu einem ausgeglichen Bild: In der Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 km/h herrscht mit 11,9 s (Meriva) und 11,7 s beinahe Gleichstand. Ähnlich bei der Höchstgeschwindigkeit, wo der um einen Deut temperamentvollere Mercedes mit 180 km/h um 5 km/h schneller ist.
Das Bild dreht sich leicht in den Elastizitätsprüfungen, wo beispielsweise der Meriva für den Zwischenspurt von 60 km/h auf 100 km/h im vierten Gang nur 8,7 s benötigt, während der A 170 für die gleiche Disziplin 0,8 s mehr braucht. Für manche Messwerte gibt es eine einfache Erklärung. So bringt der Meriva mit 1470 kg Leergewicht gegenüber dem A 170 CDI L mit 260 kg deutlich mehr „Speck“ auf die Waage. Ein entscheidender Grund, weshalb der Mercedes-Kompaktvan im Test mit 6,1 l je 100 km 0,5 l weniger verbrauchte als der Rüsselsheimer.
Die gewählten Beispiele und fast alle technischen Daten und Messwerte zeigen, dass die Übereinstimmung größer ist als viele erwarten. In der Diskussion um Stärken und Schwächen kommt die Wende erst beim Blick auf die Preistabelle. Hier fällt der Abstand bedeutend aus: So kostet der Opel Meriva 1.7 CDTI Cosmo 16 995 €, mit dem beim Stuttgarter serienmäßigen Antischleudersystem ESP sind es 17 520 €. Aber auch dann ist der Mercedes A 170 CDI L Avantgarde mit 22 133 € noch um 4613 € teurer als der Opel-Minivan.
Was kann der Mercedes in der Praxis besser, um diese Differenz zu erklären? Da ist einmal die ungewöhnlich große Beinfreiheit im Fond der langen A-Klasse, unumstritten ein Pluspunkt, wenn man häufiger mit drei, vier Erwachsenen unterwegs ist. Aber auch grundsätzlich muss hier die gute Raumausnutzung gelobt werden. Im Meriva fühlt sich der Fahrer höher über dem Lenkrad positioniert.
Beim Kofferraum können unter dem Strich beide überzeugen – ausreichend groß und variabel. Beim Mercedes müssen allerdings die hinteren Sitze ganz ausgebaut werden, um den maximalen Stauraum zu nutzen. Beim Meriva lassen sich die Sitze einzeln falten und bei Bedarf die Beifahrerlehne flach umklappen – bei der A-Klasse ist der Sitz, wenn nötig, ausbaubar.
Ein Mini-Plus verbucht der A 170 bei der Fahrsicherheit. Er gibt sich handlicher, obwohl die Lenkung nicht feinfühliger reagiert als beim Meriva. Messungen von Fachmagazinen attestieren dem Mercedes zudem eine etwas solidere Bremsleistung. Der Fahrkomfort des Opel kann sich dagegen unter allen Fahrbahnzuständen sehen lassen, einzig auf ausgeprägte Querrillen reagiert er mit trockener Straffheit. Auf langen Autobahnstrecken fühlen sich die Insassen im Opel-Minivan besonders gut aufgehoben.
Beide Dieselmotorisierungen können zufrieden stellen. Der Opel-Diesel macht seine Arbeit gut. Er zieht harmonisch durch, nur beim starken Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen schlich sich beim Testwagen ein brummiger Unterton ein. Ansonsten rangieren Akustik und Laufkultur auf der Stufe, die man von relativ kleinen Fahrzeugen bestenfalls erwarten kann. Der A170 CDI wirkt in den häufig gefahrenen mittleren Drehzahlen akustisch aufdringlicher. Im Gesamturteil überrascht der Opel Meriva mit dem insgesamt guten Abschneiden. Nur in einer, hier nicht wirklich zählenden Wertung, dürfte für viele das Auto mit dem Stern schließlich noch klar vorn liegen – beim Marken-Image. INGO REUSS/WOP

Teststenogramm

BMW 320d: 4,47-m-Stufenhecklimousine, gute Platzverhältnisse, ausreichend großer Kofferraum, geringe Zuladekapazität temperamentvoller 2,0-l-Vierzylinder, ausgezeichnete Laufkultur, exakt abgestufte Sechsgangschaltung, günstige Verbrauchswerte Heckantrieb, agiles Fahrverhalten, straffe, jedoch komfortable Abstimmung hohe Verarbeitungsqualität.
Jaguar X-Type 2.0d: 4,67-m-Stufenhecklimousine, vorn gute, hinten eingeschränkte Platzverhältnisse, Gepäckraum und Zuladung ordentlich in niedrigen Touren durchzugsstarker 2,0-l-Vierzylinder, kultivierter Lauf, eingeschränktes Drehzahlband, kurz übersetzte Fünfgangschaltung, zu hoher Praxisverbrauch kurvenwilliger, stabiler Frontantriebler, harte Abstimmung in Version „Sport“ gediegen wirkendes Interieur, gute Verarbeitung. IR

 

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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