Videospiele, wo immer man will 21.10.2016, 12:59 Uhr

Nintendo Switch macht der Konsole Beine

Das monatelange Rätselraten hat ein Ende: Der japanische Videospiel-Riese Nintendo kündigt seine neue Konsole „Switch“ an, die einen schnellen Wechsel zwischen klassischem Zocken am Fernsehbildschirm und mobilem Daddeln per Handheld ermöglicht. Die Nachricht versetzt Branche, Spieler und Börse gleichermaßen in Aufruhr.

Für daheim und unterwegs: Die neue Konsole Nintendo Switch erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen klassischem Zocken am Fernsehbildschirm und mobilem Daddeln per Handheld. 

Für daheim und unterwegs: Die neue Konsole Nintendo Switch erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen klassischem Zocken am Fernsehbildschirm und mobilem Daddeln per Handheld. 

Foto: Nintendo

Dass Videospiele nicht zwingend im Wohnzimmer stattfinden müssen, hat Nintendo schon vor Jahren mit seinem Gameboy sowie den Nachfolgern Nintendo DS und Wii U bewiesen. Aber immer nur auf den Mini-Bildschirm starren, ist trotz des anhaltenden Trends zu Smartphone-Games auch nicht das Wahre – hin und wieder darf es dann doch der Fernseher sein. Mit seinem neuesten Streich verbindet der japanische Videospiel- und Konsolen-Hersteller jetzt beide Welten: Nintendo Switch heißt die neue Konsole, wie der Konzern am 20. Oktober bekanntgab.

Monatelanges Rätselraten hat ein Ende

Damit beendet Nintendo auch das monatelange Rätselraten über das Projekt „NX“. Dass die Spieleschmiede an irgendeiner Neuheit bastelt, war seit etwa einem halben Jahr bekannt. Genaueres war den Japanern nicht zu entlocken – und auch jetzt geizt das Unternehmen mit konkreten und vor allem technischen Informationen. Eine kurze Mitteilung und ein dreieinhalb-Minuten-Clip reichen jedoch, um die Branche in Aufregung zu versetzen, die Vorfreude der Zockergemeinde zu schüren und die Aktien des Unternehmens nach oben zu treiben.

Überall: Nintendo hat viele Ideen, wohin Fans die neue Konsole mitnehmen können, um zu spielen...

Überall: Nintendo hat viele Ideen, wohin Fans die neue Konsole mitnehmen können, um zu spielen…

Foto: Nintendo

Demnach ist das Gerät komplett modular aufgebaut. Was zuerst wie eine handelsübliche Konsole aussieht, entpuppt sich beim zweiten Blick als eine Docking-Station, in die das eigentliche Spielgerät eingeschoben wird – zum Laden, aber auch zum gemütlichen Zocken auf dem Sofa, den Controller wie gewohnt in der Hand und der Bildschirm des Fernsehers per HDMI-Kabel angeschlossen. Die Konsole selbst, die mit einem Tegra-Prozessor von Nvidia arbeitet, sieht dagegen aus wie ein Tablet mit 7-Zoll-Bildschirm. Zieht man diese aus der Dockingstation, verwandelt sie sich in ein großes Handheld, und das bei Bedarf sogar mitten im Spiel. Fehlen nur noch die Bedien-Elemente – aber die lassen sich mal eben links und rechts einrasten. Sekunden zuvor waren sie noch als TV-Konsolen-Controller im Einsatz. 

Der Controller ist der Schlüssel

Das sind jedoch nur zwei der unterschiedlichen Einsatz-Möglichkeiten der einzelnen Elemente. Der Name „Switch“ ist schließlich Programm: Nintendo hat sein neues Spielzeug so aufgebaut, dass es sich mit wenigen Handgriffen an verschiedenste Situationen anpassen lässt. Eine Schlüsselfunktion liegt im Controller. Der besteht aus drei Teilen: zwei Joy-Cons mit den Knöpfen und Reglern und dem Joy-Con Grip, das eigentlich nur das Mittelstück zwischen den beiden Controller-Hälften bildet und zu einer bequemeren Handhaltung beiträgt.

Ruckzuck ist Nintendo Switch ausgehbereit.

Ruckzuck ist Nintendo Switch ausgehbereit.

Foto: Nintendo

Unterwegs lassen sich die beiden Joy-Cons nicht nur an den Seiten der mobilen Konsole nutzen, sondern – miteinander verbunden – auch als einzelner Controller: fast wie auf dem heimischen Sofa, nur mit kleinerem Bildschirm. Spielt man zu zweit, bekommt jeder Spieler eine Hälfte. Mehr Spieler können ebenfalls mitmischen, dafür braucht man allerdings eine weitere Konsole, die sich per Funk zuschaltet.

Nostalgiker müssen sich nicht umstellen

Für Nostalgiker unter den Spielern gibt es als Sonderzubehör übrigens auch den klassischen Controller. Und auch bei den Spielen müssen sich offenbar weder Gewohnheitstiere noch Sammler großartig umstellen. Aus Bildern des eingangs erwähnten Videos schließen Branchenkenner wie zum Beispiel das Online-Magazin heise.de, dass die Switch auch mit Wii-U-Spielen umgehen kann. Außerdem werde das kommende Zelda-Abenteuer „Breath of the Wild“ für beide Konsolen erscheinen.

Am größten ist es daheim: Hier kann der Spieler den Bildschirm nutzen.

Am größten ist es daheim: Hier kann der Spieler den Bildschirm nutzen.

Foto: Nintendo

Natürlich soll es auch neues Futter für die erlebnishungrigen Spieler geben: Den wenigen Angaben von Nintendo zufolge arbeiten diverse Entwickler wie Activision, EA, Epic Games, Ubisoft und diverse mehr an neuen Inhalten. Ein wenig Zeit haben sie dabei noch: Die Nintendo Switch wird wohl erst ab März 2017 erhältlich sein – zu welchen Preis, steht derzeit noch in den Sternen.

Neue Wege, bewährtes Kerngeschäft

Dass Nintendo neue Wege geht, ohne alte Konzepte zu vernachlässigen, haben die Japaner bereits im Sommer eindrucksvoll mit Pokémon Go bewiesen. Kooperationspartner Niantic hatte gemeinsam mit Nintendo die knuffigen Pixelmonster wiederbelebt, die Spieler vom Sofa auf die Straße gescheucht und miteinander vernetzt. Neuland war für den Videospiel-Dinosaurier, dass er das Spiel unabhängig von hauseigenen Plattformen einfach auf Smartphones spielen ließ. Diesbezüglich ist Nintendo mit der „Switch“ wieder zum Kerngeschäft zurückgekehrt. Was bleibt, ist der mobile Aspekt mit der Möglichkeit, sich mit anderen Spielern zu vernetzen.

Von Judith Bexten

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