Xbox One 23.05.2013, 14:36 Uhr

Neue Superkonsole blickt in das Wohnzimmer

Microsoft hat seine nächste Spielkonsolen-Generation vorgestellt: die Xbox One. Sie soll als zentrales Gerät sämtliche Multimediageräte im Wohnzimmer steuern. Ausgestattet mit einer Kinect-Kamera wird der Fernsehkonsum der Zuschauer erfasst. Xbox One kann alles hören und sehen.  

Microsoft-Manager Don Mattrick präsentiert die neue Spielkonsole Xbox One.

Microsoft-Manager Don Mattrick präsentiert die neue Spielkonsole Xbox One.

Foto: Microsoft

Es soll eine Konsole für die gesamte Familie sein: Spiele, Filme, Fernsehen und Internet-Unterhaltung in einem: Xbox One – mit Mimik und Gestik steuerbar. „Zum ersten Mal werden Sie und Ihr Fernseher eine Beziehung haben“, verspricht Don Mattrick, Microsofts Chef der Unterhaltungssparte, während der Präsentation im Microsoft-Hauptquartier in Redmond. In einem einstündigen Internet-Stream stellt er den Nachfolger der Xbox 360 vor.

In Deutschland wird die Xbox One Ende 2013 passend zum Weihnachtsgeschäft erhältlich sein. Der Preis ist noch unbekannt. Bekannt ist jedoch, dass die Spiele der Xbox 360 nicht kompatibel sein werden. Dafür wird die neue Konsole für neue und hoch auflösendere Games mehr Rechenpower haben als der Vorgänger. Xbox One verfügt über einen Achtkernprozessor, einen Acht-Gigabyte- Arbeitsspeicher, eine 500 Gigabyte große Festplatte, ein Bluray-Laufwerk sowie über USB-3.0- und HDMI-Anschlüsse. Zum Vergleich: Die Xbox 360 hatte 512 Megabyte Arbeitsspeicher und einen deutlich langsameren Prozessor. Die Xbox One ist im Ganzen achtmal leistungsfähiger als die Xbox 360.

Xbox One – auch ein Instrument der Marktforschung 

Das Besondere an der neuen Konsole ist die neue Sprachsteuerung. Sie ermöglicht dem Spieler zwischen Live-TV, Spielen oder Skype zu wechseln. Jedoch dient die Xbox One nicht nur dem Nutzer als Multimediagerät. Wann sitzt wer vor dem Fernsehgerät? Welche Sendungen werden geschaut und welche Werbespots werden weggeschaltet? Diese und ähnliche Fragen können beantwortet werden, da die Xbox One mit ihrer Kinect-Kamera das Leben vor dem Gerät aufnehmen kann. Die HD-Kamera kann pro Sekunde bis zu 30 Bilder aufnehmen. Sie nimmt Bewegungen noch genauer wahr und kann sogar den Herzschlag des Spielers erfassen. Xbox-Marketingchef Yusuf Mehdi fasst die vermeintlichen Vorzüge des Geräts zusammen: „Es weiß, wer Sie sind, was Sie wollen und wie Sie es wollen.“  Damit gelingt Microsoft, wozu Konkurrenten wie Google, Apple, Amazon oder Sony nicht in der Lage sind: Einen ständigen Blick in das Wohnzimmer des Nutzers zu werfen, der als Instrument der Marktforschung eingesetzt werden kann und somit den größten Markt für Werbung bietet.

Datenschützer schränken Nutzung ein

Mit Hilfe der Gesichtserkennung kann Kinect Mimik und Gestik der Nutzer erkennen. Diese Erkennung soll jedoch nur auf dem Gerät selbst laufen und nicht in der Cloud-Datenwolke gelangen, so ein Entwickler des Unternehmens. Es soll auch keine zentrale Datenbank mit biometrischen Merkmalen angelegt werden wie es Facebook zeitweise tat. Inzwischen hat Facebook die Gesichtserkennung europaweit abgeschaltet, nachdem das Soziale Netzwerk mit Datenschützern in Konflikt geraten war.

Bildschirm zeigt Variable über Status des Spielers

Während der Vorführung der Konsolenkamera erklärte Entwicklungschef Yaron Galitzky, dass diese weiß, welcher Nutzer welchen Controller in seiner Hand hält. Während der Live-Präsentation zeigte der Bildschirm verschiedene Variablen, die Auskunft über die Spieler geben wie: Gesichtsausdruck („traurig/fröhlich/neutral“), aufmerksam („ja/nein“), spricht („ja/nein“), linkes/rechtes Auge („offen/geschlossen“), Mund („offen/geschlossen“). Zudem will das Unternehmen mit Live-Votings und zusätzlichen Informationen über aktuelle Sendungen die Nutzer aktiv einbeziehen, auch um herauszufinden, was die Menschen beschäftigt.

Kostenpflichtige Multiscreen-Auswertungen werden hinfällig

Das Verhalten von etwa 40 Prozent aller Fernsehzuschauer erfasst derzeit das Unternehmen Nielsen und bietet die Auswertungen kostenpflichtig als Spezialservice an. Sollte Microsoft die Mulitscreen-Erfassungen standardmässig anbieten, werden es Firmen wie Nielsen künftig schwer haben zu überleben. Auch Google versucht schon seit längerem mit viel Aufwand eigene Set-Top-Boxen für internetfähige Fernseher auf den Markt zu bringen – bisher jedoch mit nur wenig Erfolg.

Sollte die neue Konsole Xbox One in der Tat so funktionieren wie in der Präsentation angekündigt, dann hat es Microsoft geschafft, eine Innovation auf den Markt zu bringen, die eigentlich schon seit längerem von Apple erwartet wird.

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