Displays 12.11.2004, 18:34 Uhr

OLED – Patentkampf prägt die Innovation

selbst leuchtende, aus allen Blickrichtungen brillante, flache, leichte und – irgendwann – sogar flexible Anzeigepanels mit Leuchtdioden (LEDs) auf organischer Basis. Die kurz OLEDs genannten Wunderdisplays stehen an einer historischen Wende ihrer Entwicklung. Das hat weniger mit aktuellen technologischen Durchbrüchen zu tun. Zurzeit tobt vielmehr der Kampf um Fragen des geistigen Eigentums, neudeutsch „intellectual property“.

Anfang der 80er Jahre wurden die ersten Grundpatente für OLED-Strukturen, -Materialien und -Treiber erteilt. Die laufen jetzt, eines nach dem anderen, aus. Diese Grundpatente liegen zum größten Teil in der Hand des US-Konzerns Kodak. In geringerem Maße auch beim britischen Hersteller Cambridge Display Technology (CDT) aus dem Umkreis der Universität Cambridge, bei USC in Südkalifornien und Motorola. Kodak hat bislang auf Passivmatrix-OLEDs mit „kleinen Molekülen“ gesetzt, CDT auf die längerkettigen Moleküle der so genannten Polymertechnologie mit Inkjet-Fertigung.

Wer also OLEDs der einen oder anderen Varietät entwickeln oder fertigen will, muss erst mal Lizenzen erwerben. Und Royalties zahlen. Bislang. Denn das wird sich nun ändern. Damit bekommt die OLED-Innovation eine breitere Basis.

Kimberly Allen vom US-Marktforscher iSuppli hat sich detailliert und analytisch mit dem Thema beschäftigt: „OLED Intellectual Property Special Study“. Ergebnis: Asiatische, vor allem japanische Firmen haben in den 90er Jahren ihre OLED-Patentpositionen antizipatorisch ausgebaut und vorangeschoben.
Alle wollen sie an der Zukunft der Displays – nach LCD- und Plasma-technik – teilhaben und neue, exotische Anwendungen erschließen. Insgesamt 6562 OLED-Patente (seit 1980) hat Allen in ihrer Datenbank. Etwa 70 % von ihnen nennen Japan als eines der Länder, in denen sie registriert sind. Die USA folgen mit 57 % und Europa mit 29 %. Auch in China sind mittlerweile 12 % aller OLED-Patente registriert.

Die Japaner drängen – wie bei den LCDs – auch bei den OLEDs massiv nach vorn. Kein Monat vergeht, ohne dass sie neue Rekorde melden. Derzeit brilliert Seiko Epson mit einem 40-Zoll-OLED-Display. Natürlich nur als Prototyp. Selbst auf dem Weg zum gängigen 15- oder 17-Zoll-PC-Monitor müssen OLEDs heute noch passen. Differentielle Lebensdauerprobleme, insbesondere mit der Grundfarbe Blau, sind immer noch der entscheidende begrenzende Faktor. Neben den Kosten, bedingt durch die ungenügende Effizienz der Fertigung.

Japanische Hersteller repräsentieren unter den weltweit führenden Patentinhabern bereits die Hälfte in der Zahl der Patente – was nicht immer etwas über deren Bedeutung aussagen muss. Wichtiger ist, wie oft ein Patent in der Literatur zitiert wird.

„Kodak“, so Allen, „ist immer noch die Nummer eins als internationaler Patenthalter.“ Und registriert auch weiterhin jedes Jahr die meisten OLED-Patente. Die internationalen Top Five sind Kodak, UDC, SEL, Idemitsu Kosan und NEC.

„Die Lizenzgeber waren an der Schaffung einer OLED-Gemeinde interessiert“, begründet Allen, warum die Vergabepraxis der Rechte bisher durchaus Sinn machte. „Sie brauchten eine gewisse Menge von Herstellern und Entwicklern.“ Präkompetitive und kommerzielle Kollaboration auf allen Ebenen, akademisch wie industriell, ist bei der Komplexität der OLED-Technologien immer noch angesagt.

Insgesamt stammen nach einer Schätzung der Autorin der OLED-Studie 63 % aller Patente von japanischen Firmen, 22 % aus den USA. Deutschland ist mit 4,5 % immerhin auf Rang drei, die Briten steuern 3,4 % bei, die Koreaner 3,2 % und die Taiwaner 1,3 %.
Deutsche OLED-Firmen, empfiehlt Kimberly Allen, sollten auf die Materialentwicklung fokussieren. „Es ist unwahrscheinlich, dass westliche Firmen die asiatische Fertigung durch neue Techniken beeinflussen können.“ Spitzenreiter der deutschen OLED-Patentinhaber ist Siemens, gefolgt von Bayer, Osram und Covion. Reelle, aber limitierte Chancen.

OLEDs sind trotz aller Hoffnungen laut Allen noch keine Massenware. „Sie sind weit gediehen in der Marktentwicklung, aber noch keine ‚commodity“.“ Der OLED-Markt konzentriert sich derzeit auf kleine und kleinste „Sub-Displays“ für Handys und andere Kleingeräte. Dieser Markt könnte, so schätzt Allen, dieses Jahr weltweit 430 Mio. $ erreichen (35,3 Mio. Stück).

Doch dies ist ein Rückschlag. Erwartet wurden 470 Mio. $ und 36,2 Mio. Stück. Grund für den Rückschlag: zu hohe Preise. Viele Handyhersteller haben sich unter Sparzwang wieder für LCDs entschieden. Folge: Im Sommer gab es einen Einbruch im OLED-Absatz. Jetzt sind die Preise eingeknickt, sagt Allen, und der Markt kommt wieder in Fahrt. Die umsatzstärksten Anbieter sind Pioneer, Samsung und RiTdisplay.

Dieser Rückschlag ist ein interessantes Lehrstück für diese noch junge Industrie: Seit einem oder zwei Jahren nämlich galten OLEDs als Besonderheit für Handy-Fans. Das durfte also ruhig ein bisschen teurer sein als üblich. „Plötzlich müssen sie nun mit LCDs auf gleicher Augenhöhe konkurrieren“, erklärt Kimberly Allen. „Keine Sonderprämien mehr für OLEDs.“

www.isuppli.com

Deutsche Firmen im OLED-Markt …

  • sind auf dem dritten Rang des OLED-Patent-Rankings. Sie halten 4,5 % der Patente, weit hinter Japan (63 %) und den USA (22 %).
  • sollten sich auf die Materialentwicklung fokussieren.
  • sind vor allem alte Bekannte. Sie heißen zum Beispiel Siemens, Bayer, Osram oder Covion.

 

Von Werner Schulz

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