Speichermedien 10.09.1999, 17:22 Uhr

Neue Akku-Technik macht Handys und Notebooks schlanker

Die Lithium-Polymer-Akkumulatoren gelten als Nachfolgetechnik für die heutigen Top-Akkus der Lithium-Ionen-Art. Ericsson und Motorola haben jetzt Handys mit der neuen Energiequelle vorgestellt.

Klammheimlich führte der schwedische Mobilfunkkonzern Ericsson zur Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin eine neue Batterietechnologie für Handys ein: Den Lithium-Polymer-Akku. Eine kleine Sensation – die Konkurrenz beißt sich seit Jahren die Zähne daran aus. Panasonic hatte für sein Mobiltelefon GD-90 bereits zur CeBIT ebenfalls Lithium-Polymer-Akkus angekündigt. Zur IFA folgte jetzt der Rückzieher. Das GD-90 wird mit einer konventionellen Lithium-Ionen-Energiespeicher geliefert, die bislang als das Nonplusultra der Akku-Technik galt.
Einzig der US-Konzern Motorola bietet den Lithium-Polymer-Akku als Zusatzausstattung für sein neustes Dualband-Handy an. Ericsson dagegen setzt den neuartigen Akku serienmäßig im neuen Oberklassenhandy T28s ein. Die aufladbare Batterie ist gerade einmal scheckkartengroß. Der Vorteil der Polymertechnologie: Die neuen Energiespeicher sind dünner und leichter als die Lithium-Ionen-Pendants. Außerdem lassen sich Lithium-Polymer-Batterien besser der Gehäuseform anpassen.
Dank der neuen Akkus weiß die mobile Telefonkundschaft endlich auch, wie lange ihr noch Zeit bleibt für ein Schwätzchen. Ericsson-Pressesprecher Jens Kürten auf der IFA: „Wir können beim T28s erstmals exakt die restliche Stand-by- und Gesprächsdauer auf dem Display angeben.“
„Zur Zeit gibt es hauptsächlich zwei Varianten der Lithium-Polymer-Technik“, erläutert Gerold Neumann aus der Abteilung Modulintegration des Fraunhofer Institut für Siliziumtechnolgie (ISIT) in Itzehoe. Zum einen handele es sich um gelifizierte Flüssigelektrolytsysteme, wie sie sehr stark in Japan forciert würden. Durch den Zusatz vom Polymeren zum flüssigen Lithium-Elektrolyten entsteht eine gallertartige Masse. Zum anderen gäbe es einem schwammartigen Separator, der den Flüssigelektrolyten aufsaugt. Diese Technik werde von Telcordia – früher Bellcore – und deren Lizenznehmern vorwiegend in USA verfolgt.
„In beiden Fällen handelt es sich um modifizierte Flüssigelektrolytsysteme, die einen Teil der sicherheitstechnischen und fertigungstechnischen Probleme konventioneller Flüssigelektrolytsysteme beseitigen können“, erläutert Neumann und verweist damit auf die Explosionsmöglichkeit der üblichen Lithium-Ionen-Akkus.
Batteriehersteller und die Produzenten mobiler Geräte aus dem Informations- und Kommunikationssektor treiben zur Zeit weltweit die Lithium-Polymer-Technologie zur Serienreife. Triebfeder ist unter anderem der Trend zu superschlanken Notebooks. Geräte wie der 2,5 cm dicke Vaio von Sony oder Toshibas 2 cm hoher DynaBookSS Portege gelten als das Minimum, was die Notebookhersteller mit der Lithium-Ionen-Technologie herstellen können.
Abhilfe würde nur die flexiblere Lithium-Polymer-Technik bieten, die dank der flüssigen Elektrolyte mit einem unflexiblen und nur wenig anpaßbaren Metallbehälter auskommen. „Lithium-Polymer-Akkus brauchen kein Gehäuse mehr, um das Auslaufen zu verhindern“, so beschreibt Motorola das Interesse an der Technologie.
Auch die Handyproduzenten träumen vom ultradünnen Mobilfunkgerät. „Je nach Kapazität haben Lithium-Ionen-Akkus eine Dicke von 6 mm bis 12 mm“, so US-Hersteller Motorola. Lithium-Polymer-Varianten mit gleicher Kapazität ließen sich in Stärken von nur 1 mm bis 4 mm herstellen.
Das Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe tüftelt unterdessen an einer eigenen Lithium-Polymer-Technologie. „Unser System benutzt als Ausgangsmaterial Feststoff-Ionenleiter und hat somit von vornherein die Probleme der flüssigkeitsbasierten Systeme umgangen“, beschreibt Gerold Neumann den Ansatz des ISIT, den sein Kollege Peter Birke zusammen mit Forschern vom Institut für Festkörperionik der Kieler Christian-Albrechts-Universität entwickelt hat. „Solche Feststoffsysteme sind weitestgehend eigensicher und einfacher zu fertigen im Vergleich zu den anderen Lithium-Polymer-Systemen. Außerdem sind sie zu deutlich höheren Temperaturen als klassische Systeme einsetzbar.“ Derzeit bereitet das ISIT mit Fördergeldern des Landes Schleswig-Holstein eine Pilotfertigung vor, die im ersten Quartal 2000 ihren Betrieb aufnehmen soll.
STEPHAN W. EDER
Flexible Kraftquelle: Flache und formbare Lithium-Polymer-Akkus sollen zukünftige Handys und anderes mobiles Gerät mit Energie versorgen. Weltneuheit: Erstes Handy mit serienmäßigem Lithium-Polymer-Akku.

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