IFA 2011 09.09.2011, 12:07 Uhr

Navigationsgeräte trotzen Smartphone-Konkurrenz

Navigationsgeräte versuchen ihren großen Konkurrenten, den Smartphones, zu trotzen. Während Tomtom die portablen Geräte immer fitter für die Internetwelt macht, setzen andere Hersteller auf ausgeklügelte Einfachheit in der Bedienung. Auf der Messe IFA in Berlin war bis Dienstag dieser Woche ein wahres Potpourri an neuen Geräten zu sehen.

Mit einem Knopfdruck verrät Josette Udo aller Welt, wo sie gerade steckt. Ihre genaue Position, Stadt und Straße, vermeldet die Direktorin Karten und Dienste des niederländischen Navigationsgeräteherstellers Tomtom über den Kurznachrichtendienst Twitter. Auf Wunsch auch die errechnete Ankunftszeit, wenn sie sich mit dem Auto auf den Weg macht.

Für die Smartphone-Generation, die Nutzer von iPhone oder Googles mobilem Betriebssystem Android, ist das nichts Neues. Über Dienste wie 4square oder Gowalla sind viele – nicht nur junge – Menschen längst daran gewöhnt, ihren Standort jederzeit bekannt zu geben. Doch mit seiner Twitter-Funktion betritt Europas Marktführer Tomtom Neuland: Die Sendemöglichkeit für die 140 Zeichen langen Mitteilungen ist in ein herkömmliches Navigationsgerät integriert, wie es mittlerweile, fest eingebaut oder als mobiles Zubehör, in Pkw fast zum Standard gehört. Mit den internetbasierten Funktionen des Portable Navigation Device (PND), des tragbaren Navis, reagiert Tomtom vor allem auf die wachsende Konkurrenz der Smartphones, die oft doppelte Dienste als Telefon und Navigationsgerät verrichten.

Tomtom: Navigationsgeräte der neuen Generation reagieren auf Smartphone-Konkurrenz

„Tweet, search and go“, preist Udo das Paket an, das ihr Unternehmen künftig mit seinen PNDs anbietet: Zusätzlich zur Twitter-Funktion erlaubt die Mobilfunkanbindung eine Umkreissuche mit Google: beispielsweise nach Einkaufsmöglichkeiten oder beim Reiseportal TripAdvisor den Blick auf die Bewertung von nahegelegenen Hotels. „Wir bieten eine spezifische Version der Onlinedienste“, erläutert die Tomtom-Managerin. „Inzwischen plant doch niemand mehr im Voraus.“

Im Vergleich zum Smartphone, das neben einer Navigationsfunktion einen vollwertigen Internetzugang bereitstellt, sind die Kommunikationsmöglichkeiten des PND allerdings deutlich eingeschränkt. „Wir machen das mit Absicht“, erläutert Udo. „Eine Zwei-Weg-Kommunikation auf dem Navigationsgerät wollen wir bewusst nicht anbieten.“ Dafür funktioniert die integrierte SIM-Karte, der Anschluss ans Mobilfunknetz, in 33 europäischen Ländern – ohne zusätzliche Roamingkosten.

Doch mit diesem Vorteil droht zugleich eine Schwäche: Die beworbenen Zusatzdienste sind weg, wenn das Gerät in den USA Urlaub macht oder nach Asien mitgenommen wird. Und vor allem: Die Mobilfunkkosten für das erste Jahr sind zwar im Kaufpreis enthalten – doch nach diesem Jahr wird eine Gebühr von knapp 50 € fällig, mit der alle Dienste – auch präzisere Verkehrsinformationen – erneut abonniert werden.

Sinn von abonnierbaren Services für Navigationsgeräte fraglich

Andere Unternehmen wie United Navigation, unter deren Dach die Traditionsmarken Becker und Falk ihre Produkte anbieten, stehen den Live Services deshalb skeptisch gegenüber. „Die Zusatzkosten wirken abschreckend“, sagt Sprecherin Britta Braig. Auf dem Navigationsgerätemarkt vor allem in Deutschland rentiere sich das noch nicht. Wenn nach einem oder zwei Jahren die erneuten Abo-Gebühren fällig würden, stellten sich viele Benutzer die Frage, ob sie den Vertrag verlängerten oder nicht gleich ein Gerät der neuesten Generation kaufen sollten.

Wie alle großen Anbieter, ob mit oder ohne Live Services, setzt United Navigation darauf, die Navigation möglichst einfach und bedienerfreundlich zu machen. Zunehmend werden einfache 3-D-Anzeigen zum unverzichtbaren Bestandteil der Zielführung – sei es, um ein kompliziertes Autobahnkreuz weniger verwirrend zu gestalten oder um in Innenstädten dem Fahrer den Vergleich zwischen dem Bildschirm und der Realität zu erleichtern. Selbst für portable Geräte gibt es bei Falk eine Fernbedienung, die wie der Steuerknopf in BMW-Fahrzeugen auf der Mittelkonsole montiert wird.

Das deutsche Unternehmen Navigon, inzwischen Teil des US-Navigationsriesen Garmin, will mit einer neuen grafischen Benutzerführung, dem „Navigon Flow“, dem Fahrer das automobile Leben leichter machen: Auf dem Display erscheinen nicht mehr alle Optionen, sondern nur noch das, was wirklich gebraucht wird – eine offensichtliche Anleihe bei den Herstellern von Digitalkameras, die nach Jahren überfrachteter Menüs auch lernen mussten, nur noch das Wesentliche auf einen Blick anzubieten.

Navigationsgeräte: Mit Nutzerfreundlichkeit gegen Smartphone-Lösungen

Die neue Nutzerfreundlichkeit ist das Pfund, mit dem sich die Hersteller tragbarer Navis von den Smartphone-Lösungen abzuheben versuchen – auch wenn natürlich alle großen Firmen ebenfalls Software für die Hightech-Mobiltelefone anbieten. Doch selbst Tomtom mit seinem twitternden PND bietet längst nicht alle Funktionen in seiner iPhone- und mittlerweile auch iPad-App an: Im Navigationsmenu sucht man den Twitter-Button vergeblich. Ein bisschen Vorsprung sollen die Umsatzbringer schon bekommen.

  • Thomas Wiegold

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