IT-Infrastruktur 13.06.2003, 18:25 Uhr

Ohne neue Hardware die Außenstellen anbinden

Das ostdeutsche Telekommunikationsunternehmen HL Komm setzt auf Ethernet-Technik mit Glasfaser bis zum Kundenanschluss. Gemeinsam mit Cisco hat der Citycarrier für Leipzig und Halle ein Netz installiert, mit dem Firmenkunden ihre Dependancen ohne den Einsatz teurer Router anbinden können. Insgesamt lassen sich damit nach Angaben von Systemlieferant Cisco die Kosten bis zu 80 % senken.

Ethernet kann in der Telekommunikation kräftig sparen helfen. Die zeit- und kostenaufwändige Protokollumwandlung zwischen den lokalen Netzen und den bisherigen Fernverbindungen auf Basis von Standleitungen, Frame Relay oder ATM (Asynchronous Transfer Mode) entfällt. „Im Vergleich zur herkömmlichen SDH-Verkabelung (Synchronous Digital Hierarchy) ist eine Ethernet-Lösung deutlich preiswerter und flexibler“, erläutert Werner Rapp, Geschäftsführer der HL Komm.
Für Kunden, die die Bandbreite flexibel nutzen wollen, ist nach Meinung von Gregor Türpe, Internet Engineer bei HL Komm, Ethernet die bessere Lösung. „Der Kunde kann sein vorhandenes Ethernet-Equipment weiternutzen. Die aktuellen Forderungen nach Bandbreite lassen sich über Softwareveränderungen beim Netzbetreiber einstellen“, erläutert Türpe die Flexibilität der Ethernet-Lösung. Über eine webbasierende Lösung soll der Kunde in Zukunft sogar in die Lage versetzt werde, diese Einstellungen von seinem eigenen Rechner aus vorzunehmen.
Will der Kunde in einem SDH-Netz eine Änderung der Bandbreite, muss er neue Hardware installieren und die Schnittstellen anpassen. „SDH eignet sich überall da, wo klar definierte Bandbreite gefordert ist“, so Türpe. HL Komm wird sein vorhandenes SDH-Netz parallel weiter betreiben.
Die Grundlagen der heute auch im WAN-Umfeld (Wide Area Network) genutzten Ethernett-Technik wurden bereits vor dreißig Jahren gelegt. Damals ging es den Unternehmen DEC, Intel und Xerox (DIX) darum ein gemeinsames Protokoll für die Vernetzung von Datenverarbeitungsstationen im Unternehmen festzulegen.
Entsprechend den Ansprüchen der Nutzer nach mehr Bandbreite wurde die Leistung des Ethernet stetig weiter entwickelt. In Verbindung mit Glasfaser versorgen Netzbetreiber wie HL Komm heute ihre Kunden mit bis zu 1 Gbit/s. Ethernet macht zurzeit als preisgünstige Alternative zu den etablierten WAN-Techniken weltweit Karriere.
„Mehr als 70 % aller Daten eines Unternehmens werden innerhalb der städtischen Weitverkehrsnetze transportiert“, erklärt Paul Girvin von 51°, einem Netzbetreiber in London, der dort ebenfalls mit Cisco-Komponenten ein Stadtnetz betreibt. Dabei setzt 51° auf die Zusammenarbeit mit Betreibern von Gas- und Elektrizitätsnetzen. Das liegt nahe, ist doch 51° ein Ableger des britischen Energieversorgers LE Group, einer Tochter der französischen EDF, die im Großraum London und Ostengland rund 3 Mio. Kunden zählt.
Die physikalische Infrastruktur wie Leitungen wird gemietet, der Netzbetrieb liegt in der Hand von 51°. Girvin, bei 51° verantwortlich für Sales und Marketing, sieht sogar „stark eine steigende Tendenz des übertragenen Datenvolumen im Citybereich, bedingt durch die Zunahme von mehr Service über das Internet bei Behörden oder Banken oder Anbietern der Unterhaltungsindustrie“.
Für den zunehmenden Bedarf an Bandbreite sind die traditionellen Carrier nicht gerüstet, erläutert Girvin. Kupfer und DSL-Angebote reichen seiner Meinung nach nicht aus, um den Bedarf zu decken. „Der Zugang zu breitbandigen Internetservices wird in Kürze so selbstverständlich sein wie Elektrizität und Wasser“, hofft Guido Romagnoli, bei Cisco zuständig für das Metro Ethernet Marketing in Europa.
Diese Perspektiven sind nicht neu. Kabelnetzbetreiber wie ish in Düsseldorf scheiterten allerdings daran, dass sie unter anderem nicht den direkten Zugang zu den Kunden hatten. Auch Nokia oder Siemens versuchten erfolglos den Endkunden mit Settopboxen für breitbandige Services zu gewinnen.
IDC prognostizieren den Herstellern von Ethernet-Ausrüstung weltweit ein Wachstum von derzeit 837 Mio. $ auf 4,3 Mrd. $ bis zum Jahre 2007. Eine Vielzahl von Projekten spricht dafür. Die MKB Fastighets AB in Malmö will mit dem Betrieb eines eigenen Ethernet-Netzes auf Glasfaserbasis ihren Kunden nicht nur den Zugang zum Internet, sondern auch Services bieten. Das Immobilienunternehmen versorgt heute bereits rund 2000 Wohnungen und 3000 Läden in der zweitgrößten schwedischen Stadt und ermöglicht über ein eigenes Internetportal Zugriff auf Sicherheitsdienste, Kontrolle von Heizung und Strom oder auch Anzeigen der lokalen Ladengeschäfte.
Zu den größten Erfolgen von Cisco zählt wohl der jüngste Auftrag mit dem US-Telekom-Anbieter BellSouth, der jetzt ebenfalls ein Gigabit-Metro-Ethernet auf Basis von Cisco- und Lucent-Komponenten bauen will. Auch in Wien setzt die lokale Telekomgesellschaft auf Ethernet.
  DOROTHEA WENDELN-MÜNCHOW

  • Dorothea Wendeln-Münchow

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