Drucker 19.05.2000, 17:25 Uhr

Mr. Turbo-Letter

Johannes Gensfleisch zur Laden aus Mainz hatte im 15. Jahrhundert eine Idee. „Wie wäre es, wenn man aus Metall gegossene Schriftzeichen herstellt, die beim Druck immer wieder verwendet werden können?“ Es funktionierte. Als Johannes Gutenberg ging er in die Geschichte ein.

So oder so ähnlich könnte es ja gewesen sein. Als Erfinder des Buchdruckes wird Gutenberg allenthalben zum 600. Geburtstag geehrt. Wenn man es allerdings genau nimmt, ist das nicht ganz richtig. Gutenberg erfand um 1450 das Instrumentarium: die beweglichen Lettern. Jetzt war die Vervielfältigung von Büchern in beliebigem Umfang möglich. Die einzelnen Elemente eines Textes – Klein- und Großbuchstaben, Satzzeichen, Ligaturen und Abkürzungen – wurden als seitenverkehrte Lettern in beliebiger Anzahl gegossen und schließlich zu Wörtern, Zeilen und Seiten zusammengefügt.
Das Zeichen wurde in die Stirnseite eines Stahlstifts geschnitten, so dass sich ein seitenverkehrtes Relief ergab – ähnlich einem Stempel. Der jeweilige Stempel (die Patrize) wurde in einen rechteckigen Block aus weiterem Metall (meist Kupfer) „abgeschlagen“, – also senkrecht mit dem Schlag eines Hammers eingetieft. Die so erzeugte Matrize wurde nachbearbeitet und begradigt. So entstand ein rechtwinkliger Kubus mit geraden Seiten, die Gussform. Das seitenrichtige Bild sollte eine einheitliche Tiefe haben, deshalb bearbeitete man die Oberfläche noch zusätzlich mit einer Feile. Der Erfinder entwickelte eine spezielle Maschine, die den Guss einer Letter ermöglichte: das Handgießinstrument. Zwei Teile umschließen einen rechteckigen Gießkanal, dessen eines Ende durch Einsetzen der Matrize verschlossen wurde. Nach dem Guss der Lettern im Handgießinstrument musste der Angusszapfen entfernt werden.
Das Handgießinstrument ermöglichte es, im schnellen Wechsel die jeweils benötigten Mengen an unterschiedlichen Lettern zu gießen. Eine Legierung aus Blei, Zinn und anderen Beimischungen bildeten die Grundlage für das Gussmetall. Bis zu diesem Zeitpunkt pflegten Kirche und Klöster die Schrift – in der Schreibwerkstatt (Scriptorium) kopierten beispielsweise eifrige Mönche in akribischer Kleinarbeit – Buchstabe für Buchstabe handschriftlich die Bibel.
Gutenberg schuf in seiner Mainzer Druckerwerkstatt neben einer Reihe anderer Publikationen wie Ablassbriefen, Schulgrammatiken, Kalendern auch die berühmte 42-zeilige Bibel. Das zweibändige Werk mit insgesamt 1282 Seiten entstand in der Blüte seines Schaffens mit Hilfe von etwa 20 Mitarbeitern und erfährt auch heute noch Anerkennung. Vielen gilt es als eines der schönsten gedruckten Bücher der Welt. 290 verschiedene Figuren hatte Gutenberg für die Heilige Schrift gegossen. Die farbigen Initialen und Zeichen wurden später von einem Illuminator und einem Rubrikator eingefügt. 180 Exemplare entstanden, 48 sind noch erhalten.
Mit seiner Bibel wollte Gutenberg den Beweis antreten, dass die „nova forma scribendi“ den Handschriften, die damals ihre Hochzeit erlebten, ästhetisch gleichwertig war. Weit über 200 000 Arbeitsschritte sollen nach Auskunft von Fachleuten für die Erstellung der Bibel nötig gewesen sein.
Gedruckt wurde allerdings schon vor Gutenberg. Beim Holzdruck wurde Papier auf den bearbeiteten und mit Farbe versehenen Holzstock gelegt und abgerieben – ein aufwendiges Verfahren. Die Druckerpresse aus Mainz – eine Spindelpresse – hatte gegenüber dem Reiberdruck den entscheidenden Vorteil, dass sie eine enorme Beschleunigung des Druckvorganges ermöglichte.
Gutenbergs Erfindung, die „schwarze Kunst“, veränderte die Welt und bildet den Grundstein der modernen Zivilisation. Goethe schrieb: „Wir verdanken dem Bücherdruck und der Freiheit desselben undenkbares Gute und einen unübersehbaren Nutzen.“ In den USA wurde Gutenberg in einer Umfrage zum wichtigsten Mann des zweiten Jahrtausends gewählt. Doch über den „man of the millenium“ und seinen Lebensweg gibt es nur wenig gesicherte Erkenntnisse, auch ein authentisches Bildnis fehlt. Neuere Forschungen belegen aber zumindest, dass Gutenberg keinesfalls der eremitische Erfinder war, der im Alter völlig verarmt lebte. Vielmehr scheint der Mainzer ein ausgeprägtes Organisationstalent mit betriebswirtschaftlichem Know-how gewesen zu sein, der unter den politischen und religiösen Wirren seiner Zeit litt. 1468 starb Gutenberg, bereits zu diesem Zeitpunkt hatte seine Kunst ihren Siegeszug angetreten. C. HANTROP
Infos unter: http://www.gutenberg.de
Eines der kostbarsten Bücher Deutschlands ist die um 1454 entstandende zweibändige Bibel-Ausgabe von Gutenberg.
Eine zeitgenössische Darstellung des Mainzer Erfinders Johannes Gutenberg.

 

Von C. HANTROP
Von C. Hantrop

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